Montag, 31. Oktober 2005
Was in der Zeitung steht, hat man so nie gesagt. Und das Radio sendet bloss den Nebensatz, der das Argument gleich umkehrt. Was einem passiert ist, wird völlig verkehrt dargestellt. In solchen Fällen kann guter Rat teuer sein.
Soll man es mit einer Gegendarstellung versuchen? Bloss: Bis sie erscheint, kann es etwas dauern. Und wenn man ein Gericht einschalten muss, kann die leidige Sache auch noch teuer werden.
Weniger Geschirr ginge in die Brüche, wenn man schnell und einfach korrigieren könnte. Deshalb veröffentlicht Blattkritik.ch nun auch «Corrigenda». Zuschriften werden geprüft, wenn möglich online gestellt und mit dem betreffenden Medienbeitrag verlinkt.
Das bieten auch andere an? Ja, aber die machen damit ein Geschäft. Deshalb: Einfach an Blattkritik.ch schicken. Guter Rat ‚Äì das heisst Gegendarstellung ‚Äì muss nicht immer teuer sein...
Montag, 31. Oktober 2005
Kapstadt ist traumhaft und sicher - selbst für allein reisende Frauen, wie 20 Minuten schreibt. Wahrscheinlich führen die vielen negativen Schlagzeilen tatsächlich zu einem falschen Bild. Wahrscheinlich kann frau - mit der nötigen Vorsicht - problemlos in Kapstadt Ferien machen. Trotzdem: Müssten die Autorinnen im Artikel zum Thema Sicherheit nicht zumindest erwähnen, was andere schreiben: Etwa, dass in keinem friedlichen Land mehr Vergewaltigungen gezählt werden als in Südafrika? Im Jahr 2002 wurden der Polizei 52'107 Fälle gemeldet. Statt dessen erfährt man, dass frau sich "nicht gleich prüde, aber unbedingt sittsam anziehen" soll, dass am Strand von Camps Bay "leicht Kontakte geschlossen werden können" und dass frau "die Brille nicht vergessen" soll, da Craig David vorbeischlendern könnte.
Freitag, 28. Oktober 2005
US-Vizepräsident Dick Cheney hat offenbar die letzten Hemmungen über Board geworfen und geht Wege, die für einen gewählten Offiziellen beispiellos sein dürften: Er schlägt dem Kongress vor, durch Amerikaner verübte Folterungen zu legalisieren. Mehr dazu im Editorial «Vice President for Torture» in der Washington Post (Link kostenpflichtig, der vollständige Text findet sich hier).
Freitag, 28. Oktober 2005
Wer Marc Rosset ist, weiss in der Schweiz jeder, der schon mal wegen einer Sportsendung den Fernseher eingeschaltet hat. Der Genfer Tennisprofi, Olympiasieger 1992 in Barcelona, 15-facher ATP-Turniersieger und ehemaliger Top-Ten-Spieler, hat mit seinen Leistungen helvetische Sportgeschichte geschrieben. Und mit seinen Launen hat der 2-Meter-Mann auch abseits der Tennisplätze immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.
Nach 17 Jahren im Profigeschäft hat Marc Rosset am Dienstag in Basel seine Karriere beendet. Ohne viel Aufhebens. Trotzdem war Wundertüte Rosset allen wesentlichen Schweizer Zeitungen und Medien mindestens eine Meldung wenn nicht sogar ein Porträt wert.
Allen? Nein, eine grosse Berner Zeitung leistet erbitterten Widerstand gegen den Mainstream. Leserinnen und Leser der BZ wissen nämlich bis heute Freitag nicht, dass Marc Rosset das Racket an den Nagel gehängt hat. Nicht einmal eine Kurzmeldung war der Rücktritt eines Schweizer Olympiasiegers der BZ wert, weder am Mittwoch, noch gestern, noch heute.
Stattdessen hat die BZ am Mittwoch einen langen Text über den dauerverletzten Berner Tennisprofi Michel Kratochvil gebracht ‚Äì quasi ein journalistischer Doppelfehler. Denn: Das Porträt des Ostermundigers hätte man in den letzten zwei und den nächsten drei Monaten eigentlich jeden Tag publizieren können. Ausser vielleicht am Tag nach Roger Federers US Open-Sieg ‚Äì und eben am Mittwoch.
Tennis ist nicht zuletzt eine Frage der √úbersicht und des Timings. Journalismus auch.
Donnerstag, 27. Oktober 2005
Ein EU-Beitritt der Schweiz ist also offiziell nur noch eine «längerfristige Option». Der Bundesrat hat das Beitrittsgesuch von 1992 zwar nicht zurückgezogen, aber entwertet. Der «Bund» schreibt dazu in seinem Kommentar:
Die offizielle Zurückstufung des Beitritts ist nichts als ehrlich. Es hat keinen Sinn, so zu tun, als wäre der Beitritt ein realistischer Weg, wenn kaum jemand in Wirtschaft und Politik wirklich in die EU will. Tja, wenn sogar die progressiveren unter den Journalisten die Unmöglichkeit eines EU-Beitritts quasi verinnerlicht haben, wirds tatsächlich schwierig. Und es ist schlicht falsch, zu behaupten, kaum jemand in Politik und Wirtschaft wolle in die EU. Vielmehr ist die Möglichkeit eines Beitritts in letzter Zeit zum Tabu gemacht worden, aus Angst, den Gegnern jeglicher √ñffnung in die Hände zu spielen.
Zugegeben: Vielleicht sind gerade dank dieses Tabus die Abstimmungen zu Schengen und zur Personenfreizügigkeit gewonnen worden. Aber, liebe Politikerinnen und Politiker, Wirtschaftsleute und vor allem Journalistinnen und Journalisten: Die Abstimmungen sind vorbei, ihr könnt von jetzt an wieder Klartext reden und schreiben.
Mittwoch, 26. Oktober 2005
«Asylbewerber und Fakire», ein «Apropos» im heutigen «Bund», bringt die absurde und trostlose Situation eines Asylbewerbers, der auf seinen Entscheid wartet, in wenigen Worten auf den Punkt.
Dienstag, 25. Oktober 2005
Ernährung und √úbergewicht ‚Äì ein Dauerthema, das derzeit quasi Hochkonjunktur erlebt und in aller Leute Munde ist. Klar, dass die Medien deshalb wiederkäuen, verbraten, aufwärmen und neu anrichten.
Zu Wort meldet sich auch ein alter Bekannter, Udo Pollmer, seines Zeichens Lebensmitteltechniker, Ernährungsexperte und immer für eine Provokation gut. Ganze drei Seiten widmet die aktuelle «Weltwoche» seinen knackig zu lesenden Häppchen über die Ursachen des √úbergewichts.
Der News-hungrige Leser setzt sich angesichts des bekannten Autors erwartungsfroh zu Tisch, hofft auf ein Menü an neuen Erkenntnissen ‚Äì und wird enttäuscht. Pollmer verkauft, geschickt verpackt, alte Zöpfe, neu aufgebacken: Hormone haben einen Einfluss auf die Futterverwertung; Trauer und Stress führen, ob nun direkt über die vermehrte Ausschüttung von Cortisol oder indirekt über die erhöhte Kalorienzufuhr, zu √úbergewicht; glückliche Kinder sind schlanker als unglückliche. Nichts, was wir nicht schon gekannt und probiert hätten. Weder Vorspeise, noch Hauptgang, noch Dessert bringen eine Delikatesse.
Das wäre im Prinzip nicht weiter tragisch. Es bleibt aber ein fahler Nachgeschmack. Ungesund wirds nämlich dann, wenn Texte wie der vorliegende den zu √úbergewicht neigenden Leserinnen und Lesern beiläufig jede Menge Zutaten liefern, mit denen sie sich ihre Rechtfertigungen für das √úbermass an Pfunden zusammenbrauen können. Pollmer schreibt, salopp zusammengefasst: Diät und Sport bringen nichts, also lass es lieber, nimm ruhig zu, wenn es dir schlecht geht, das ist ok und völlig normal, also kümmere dich nicht drum, iss einfach «normal» und beachte, auf was dein Körper Lust hat.
Zu dumm allerdings, wenn der Körper nach Schokolade schreit oder sich nach fettigen Sossen und Big Macs verzehrt. Anstatt x-mal Gegessenes aufzuwärmen und √úbergewichtigen ihre Ausreden auf dem Silbertablett zu präsentieren, würden Pollmer und die «Weltwoche» besser daran tun, verständlich zu machen, dass das Symptom √úbergewicht nicht gesund ist und es gilt, die Ursachen zu bekämpfen ‚Äì sei es mittels Bewegung, «besserer» Ernährung oder Besuchen beim Psychiater.
Montag, 24. Oktober 2005
Erstaunlich: Die EU-Regierungschefs suchen im Anschluss an das Verfassungsdebakel nach einem neuen, sozialen Staatsmodell (siehe Bund von heute: «Die EU sucht eine soziale Zukunft») und sogar die schweizerische FDP spricht davon, man wolle für «eine offene und sozial gerechte Gesellschaft eintreten», wolle nicht mehr «kalte Wirtschaftspartei» sein (siehe Bund von heute: « FDP gibt sich neues Image»).
Die Zeichen der Zeit erkannt hat offenbar auch Frank A. Meyer. Am Samstagabend forderte er in seiner Talksendung «SonntagsBlick Standpunkte» auf SF2 dezidiert die Führungsrolle der Politik. Er betonte, die Politik dürfe sich nicht nur am Rechnen, am Profit orientieren, sondern habe andere gesellschaftliche Bedürfnisse ebenso stark zu gewichten wie die Anliegen der Wirtschaft.
Ganz anders die NZZ. In seinem Artikel «Vom liberalen zum sozialen Staat» (Link kostenpflichtig) vom letzten Samstag preist G.S. mal wieder (oder besser gesagt: immer noch) die Vorzüge des «schlanken Staats», behauptet, ein Staat, der der Wirtschaft das Wirtschaften durch Steuern erschwere, könne kein sozialer Staat sein, weil es dann gar nichts mehr zum Verteilen gebe. Kein Wort davon, dass auch im kapitalistischen System das Erwirtschaftete gerechter verteilt werden könnte, z.B. eben über Steuern, und kein Wort davon, dass die skandinavischen Staaten trotz relativ hoher Steuerbelastungen in den internationalen Ranglisten der Wettbewerbsfähigkeit regelmässig vorne dabei sind und dank einer blühenden Wirtschaft Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten erreicht haben (siehe Bund von heute: «Wettbewerb der Steuerreformen»).
Schade, dass G.S. und andere NZZ-Journalisten oft die Propheten in der eigenen Zeitung nicht hören. So hat zum Beispiel Peter Ulrich, Professor für Wirtschaftsethik an der Uni St.Gallen, im «Staatspolitischen Forum» vom 19. Oktober in seinem Artikel «Bürgerfreiheit und zivilisierte Marktwirtschaft» (Link kostenpflichtig) betont, dass der freie Markt als Koordinationsprinzip einer freiheitlichen Bürgergesellschaft nicht genügt. Er schreibt:
Anderen Interessen (z.B. Arbeitnehmerinteressen) oder ideellen Anliegen (z.B. Wahrung der Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit) steht die Logik des «freien» Marktes regelmässig entgegen, weil sie Kosten verursachen. und:
Unser Hauptproblem sind heute nicht mangelnde Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, sondern ganz im Gegenteil der unzureichende Umgang mit den gesellschaftlichen Konsequenzen einer hochproduktiven Volkswirtschaft. (‚Ķ) Natürlich kommt auch eine bürgeremanzipatorische Gesellschaftspolitik an den marktwirtschaftlichen Sachzwängen nicht vorbei; nur überhöht sie diese nicht zu Denkzwängen. Auch im Zeitalter der Globalisierung der Märkte sind nationale Spielräume vorhanden, wie etwa die skandinavischen Länder belegen. Die bürgerlichen Parteien der Schweiz sollten die derzeitigen sozio-ökonomischen Herausforderungen als bürgergesellschaftliche Gestaltungsaufgabe wahrnehmen und damit an ihre eigene republikanisch-liberale Tradition anknüpfen.»
Montag, 24. Oktober 2005
«In Naples in Florida machen sich zahlreiche Surfer die Vorläufer des Hurrikans zunutze», schreibt der «Bund» heute auf der Seite «Vermischtes» zu diesem Bild.
Wow, Riesenwellen, die da an die Küste donnern. Wie ist das Wasser sonst im Golf von Mexiko? Spiegelglatt? Na Hauptsache, die Seite ist irgendwie voll geworden.
Montag, 24. Oktober 2005
Welch ein Wirbel um ein Handy, das eigentlich kaum mehr kann, als manch ein anderes auch. Aber eben: Das "Rokr" von Motorola greift direkt auf Apples iTunes-Programm zu. Und deshalb greifen die Medien es auf. Da kommt auch CE-Markt nicht darum herum. Dort wird die Präsentation wenigstens in angenehmer Kürze erledigt.
Verblüffend, wie ähnlich das neue dem etwas älteren Handy ist - und wie anders es sonst auf Fotos aussieht. Oder hatte die Redaktion gerade kein Foto handy?
Montag, 24. Oktober 2005
Die «Weltwoche» überrascht uns regelmässig mit Inside-Berichten zu Al-Kaida, Osama bin Laden und dem Krieg gegen den Terror. Autor ist in den meisten Fällen Urs Gehriger, der immer wieder direkt aus der Höhle des Löwen zu berichten scheint. Wo CIA, ISI und Mossad nicht hinkommen, da spricht Gehriger mit den gefährlichsten Leuten dieser Welt. Ansonsten ist in Sachen Quellen leider Fehlanzeige, zu bieten hat die «Weltwoche» höchstens: «wie Geheimdienstkreise verlauten lassen» ‚Ķ
Den Vogel abgeschossen hat Gehriger jetzt mit seiner dreiteiligen Serie zu Abu Mussab al-Sarkawi, dem «Shooting-Star» der Terrorszene ( Teil 1, Teil 2, Teil 3). Mit schon fast unglaublicher Naivität bläst der Autor ins Horn der internationalen Terroristen-Jäger. Er bedient sich einer Sprache, die keine Grautöne zu lässt («Der absolut Böse»). Er sucht sich zusammen, was ins Bild passt, was nicht passt, wird weggelassen.
Als «Quellen» müssen immer wieder al-Sarkawis diverse Websites herhalten. Wer diese wirklich betreibt, ist aber unklar.
«Das Groteske allerdings ist», sagt Kohlmann, «die Server der Terror-Websites sind bei uns in Amerika, in North Carolina zum Beispiel.»
Wie bitte? Für Gehriger scheint nichts Grund zur kritischen Hinterfragung. Doch dann, plötzlich, gibts im dritten Teil auch lichte Momente. Gehriger schreibt:
Nach Powells Uno-Auftritt wird Sarkawi in der ganzen Welt bekannt. Er sei das Bindeglied zwischen Saddam Hussein und Osama Bin Laden, behauptet der US-Aussenminister. Viele europäische Geheimdienstler, die die Spuren Sarkawis seit längerem verfolgen, reagieren mit Skepsis. «Diesbezügliche Hinweise konnten nicht festgestellt werden», notiert ein BKA-Beamter in seine Ermittlungsakte. Offiziell sagt dies noch niemand. Plötzlich sieht die Welt in Sarkawi den Meisterterroristen. Wo immer eine Terrorzelle ausgehoben wird, taucht sein Name auf, selbst wenn die angeblichen Verbindungen schleierhaft sind. Als in Madrid am 11. März 2004 Pendlerzüge in die Luft fliegen, stellt der Untersuchungsrichter die These auf: Sarkawi ist der Drahtzieher. Beweise fehlen, die Indizien sind schwach.
Fakten und Fiktionen vermischen sich. Sarkawi wächst zum Mythos. Einmal wird er im georgischen Pankisital gesehen, dann soll er in Europa unterwegs sein, in Syrien, Iran und Jordanien. Er soll bereits unter dem Schutz Saddam Husseins im Irak aktiv gewesen sein, in welcher Sache genau, ist niemandem klar. Laut US-Aussenminister Powell hat Sarkawi sogar ein Bein verloren und sich deswegen in einem Spital Saddam Husseins in Bagdad pflegen lassen. Die Welt rätselt.
Wer keinen Einblick in die Geheimdienstdossiers hat, verliert schnell den √úberblick. Wer jetzt über Gehrigers plötzliche Differenziertheit staunt und hofft, der Abschluss des 3-teiligen Artikels biete eine kontroverse Sicht der Dinge, wird enttäuscht. Gehriger beschliesst sein Geschreibe mit Sätzen, die aus Schundromanen stammen könnten:
Eine dunkle Gestalt geht durch die Gassen. In eine Koranschule. Sie bleibt eine Nacht. Zwei. Drei. Doch Abu Mussab al-Sarkawi geht nicht auf den Friedhof. Seine Frau und seine vier Kinder in Sarka besucht er nicht. Er ist allein. Noch einmal zu Hause, in seiner Stadt. Dann kehrt er zurück an die Front. Es kann für die Weltwoche sicher nicht darum gehen, in Sachen al-Sarkawi Verschwörungstheorien in die Welt setzen, wie sie zu hunderten durchs Netz geistern. Aber: Abu Mussab al-Sarkawi ist seit Jahren nicht mehr gesehen worden. Alles, was seither über ihn bekannt ist, stammt aus (unter Folter erpressten?) Geständnissen von Gefangenen und aus Enthauptungs- und Hinrichtungs-Videos, in denen vermummte Gestalten mit unterschiedlichen Stimmen behaupten, sie seien al-Sarkawi. Weder die CIA noch FBI oder Pentagon haben bisher offiziell erklärt, welche der Stimmen diejenige von al-Sarkawi ist, oder ob sie überhaupt zu hören war. Fakt ist, dass es zu al-Sarkawi so gut wie keine Fakten gibt, dafür umso mehr Geschichten, Märchen, Meinungen und Interpretationen. Alternative Sichtweisen, die auch nicht der Wahrheit entsprechen müssen, finden Sie hier, hier, hier, hier, hier und hier.
Was die «Weltwoche» mit ihren Texten bietet, ist nicht nur einseitiger Thesenjournalismus. Die «Weltwoche» macht sich zum Sprachrohr des absurden Kriegs gegen den Terror.
Freitag, 21. Oktober 2005
Der Dopingskandal um das kalifornische Balco-Labor hat in der gesamten Sportwelt für Aufsehen gesorgt und gezeigt, dass die USA vor allem in ihren eigenen Profiligen gerne mal ein Auge zudrücken. Am Dienstag sind in San Francisco die Drahtzieher zu harmlosen Strafen verurteilt worden, während die Sportler mit dem Schrecken davonkommen.
Immer dasselbe, könnte man meinen. Nicht ganz, denn die amerikanische Politik scheint eingesehen zu haben, dass die dauernden Dopingskandale dem Ansehen des Landes, dem Sport und letztlich dem Business schaden. Die Schraube soll deshalb massiv angezogen werden. Ob die angestrebten Gesetze künftig konsequent angewendet werden, oder ob der ganze Aufruhr nur eine mediengerechte Show ist, bleibt abzuwarten.
Mehr dazu im gestrigen Bund.
Freitag, 21. Oktober 2005
Wir sind es uns schon gewohnt: Die Weltwoche schiesst immer wieder mehr oder weniger sinn- und grundlos gegen Bundesrat Moritz Leuenberger. Ein besonders peinliches Beispiel dafür liefert sie in ihrer aktuellen Ausgabe. Leuenberger wird in der Rubrik «Medien» unter dem Titel «Es wird einmal» (Link kostenpflichtig) als «Ankündigungsminister» bezeichnet. Autor Kurt W. Zimmermann schreibt:
Als es im Herbst 2003 zur Strompanne in Italien kam, kündete Leuenberger unter grossem Medien-Trara eine «Untersuchung» an, weil ihm die Sicherheit über alles gehe und man daraus zu lernen habe. «Leuenberger verlangt Abklärungen zum Blackout», titelte etwa die NZZ. Man hörte nichts mehr davon, bis zum Juni 2005. Dann legte eine Strompanne die SBB lahm. Umgehend kündete Leuenberger unter grossem Medien-Trara eine «Untersuchung» des Falles an. Man hörte nichts mehr davon. Wie bitte? Der Bericht zum Stromausfall im September 2003 ist bereits im November 2003 erschienen und publiziert worden. Und die Untersuchnungsergebnisse zur Strompanne 2005 wurden im August 2005 vorgelegt.
Schlimm genug, dass die Weltwoche offenbar die jeweilige Veröffentlichung der Berichte verpasst hat. Noch peinlicher ist aber, dass es der Autor nicht schafft, vor dem Verfassen seines Textes fünf Minuten zu recherchieren. Lieber Kurt W. Zimmermann, ein Blick ins Internet hätte gereicht. Fünf Minuten googeln und auch die Weltwoche hätte gewusst, dass die Berichte erschienen sind.
PS: Im übrigen spricht es für und nicht gegen die Seriosität Leuenbergers, wenn er zu Tatbeständen, die einer Untersuchung bedürfen, nicht einfach Stellung nimmt, sondern zuerst die Umstände abklären lässt.
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Benjamin Ferencz war einer der Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither kämpft der Amerikaner für das internationale Recht als Baustein für eine friedlichere Welt. Den Angriffskrieg der USA gegen den Irak hat er deswegen scharf kritisiert.
Das Echo der Zeit von Radio DRS hat mit Ferencz gesprochen und ihn gefragt, was er vom Prozess gegen Saddam Hussein hält. Und Ferencz gibt starke Antworten, beispielsweise vergleicht er die Argumentation der Bush-Administration in Sachen Angriffskriege mit jener der Angeklagten in den Nürnberger Prozessen.
Mittwoch, 19. Oktober 2005
Ab heute muss sich Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein vor Gericht verantworten. Menschenrechts-Organisationen und Juristen kritisieren das Verfahren aber bereits bevor es überhaupt begonnen hat. Radio DRS 1 hat im «Tagesgespräch» mit Kai Ambos, Professor für internationales Strafrecht an der Uni Göttingen, über Sinn und Unsinn des Prozesses und die diversen Verfahrensmängel gesprochen.
Das Interview hören Sie hier.
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