Samstag, 24. Dezember 2005
Warum heisst Nur nur Nur? Aus den Nachrichten von Schweizer Radio DRS vom 24.12.05 um 12 Uhr.
Donnerstag, 22. Dezember 2005
Die «Berner Zeitung» beschert uns heute ein Interview mit Skifahrer Bruno Kernen. Unter dem Titel «Meine Höchstform kommt noch» lesen wir den Lead:
«Grottenschlecht» fährt Bruno Kernen nur auf der virtuellen Abfahrtspiste. Im echten Rennen hat der Berner seine Ski im Griff. Kernen über das Skigame, Weihnachten, Seelenstriptease und die Lust, bis zur WM 2007 weiter zu fahren. «Grottenschlecht» ist dann leider auch das Interview, das uns Autor Thomas Wälti bietet. Eine Hammerfrage folgt der nächsten:
1.: Bruno Kernen, was bedeutet Ihnen Weihnachten?
2.: Gönnen Sie sich an Heiligabend ein Filet im Teig?
3.: Wo feiern Sie Weihnachten?
4.: Fassen Sie Vorsätze für das neue Jahr? Erstmals die Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel gewinnen oder eine Olympiamedaille in Sestriere?
5.: Die «Schweizer Illustrierte» hat Sie zu den 30 begehrtesten Singles der Schweiz gezählt. Keine Zeit für eine Partnerin? Spätestens nach Frage 5 blickt der Leser nach oben und prüft, ob er denn wirklich im Sportteil der BZ gelandet ist und nicht in einem Klatschmagazin. Doch doch, es ist der BZ-Sportteil.
Leider wirds ab Frage 6, wenn Wälti endlich zur Sache ‚Äì zum Sportlichen ‚Äì kommt, nicht besser.
6.: So gut wie heuer starteten Sie in Ihren 14 Weltcupjahren noch nie in eine Saison. Sind Sie wie ein guter Tropfen Ihres Lieblingsweins «Brunello di Montalcino»: je älter, desto besser?
Antwort: Wenn Sie meinen ‚Äì gerne! Allerdings hat der «Brunello di Montalcino» starke Konkurrenz erhalten. Auch der «Amarone» ist ein einmaliger Wein. (‚Ķ) Gähn gähn gähn. Weiter unten, in der gleichen Antwort, sagt Kernen:
Kraft meines Konditionsaufbaus und meiner Erfahrungswerte sollte mir meine Höchstform aber noch bevorstehen. «Kraft meines Konditionsaufbaus?» Man kann etwas Kraft seines Amts tun, aber sicher nicht Kraft seines Konditionsaufbaus.
8.: Hängt Ihre «Frühform» auch damit zusammen, dass Sie es zum Karrierenabschluss nochmals wissen wollen? Starke Frage. Irgendwie hat es uns auch immer gedünkt, Kernen habe seine Karriere in den letzten Jahren auf die leichte Schulter genommen.
9.: Trainierten Sie im Sommer nach einem bestimmten Plan? Spitzensportler pflegen zwar in der Regel tatsächlich nach einem bestimmten Plan zu trainieren. Aber gut, dass der Autor nachgefragt hat ‚Äì sicher ist sicher. Ein sprachliches Detail am Rande: Solche Fragen stellt man immer im Perfekt.
12.: Draussen auf der Piste fahren Sie schneller als am Bildschirm?
Antwort: Glücklicherweise habe ich meine Ski im echten Rennen besser im Griff. Sonst müsste ich mir einen neuen Job suchen. Noch eine Info zu Bruno Kernen, auf die wir nicht gewartet haben.
Kaum zu glauben, aber wahr: Thomas Wälti schafft es, uns in einem fünfspaltigen Interview eine einzige Information von sportlichem Interesse zu vermitteln: Kernen macht bis zur WM 2007 weiter.
Und auch in Sachen Boulevard hat der Autor nichts zu bieten. Ob Filet im Teig oder Fondue ist einfach nicht interessant und ausgerechnet bei der Frauenfrage lässt Wälti Kernen den Joker ziehen.
Mittwoch, 21. Dezember 2005
Bislang geschäftete Reuters vorab mit grösseren Medienunternehmen. Neu bietet die Nachrichtenagentur auch Bloggern und Betreibern von Websites Videomaterial an. In einem Pilotprojekt können diese die Videos kostenlos in ihre Websites einspeisen. Reuters kann vor dem Beitrag Werbung einblenden. Nach der Pilotphase sollen die Website-Betreiber Inhalte alternativ auch lizenzieren und ohne Werbeeinblendungen verbreiten können.
Dies ist angesichts der zunehmenden Masse an nicht von Nachrichtenprofis generierten Inhalten ein spannendes, alternatives Geschäftsmodell für eine Nachrichtenagentur, findet Blattkritik.ch.
Dienstag, 20. Dezember 2005
Der Kommentar zu den bolivianischen Präsidentschaftswahlen auf der Titelseite des «Tages-Anzeiger» lässt nostalgische Gefühle aufkommen. Schon der Titel - «Ein Sieg für die Indianer» - lässt an Karl May denken. In seinen weiteren Ausführungen zu den Indianern kommt Hans Moser zum Schluss:
Der Vormarsch ihrer Stammesbrüder in Bolivien dürfte sie aber anspornen, energischer als bisher dafür zu kämpfen, dass ihnen in der Gesellschaft endlich der gebührende Platz eingeräumt wird.
Und Evo Morales schliesst Blutsbrüderschaft mit Chavez und Castro, gräbt das Kriegsbeil gegen die USA aus? Eine etwas modernere Sprache stünde dem Südamerika-Korrespondenten des «Tages-Anzeiger» gut an.
Montag, 19. Dezember 2005
Die «Berner Zeitung» titelt heute im Sportteil:
Erfolgreicher Dezember Solche und ähnliche Formulierungen haben sich eingebürgert. Das ändert indes nichts daran, dass sie sprachlich falsch sind. Der Dezember kann nicht erfolgreich sein, genauso wenig wie der Winter, der Abend oder der Montag.
Ok, wir vermuten zugunsten des Schreibenden, dass wahrscheinlich der Platz knapp war, zu knapp für die richtige Form «Erfolgreich im Dezember». Dann lesen wir den Lead. Da steht:
Der Monat Dezember war für den BSV Bern Muri ein erfolgreicher. Noch mal der gleiche Fehler ‚Äì also doch nicht eine Frage des Platzes.
Sonntag, 18. Dezember 2005
Auf Seite 9 ihrer Samstagsausgabe befasst sich die NZZ, genauer gesagt der freie Publizist Ulrich Speck, mit «Amerikas Rolle in der Weltordnung» (Link kostenpflichtig). Im Lead, den die NZZ Specks Text voranstellt, steht:
Realistische Betrachtungen sind ausser Mode gekommen und vom moralisierenden Zeigefinger abgelöst worden. Der Autor, der die Welt nüchtern ins Visier nimmt, kommt nicht überraschend zum Schluss, dass die amerikanische Hegemonie bei allen Mängeln unterstützenswert ist. Eine bessere Ordnung sieht er nicht am Horizont. Wir sind gerührt ob so viel Bescheidenheit. Und immer wieder dankbar, gibt es die NZZ als letzten Hort der Nüchternheit und Objektivität. Was in Specks Haupttext folgt, ist eine Art Bestandesaufnahme des politisch und wirtschaftlich globalisierten Weltzustands. So weit so gut, aber nichts Neues. Speck bietet nichts, was wir nicht in ähnlicher Form schon x-mal gelesen hätten.
Schlimm wirds allerdings in Specks Zweittext unter dem Titel «Was die UNO kann und was nicht» (Link kostenpflichtig). Schlimm vor allem deshalb, weil Speck schlicht zu erwähnen vergisst, dass die Schwäche der UNO in erster Linie auf das Verhalten der USA zurückzuführen ist. Die Amerikaner haben in den letzten Jahren mit allen Mittel Reformen zu Stärkung der UNO verhindert und dabei Eigeninteressen stets vor globale Interessen gestellt.
Das kümmert Speck wenig. Er schreibt:
Tatsächlich ist der Washingtoner Blick auf die Vereinten Nationen realistischer als derjenige so mancher Europäer, die dazu neigen, den Sicherheitsrat zu überschätzen. Richtig müsste es heissen, «egoistischer» statt «realistischer». Und die Europäer überschätzen den Sicherheitsrat nicht. Dieser hätte nämlich durchaus Möglichkeiten ‚Äì immer vorausgesetzt, die USA würden mitspielen.
Weiter unten verliert Speck dann komplett den √úberlick:
Was die amerikanische Vorherrschaft erträglich oder sogar attraktiv macht, ist, dass Amerika eben nicht wie eine Kolonialmacht oder ein Empire agiert.
(…)
Das Grundprinzip amerikanischer Weltpolitik ist nicht die gewaltsame Unterwerfung, sondern die Kooptation, basierend auf der Bereitschaft anderer, sich Amerika anzuschliessen. Eine angesichts der Ereignisse der letzten Jahre zumindest gewagte Behauptung. Und ob die amerikanische Vorherrschaft für Leute im Irak, in Afghanistan, Vietnam, Mittel- und Südamerika usw. ähnlich erträglich ist, wie für uns Europäer, bleibt zu bezweifeln.
Speck beschliesst seinen Zweittext mit:
Eine Alternative in Sachen globales Ordnungsmanagement ist also nicht in Sicht.
(…)
Pragmatisch gesehen sind wir in Europa alles in allem mit der amerikanischen Hegemonie in den letzten Jahrzehnten sehr gut gefahren. Es ist in unserem Interesse, diese Ordnung zu stützen und zu erhalten: Eine bessere haben wir nicht. Nein, Herr Speck, es ist nicht in unserem Interesse, diese Ordnung zu erhalten und zu stützen. Es kann nicht in unserem Interesse sein, alle Völker dieser Welt, die das Pech haben, über √ñl-Feldern zu leben und damit zum Ziel amerikanischen «Ordnungsmanagements» werden, zu unseren Todfeinden zu machen.
Realistische Betrachtungen sind tatsächlich ausser Mode gekommen ‚Äì vor allem realistische Betrachtungen der USA und ihrer Politik in der NZZ. Eine Behauptung, die sich anhand der Samstagsausgabe belegen lässt. Sei es im Leitartikel «Revolutionsgespenster in Lateinamerika», sei es im Artikel «Konvergenz im Klimaschutz» oder im kommentierten Text zu USA-UNO: Die NZZ wird ihren blinden Fleck in Sachen USA einfach nicht los.
Sonntag, 18. Dezember 2005
Mit seinen √Ñusserungen zu Folter und Rechtsstaatlichkeit hat sich der Deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble heftige Kritik eingehandelt. «Hoffentlich» denkt ein jeder, dem Menschenrechte ein Anliegen sind.
Ganz anders sieht das mal wieder der «Spiegel». Schliesslich ist das Nachrichtenmagazin im Kampf gegen den Terror stets an vorderster Front aktiv ‚Äì wohlverstanden nicht in der Rolle des kritischen Betrachters, sondern des Sprachrohrs amerikanisch-britischer Propaganda.
Als Mann fürs Grobe tut sich dabei immer wieder Matthias Gebauer hervor. So z.B. bedauerte der «Spiegel»-Journalist in seiner Berichterstattung zum Hamburger Prozess gegen den Marrokaner Abdelghani Mzoudi (der Beihilfe zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschuldigt), dass der Rechtsstaat halt ein Rechtsstaat ist und im Zweifelsfall für den Angeklagten entscheidet (Beispiel: «Der Rechtsstaat kapituliert im Terror-Prozess», kostenpflichtig).
Seinen aktuellen «Spiegel»-Artikel ( «Schäuble am Pranger») beschliesst Matthias Gebauer mit den Worten:
Wer heute die Fortsetzung der im Kampf gegen den Terror unverzichtbaren Geheimdienstarbeit fordert, wird von manchen fast in die Ecke von Folter-Fans gestellt. Tragfähige Erkenntnisse über global agierende Terror-Netzwerke lassen sich aber nur global gewinnen, dabei kann man nicht immer die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik anlegen. Eine ernsthafte, ruhige Diskussion zu diesem Thema ist jedoch zurzeit kaum möglich - das bekam Schäuble zu spüren. Es soll also ernsthaft und ruhig darüber diskutiert werden, im Kampf gegen den Terror Recht und Menschenrechte zu vergessen ‚Äì selbstverständlich nur, wenns den Guten im Kampf gegen die Bösen nützt. Da sind wir froh, dass man beim «Spiegel» weiss, wer die Guten und wer die Bösen sind.
Samstag, 17. Dezember 2005
Die Bundesverwaltung stelle 3000 Zentralrechner auf Linux um. Das vermelden diverse Nachrichtenticker. Das steht selbst in einer renommierten Zeitung. Und darüber freuen sich Blogger.
Sie haben sich zu früh gefreut. «Entgegen gewissen Verlautbarungen in der Presse wird nicht die gesamte Serverpalette der Bundesverwaltung auf Linux umgestellt», stellen die Informatikstrategen des Bundes nun klar. «Suse Linux Enterprise Server» werde neben proprietären Betriebssystemen wie Unix und Windows eingesetzt. Und: «Zur Zeit werden rund 10 Prozent der ungefähr 3000 Server der Bundesverwaltung unter Linux betrieben, Tendenz steigend.»
Im Klartext: Rund 300 Rechner laufen inskünftig unter «Suse Linux Enterprise Server», statt wie bis anhin unter einer beliebigen Linux-Distribution. Und bis zu 100 Linux-Zentralrechner kommen «in nächster Zeit» dazu.
Und woher kommt die Ente? Haben alle das - unscharfe, aber korrekte - «einen Teil» vor «der ca. 3000 Server» aus Novells Medienmitteilung weggekürzt? Haben sich alle auf die fehlerhafte englischsprachige Medienmitteilung verlassen? Oder sind einfach alle dem Nachrichten-Leithammel Heise gefolgt?
Lektion 1 im Wirtschaftsjournalismus: Unternehmen können versuchen, mit Ungenauigkeiten und Falschmeldungen etwas zu erreichen. Und Journalisten könnten mit einem kurzen Telefonat zu jenen, über die sie berichten, Klarheit schaffen...
(siehe auch bei Infamy)
Samstag, 10. Dezember 2005
Die Schweizer Printszene ist um eine Publikation reicher – der " Schweizer Journalist" setzt sich neu mit der hiesigen Medienlandschaft auseinander. Das Magazin möchte innerhalb von einem Jahr die wichtigste unabhängige Branchenzeitschrift für Journalisten in der Schweiz sein. Die Mitherausgeberin Margrit Sprecher geht mit den bereits existierenden Publikationen von und für Schweizer Journalisten hart ins Gericht:
Wäre unser Beruf so grau wie unsere Verbandsblätter – wir hätten ihn nie ergriffen. Schrieben wir so spröde, wie wir es in unserer eigenen Presse tun – unsere Artikel landeten samt und sonders im Papierkorb. Das neue Magazin soll lustvoller daherkommen. Die erste Ausgabe wird diesem Anspruch gerecht. Etwas erstaunen mag der Umstand, dass die Zeitschrift in einem Salzburger Verlag erscheint.
Noch mehr erstaunt angesichts des Erscheinungsortes der Fehltritt in der Titelseiten-Gestaltung: Als erstes springt einem eine fette 88 ins Auge. Gemeint sind die 88 besten Journalistinnen und Journalisten der Schweiz. Leider steht die Zahl aber – was in √ñsterreich noch bekannter als hierzulande sein sollte – auch für die Buchstaben HH wie Heil Hitler und geniesst daher Symbolkraft bei Neonazis.
Samstag, 10. Dezember 2005
Eine gute Zeitung oder Zeitschrift ist für den Leser wie die eigene Wohnung - man kann sich darin auch im Dunkeln oder im Halbschlaf zurechtfinden. Diese Binsenwahrheit wird einem erst dann klar, wenn man sich plötzlich nicht mehr zurechtfindet.
So geschehen heute morgen: Der neugierige Fussballfreund sucht im Sportteil des "Tages-Anzeigers" vergebens nach einem √úberblick über alle ausgelosten Gruppen für die Fussball-WM. Etwas irritiert und verärgert fügt er sich in sein Schicksal, blättert den Wirtschaftsbund durch, und siehe: Nach den Börsenkursen folgt gross und bunt die vermisste WM-Seite. √Ñhnliches im ersten Bund. Nach In- und Ausland folgt die Kehrseite. Doch nach der Kehrseite folgt als letzte Seite des Bundes die erste des (zweiten) Zürichbundes.
Eine gröbere Druckpanne, von der der zweite Bund verschont bleibt, er endet mit der regulären Schlusseite - einer Werbung für die "SonntagsZeitung" aus dem Hause Tamedia. Ein Schelm, wer sich da Gedanken macht, welche Prioritäten bei der Schlusskontrolle gelten...
Donnerstag, 8. Dezember 2005
Er schreibt für einen Wissenschafter aussergewöhnlich knackig. Am Rednerpult des heutigen Radiosymposiums gab sich der Mainzer Kommunikationswissenschafter Hans Mathias Kepplinger hingegen eher akademisch trocken.
Eine pointierte Aussage zumindest gab zu diskutieren: Journalisten berichteten durchschnittlich über 80 Prozent der Missstände, referierte Kepplinger das Resultat einer Studie aus Deutschland. Beträfen die Missstände aber die Medien, berichteten die Journalisten bloss in 42 Prozent der Fälle.
In der Schweiz dürften die Journalisten ähnlich zurückhaltend sein. Von den grossen Tageszeitungen hat bloss noch die Aargauer Zeitung eine tägliche Medienseite, und die Neue Zürcher Zeitung eine wöchentliche Beilage. Systematische Corrigenda - wie sie etwa in den USA zum Standard werden - sind in der Schweiz noch unüblich. Einen Anfang macht jetzt wenigstens die Tagesschau des Schweizer Fernsehens mit der Korrekt-Rubrik. Zudem gibt der Chefredaktor neu sporadisch einen Einblick ins Geschehen hinter der Kamera.
Offenbar kann sich auch Marco Färber, Chefredaktor von Radio DRS, ähnliche Gefässe vorstellen. An der heutigen Tagung sagte er: "Wir sollten uns mehr mit uns selber auseinander setzen - auch in unserem eigenen Interesse."
Donnerstag, 8. Dezember 2005
Journalisten schreiben fleissig E-Mails. Und sie surfen oft. Knapp 92 Prozent der Deutschschweizer Medienschaffenden sind täglich im Web unterwegs, wie Guido Keel und Marcel Bernet von der Fachhochschule Winterthur in einem Bericht schreiben. Darin werten sie 617 von Journalistinnen und Journalisten ausgefüllte Fragebogen aus.
Demnach ist das Internet für die Medienschaffenden - nach dem persönlichen Gespräch und den Tageszeitungen - bereits die dritt wichtigste Informationsquelle. Noch vor drei Jahren lag das Internet an fünfter Stelle. Mittlerweile hat es die "eigene Ablage" und die Wochenzeitungen als Recherchequelle abgelöst.
Praktisch gar nicht genutzt würden hingegen Weblogs und Podcasts sowie die RSS-Technologie, schreiben die Autoren. Das erstaunt. Ignorieren die Journalisten einfach all die Blogs, die ihre Lieblingssuchmaschine Google (97 Prozent [!]) zuoberst auf der Trefferliste ausspuckt? Plausibler ist: Sie merken nicht, dass eine besuchte "Homepage" eigentlich ein Weblog ist...
Dienstag, 6. Dezember 2005
Die Espace Media Groupe verschickte heute fast zeitgleich zwei Communiqués:
Im einen wurde der zweite neue Chefredaktor der Berner Zeitung vorgestellt: Markus Eisenhut wird die Redaktion ab Mai gemeinsam mit Michael Hug leiten. Informationen zum Wechsel und zu Eisenhut hat unter anderen der Kleinreport zusammengetragen.
Im anderen Communiqu√© wurde angekündigt, dass Radio Extra Bern per Ende Jahr eingestellt werde. Am 23. Januar übernimmt dann "Capital FM" die Sendefrequenz, ein neuer Sender der Espace Media Groupe. Eine Meldung dazu haben etwa Persönlich und der Kleinreport veröffentlicht.
Dienstag, 6. Dezember 2005
Auf der Jagd nach neuen Lesern haben die Zeitungen das ganz junge Publikum entdeckt. Der «TagesAnzeiger» publiziert schon seit Wochen Beiträge von Schulklassen, die «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ) hat den «Club der jungen Dichter» ausgerufen. Am Wochenende wurden die Gewinner des Wettbewerbs ausgezeichnet, verschiedene Kurzgeschichten der Nachwuchstalente wurden bereits in der NLZ publiziert.
Heute wurde nun eine Nachlese der anderen Art publiziert: Unter dem Titel «Die Partygurke» fanden die schönsten Stilblüten aus dem Wettbewerb den Weg ins Blatt. Da finden Abenteuerliches («Etwa 20 Trucks lieferten sich ein halsabbrecherisches Rennen»), Neudeutsches («Sie ging in die Haischool») und Romantisches («Schmetterlinge häuften sich in meinem Bauch an») zueinander und beweisen, dass die Sprache ganz neue Bilder zustande bringen kann, wenn man sie denn nur lässt.
Montag, 5. Dezember 2005
... das Personalkarusell: Neuer Co-Chefredaktor der «Berner Zeitung» soll gemäss Gerüchten der Ex-«20 Minuten»-Chef Markus Eisenhut werden. Eisenhut inszenierte seinen Abgang bei «20 Minuten» dramatisch, so soll er in «Club der Toten Dichter»-Manier auf den Tisch gesprungen sein. Bleibt zu hoffen, dass die BZ solides Mobiliar hat.
Ob es beim Winterthurer «Landboten» zu ähnlich wilden Szenen kam, ist nicht bekannt. Der dortige Führungswechsel - Frühpension für den langjährigen Chefredaktor Rudolf Gerber, Kündigung der beiden Stellvertreter Walter Bührer und Peter Granwehr - dürfte jedenfalls kaum in reiner Harmonie erfolgt sein. Möglicherweise hat der Relaunch des «Landboten» (Planungsbeginn Anfang Jahr, Auftritt in neuem Kleid vor zwei Monaten) unter Federführung des Beraters Sacha Widgorovits für böses Blut gesorgt. Nun ist die Suche nach einem neuen Chef eröffnet, interne wie externe Kanditaten sind dem Herausgeber «Ziegler Druck- und Verlags-AG» willkommen.
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