Dienstag, 31. Januar 2006
«Nichtraucher werden auch in der Schweiz immer mehr verbannt», schreibt Partyveranstalter Arnold Meyer auf Seite 55 im aktuellen «Facts» - und meint wohl genau das Gegenteil, wie aus dem darauf folgenden Satz hervor geht: «Was in Amerika angefangen hat - dass man in Klubs und Restaurants nicht mehr rauchen darf -, dürfte sich irgendwann auch hier zu Lande durchsetzen».
Unsere Vermutung: Der Redaktor hatte keine Zeit mehr für ein kritisches Gegenlesen - da er nicht mehr im Büro rauchen darf...
Dienstag, 31. Januar 2006
Die «NZZ am Sonntag» berichtet über Urheberrechtsabgaben, die in Zukunft Musikplayer und Videorecorder verteuern könnten, und illustriert die Geschichte mit einem Foto. Doch was genau trägt die darauf abgebildete Frau im D√©colt√©e? Ein iPod jedenfalls ist es nicht. Wenn uns nicht alles täuscht, prangt auf dem Gerätchen das Logo von Sony Ericsson. Und das Gerät gleicht - zumindest eher als dem derzeit einzigen Musikplayer im Sortiment - dem HBH-200, einem Funk-Kopfhörer...
Montag, 23. Januar 2006
Der «Bund» hat das Treffen der kantonalen Finanzdirektoren in Bern zum Anlass genommen, dem Thema «Steuerwettbewerb» in seiner Freitagsausgabe viel Platz ( Front inklusive Kommentar und Seiten 2 und 3) einzuräumen. Eine Sonderleistung, die es zu würdigen gilt.
Allerdings: Dass der interviewte Schwyzer Regierungsrat Lorenz Bösch die Entwicklung hin zu massiv degressiven Steuertarifen in den Kantonen Schaffhausen und neustens Obwalden als richtiges Instrument im Steuerwettbewerb ansieht, erstaunt kaum, ist doch Schwyz ebenfalls ein kleiner Kanton mit tiefem Steuersatz. Die Frage ist, ob der «Bund» hier nicht ein zweites Interview hätte daneben stellen müssen. Hätte man nämlich den Finanzdirektor eines grossen Kantons wie Zürich oder Bern befragt, wäre die Beurteilung anders ausgefallen. Der Kontrast in den Aussagen wäre interessant und aufschlussreich gewesen.
Dass das Thema Steuerwettbewerb keine exakte Wissenschaft ist, zeigt der Artikel « Die sieben heiklen Fragen ‚Äì Was die Wirtschaftswissenschaft über Steuerhöhe und Steuerwettbewerb zu sagen hat». Zu allen sieben Fragen lesen wir in den Antworten:
wahrscheinlich ja, vermutlich nein, lässt sich kaum sagen, unklar, theoretisch ja, aber ‚Ķ, theoretisch ist beides denkbar, muss nicht sein, wenn man annimmt, dass ‚Ķ, am Ende muss die Praxis die Frage beantworten usw. usw. Mit anderen Worten: Entscheide zu degressiven Tarifen sind politische Entscheide, die nicht objektiv und wissenschaftlich begründet werden können. Es sind Entscheide, die nicht im Sinne der Solidarität gefällt werden, sondern bei denen es in erster Linie um Eigennutz von Kantonen, Gemeinden und Privaten geht.
Erstaunlicherweise findet Autor Hansueli Schöchli in seinem Kommentar «das Geschrei um den Fall Obwalden weit übertrieben» und «keine Gefahr für die Demokratie». Immerhin fragt er: «Wie schlimm ist es nun aber, wenn der Steuerpflichtige mit einer Million Einkommen zwar absolut mehr zahlt als der Kleinverdiener, aber prozentual weniger?»
Leider bleibt er uns die Antwort schuldig. Schöchli schreibt zwar, dass Steuerwettbewerb zum Risiko wird, wenn er zur «Ausblutung des Staates» führt, wenn sich «Länder oder Kantone im Wettrennen um die Gutverdiener immer mehr in Richtung Steuersatz null bewegen». Aber er glaubt, «die direkte Demokratie auf allen Stufen» werde in der Schweiz schon zum Rechten sehen. Ist das nicht ein bisschen naiv?
In den Kommentar hätte auch gehört, dass Steuern im Prinzip für einen sozialen Ausgleich zwischen Armen und Reichen sorgen sollten. Zudem: Das Volk hat nicht immer Recht, denn oft kommt Eigennutz vor Gemeinnutz. Oder, wie Schriftsteller Peter Bichsel einmal treffend formuliert hat: «Die Schweizer denken reich.» Und das kann auf lange Sicht nicht zum Wohle aller sein.
Montag, 23. Januar 2006
Das Angebot der Moderatorin nach der Sendung International auf Radio DRS 1 vom letzten Sonntag klang verlockend. Wir sind sofort hingesurft - und enttäuscht wieder abgezogen.
Apropos: Mit «International» ist nun eine zusätzliche Sendung als Podcast erhältlich. Weiter so, Radio DRS. Vielleicht probiert ja auch der eine oder die andere aus dem Moderationsteam das neumodische Zeugs mal aus...
Donnerstag, 19. Januar 2006
Den Lacher des Tages finden wir in der heutigen «BZ». In der Legende zu einem Gruppenbild auf Seite 21 lesen wir:
Das Bild trügt: √Ñusserlich ein lahmer Haufen, doch innerlich ist die Truppe äusserst motiviert. Kleine Komplimente erhalten die Freundschaft. Abgesehen davon: Motivation ist immer «innerlich».
Donnerstag, 19. Januar 2006
«Ist die Blog-Zukunft weiblich», fragt Thomas Benkö heute auf Blick Online. In seiner "Kolumne" schreibt er:
Trotz Hype gibts in der Schweiz höchstens 1000 aktive Blogger. Genaue Zahlen fehlen. Wie aber kommt Benkö auf die Zahl 1000? Ganz einfach:
[...] Und dies tun die Leute in rund 200‚Äô000 deutschsprachigen Blogs (CH, D & A). Eine Zahl, die mich ein bisschen hoch dünkt. Weil der Matthias Gutfeldt vom (ausführlichen) Schweizer Verzeichnis blog.ch erzählte mir kürzlich, er habe 500 aktive Blogs in seiner Liste. Selbst wenn man diese Zahl verdoppelt, kommt man bloss auf 1000. Nebenbei: Die zwei offensichtlichsten Rechtschreibfehler haben wir freundlicherweise korrigiert. Es wäre schade, wenn solche Bagatellen der Seriösität des Artikels schadeten...
Mittwoch, 18. Januar 2006
Den Frontaufmacher des Tages liefert uns heute die «Berner Zeitung». Unter dem Titel «Gesalzen statt gepflügt» lesen wir den Lead:
Und plötzlich beganns zu schneien. Doch keine neuerliche weisse Pracht sollte die Bernerinnen und Berner gestern Morgen erfreuen. Schnee und Salz vermischten sich nämlich ‚Äì zu Matsch. Und der blieb lange liegen. Viel irrelevanter gehts wohl nicht mehr. Wir vermuten, dass die «BZ»-Blattmacher mal wieder ganz nahe bei den Leuten sein wollten ‚Äì egal, wie egal ein Thema ist.
Immerhin, das Resultat der knallharten «BZ»-Ursachenforschung lässt sich sehen. Weiter unten im Text erfahren wir:
Die Temperaturen stiegen jedoch an, das Eis blieb aus, das Salz vermischte sich mit dem Schnee, und daraus entstand – Matsch.
Dienstag, 17. Januar 2006
Lorenz Kummer, Auslandchef beim Berner «Bund», tut sich in der Regel mit differenzierten, kritischen Texten zum Weltgeschehen hervor. Umso erstaunter sind wir über seinen gestrigen Frontkommentar zum US-Angriff auf ein pakistanisches Dorf, dem 18 Unbeteiligte zum Opfer gefallen sind.
Eigentlich würden wir im «Bund» einen verbalen Sturm der Entrüstung erwarten. Aber weit gefehlt: Kummer zeigt Verständnis für den US-Terror:
Denn die USA haben keine andere Wahl, als die Suche nach bin Laden, dem Verantwortlichen für die Angriffe des 11. September, weiterzuführen ‚Äì auch wenn sie wissen, dass selbst der Tod der Terror-Ikone den islamistischen Jihadismus nicht zum Verschwinden bringen wird.
(…)
Auch in der Wahl der Mittel haben die USA wenig Optionen. Geheime CIA-Operationen sind der einzige Weg, da Pakistans Präsident Musharraf oft nur mit Worten gegen die Extremisten im eigenen Land vorgeht. Sicher: Jeder Fehlschlag, jedes unschuldige Opfer ist eines zu viel. Doch der Abbruch der Verfolgung würde aus Sicht der USA noch grösseren Schaden verursachen. Lieber Herr Kummer, Fakt ist: Die USA haben auf fremden Staatsgebiet mit einem Raketenangriff 18 Zivilisten, darunter viele Kinder, ermordet. Selbst wenn Ayman az-Zawahiri, die sogenannte Nummer 2 von Al Kaida, dabei «erwischt» worden wäre, ist die Aktion durch nichts zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Es handelt sich um einen Terroranschlag. Stellen Sie sich vor, die USA hätten den Gesuchten in Brienz vermutet und dort Unbeteiligte ermordet? Wie würde Ihr Kommentar dann lauten?
Montag, 16. Januar 2006
Andreas Z‚ÄôGraggen, seit 14 Tagen Ex-Chefredaktor der BZ, darf weiterhin einmal die Woche in die Tasten greifen. Immer am Samstag geniessen wir ihn in seiner stärksten Rolle: als Kolumnenschreiber. Und nicht ganz überraschend scheint Z‚ÄôGraggen mit neugewonnener Narrenfreiheit in seinen Kommentaren noch pointierter zu werden. Wobei «pointiert» ein zu positiv behaftetes Wort ist ‚Äì «verquer» wäre wohl passender, «deplatziert» am ehrlichsten.
In der BZ vom Samstag nimmt sich Z’Graggen dem Fax aus Kairo an. Er schreibt:
Da wird also unserer Regierung gedankenlos vorgeworfen, dass sie nicht sofort die Bush-Administration der Menschenrechtsverletzungen angeprangert habe, obschon hier niemand mit Bestimmtheit weiss, ob solche stattgefunden haben.
Das stimmt. Spielt aber aus Z’Graggens Sicht eh keine Rolle, denn:
Und falls dem so wäre: Wieso dürfen Menschenrechte nicht verletzt werden, wenn damit Terrorismus, der sich bekanntlich nicht den Teufel darum schert, verhindert werden kann?
Hier stellen wir einmal mehr fest: Z‚ÄôGraggen hat einfach gar nichts begriffen. Gar nichts von Menschenrechten und gar nichts von sinnvoller Geheimdienstarbeit. Dutzende von Texten und Interviews haben sich in den letzten Monaten mit der Folter befasst und der Schluss ist immer derselbe: Folter bringt nichts, weil sie häufiger zu falschen Geständnissen führt als zu brauchbarem Material.
Und: Z‚ÄôGraggen hat auch gar nichts von internationaler Zusammenarbeit und Solidariät begriffen. Er fragt:
Da wird von «Geheimgefängnissen» in Rumänien und Bulgarien geredet. Doch wenn es solche gab/gibt: Geht das auch uns oder nur die beiden Länder etwas an? Das geht uns als Mitmenschen und erst recht als Land etwas an. Immerhin ist die Schweiz Depositärstaat der Menschenrechts-Charta.
Oder es wird von den latent antiamerikanischen Linken und Grünen ‚Äì die auch nichts Genaues wissen ‚Äì gefordert, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA seien sofort abzubrechen. Kritik an der gegenwärtigen US-Politik und das √úberdenken der CH-USA-Beziehungen ist kein links-grünes Privileg, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Heisst das: Menschenrechte kommen a priori vor allem anderen? Ja, Herr Z’Graggen, Menschenrechte kommen a priori vor allem anderen. Punkt.
Und wenn ja, dürfen wir dann, konsequenterweise, von China über den Mittleren Osten bis Afrika mit niemandem mehr Verträge abschliessen? Heisst es nicht. Aber man sollte bei den USA genauso wie bei China und anderen Verstösse gegen die Menschenrechte anprangern und unseren wirtschaftlichen Einfluss dazu nutzen, dass sich in diesen Ländern etwas zu Gunsten der Menschenrechte bewegt.
Alles andere ist eine Bankrotterklärung für die humanitäre Tradition der Schweiz. Andreas Z‚ÄôGraggen würde sie wohl blindlings unterschreiben.
Freitag, 13. Januar 2006
Was Franziska von Weissenfluh, Verlagsdirektorin der Berner Zeitung AG und Bund-Verlag AG, zur Zusammenlegung der Sportteile von Bund und BZ zu sagen hat, hören Sie beim RegiBern.
Freitag, 13. Januar 2006
Gespannt haben wir uns heute angesehen, wie das Ende des «Bund»-Sports im «Bund» und in der «BZ» kommuniziert wird.
Resultat: Der BZ ist der Einschnitt in die publizistische Eigenständigkeit des «Bund» gerade mal 11 Zeilen wert, das absolute Minimum. Mehr haben wir ehrlich gesagt auch nicht erwartet.
Mehr erwartet haben wir aber vom direkter betroffenen «Bund». Was uns die «Qualitätszeitung» in einer Randspaltenmeldung auf Seite 3 liefert, ist einfach nur peinlich. In 38 Zeilen finden wir kein Wort des Bedauerns, kein Wort darüber, warum der Schritt notwendig geworden ist, nichts.
Zu den direkten, das heisst täglich spürbaren Auswirkungen der Massnahme, verliert der «Bund» einen einzigen Satz:
Die Sportberichterstattung wird künftig teilweise identisch sein (Resultate, Kurzmeldungen), kann jedoch in der Themengewichtung, der Form der Beiträge sowie den Bildern variieren. Betonung auf «kann». Im Klartext heisst das wohl: Ab und zu wird ein Titel anders lauten als in der BZ, ab und zu wird Roger Federer im «Bund» bei einer Vorhand statt wie in der «BZ» bei einer Rückhand zu sehen sein. Mehr ist ohne grossen Aufwand schlicht nicht möglich, das weiss jeder, der schon auf einer Redaktion gearbeitet hat. Wer zwei unterschiedliche Sportteile produzieren will, braucht zwei Redaktionen. Wer zwei komplette Redaktionen, die zum Teil jetzt schon am Limit arbeiten, auf 1,2 Redaktionen verkleinert, soll uns bitte nicht weismachen, man könne damit weiter zwei unterschiedliche Zeitungen produzieren.
Zum Schluss der Mitteilung lesen wir:
Verlag und Redaktion des «Bund» sind überzeugt, dass mit dieser Massnahme der «Bund» bei reduzierten Kosten seinen bisherigen Qualitätsanspruch bei der Sportberichterstattung beibehalten kann und den Erwartungen seiner Leserschaft vollumfänglich gerecht wird. Es bleibt also alles beim alten. Kein Qualitätsverlust, nichts, was der Leser merken könnte. Man will also mit bedeutend weniger Redaktoren zwei Sportteile produzieren, die den Leser weder in der BZ noch im Bund einen Qualitätsverlust spüren lassen. Da stellt sich die Frage: Warum hat man sich denn so lange zwei Redaktionen geleistet, wenns mit einer genau gleich gut geht? Warum schafft man nicht gleich den ganzen «Bund» ab und produziert als «BZ» zwei Zeitungen, wenns sowieso keinen Unterschied macht?
Sorry, aber haben uns Verlag und Redaktion des «Bund» tatsächlich nicht mehr zu sagen, als diesen Nonsense? Wann sagt die Führung des «Bund» endlich einmal, «jetzt gehts an die Substanz», statt uns für blöd zu verkaufen? «Bund»-Leser erwarten von der Chefredaktion mehr Rückgrat, mehr Kampfgeist ‚Äì oder wenigstens ehrliche Information.
Donnerstag, 12. Januar 2006
Die Sportredaktion des Berner «Bund» wird aufgelöst, ab Mai 2006 wird der Sportteil der «Berner Zeitung» übernommen. Was das «Echo der Zeit» von Radio DRS dazu sagt, hören Sie hier.
Donnerstag, 12. Januar 2006
Da ist dem Grafiker wohl ein kleiner Verschreiber unterlaufen. Obwohl die Geheimdienstgeschichte tatsächlich eine Farce ist ‚Ķ
Donnerstag, 12. Januar 2006
Wer als «Bund»-Abonnent wissen will, was künftig mit dem Sportteil der «Berner Zeitung» auf ihn zukommt, der werfe einen Blick in die heutige Ausgabe. Da lesen wir in einem Porträt des US-Skifahrers Daron Rahlves:
«Wenn ich Angst habe, spüre ich das Leben am intensivsten.» Ein starker Satz von Daron Rahlves. Der 32-jährige Kalifornier ist ein Adrenalinjunkie. «Ich liebe die Geschwindigkeit.»
(...)
Die 120-Stundenkilometer-Limite auf Schweizer Autobahnen ist ihm ein Gräuel. Durch den engen Verbindungstunnel zwischen Livigno und der Schweiz raste Rahlves nach der Ski-WM 2005 mit gegen 200 Stundenkilometern. Der Amerikaner wurde prompt gestoppt. «Als die Polizisten meinen Pass kontrollierten, erkannten sie mich. Sie liessen mich ohne Busse weiterfahren», erzählt Rahlves mit einem Schmunzeln.
Schlimm, dass Daron Rahlves über Schweizer Autobahnen rast. Noch schlimmer, dass Polizisten den Mann seiner Bekanntheit wegen weiterfahren lassen. Am schlimmsten aber, dass Sportredaktor Thomas Wälti Daron Rahlves fahrlässiges Verhalten cool findet.
PS: Wenn wir wegen Daron Rahlves Raserei auf der Strasse Angst haben müssen, dann spüren auch wir das Leben am intensivsten.
Donnerstag, 12. Januar 2006
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Der Berner «Bund» hat ab Mai keine eigene Sportredaktion mehr und übernimmt die Leistungen der «Berner Zeitung». Die Espace Media Groupe schreibt:
Die «Bund»-Sportredaktion wird per Ende April 2006 aufgelöst. Im Gegenzug wird die Sportredaktion der «Berner Zeitung» (BZ) von bisher 10,2 Stellen auf 12 Stellen ausgebaut. Die neuen Stellen und absehbare Vakanzen werden nach Möglichkeit mit bisherigen «Bund»-Mitarbeitern besetzt. So schnell kanns gehen. Noch im November letzten Jahres, anlässlich der letzten Sparrunde beim «Bund», hatte Albert P. Stäheli, Vorsitzender der Konzernleitung der Espace Media Groupe, zu Protokoll gegeben, das Berner Modell sei nicht in Gefahr. Jetzt, knapp zwei Monate später, erleben wir wahrscheinlich den Anfang vom Ende der vielgelobten Espace-«Lösung» für das Problemkind «Bund».
Beim «Bund» trifft es ausgerechnet den Sportteil. Jeder, der sich schon mit Leserumfragen beschäftigt hat, weiss: Männer, ganz egal ob links oder rechts, ob intellektuell oder bodenständig, ob Professor oder Angelehrter, lesen in ihrer Zeitung primär Politisches und den Sport. Ein starker Sportteil ist somit für eine Qualitätszeitung ebenso wichtig wie für ein Boulevardblatt. Etwas, was man im Berner Medienhaus offenbar nach wie vor nicht begriffen hat. Umso unverständlicher, als es beim «Bund», nach der letzten Zurückstufung des Sportteils, Abokündigungen nur so gehagelt hat. Mit anderen Worten: «Bund»-Leser wollen einen starken «Bund»-Sport. «Bund»-Leser haben den «Bund» unter anderem deshalb abonniert, weil sie den «Bund»-Sport dem «BZ»-Sport vorziehen.
Die Schliessung der Sportredaktion ist auch aus publizistischer Sicht unverständlich. Warum legt die Espace Media Groupe nicht (zum Beispiel) die Auslandteile zusammen? Wenn jemand fundiert über Auslandthemen informiert sein will, abonniert er deswegen nicht «Bund» oder «BZ». Zudem besteht bei Auslandthemen nach wie vor genügend Wettbewerb. Es ist nicht zwingend nötig, sich auf dem Platz Bern zwischen «Bund» und «BZ» zu konkurrenzieren.
Sport hingegen passiert zu einem grossen Teil lokal (SCB, YB usw.). Es macht also Sinn, hier eine Konkurrenzsituation zu erhalten. Strategisch gesehen müsste man sagen: Wir haben zwei Lokalzeitungen, also müssen wir uns lokal profilieren.
Bleibt die Frage: Was wird als nächstes eingespart? Die Kultur? Wer Argumente findet, um den Sportteil der beiden Zeitungen zu vereinheitlichen, kann diese auch auf die Kultur anwenden. Wird weiterhin Scheibe um Scheibe abgeschnitten, bis schliesslich nur noch ein Rumpf-«Bund» übrig ist? Oder steckt tatsächlich eine Strategie dahinter? Wenn ja: Wie sieht sie aus? Bisher hat die Espace Media Groupe keine nachvollziehbaren √úberlegungen präsentiert. Wie will sie die beiden Titel künftig positionieren? Wo liegt die Schmerzgrenze, damit überhaupt noch von publizistischer Konkurrenz gesprochen werden kann? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, einzugestehen: Die wirtschaftliche Potenz Berns reicht nicht, um zwei Tageszeitungen zu alimentieren?
|
 |
 |
 |
|
Neuste Kommentare
News, die unsere Medien intere ssieren dürften. Wer wei [...]
Das artet ja langsam aus.
Peter Zieglers Replik zum BUND ! Meine (einmalige/ei [...]
Ich finde, @Leumund hat es drü ben bei Twitter hervorra [...]
Eine Gegendarstellung ohne Red aktionsschwanz? … dass i [...]