Dienstag, 28. Februar 2006
Am 9. April wird im Kanton Bern gewählt. Für die Medien beginnt langsam aber sicher die Zeit der Vorschauen, Partei- und Kandidatenpräsentationen.
Besonders originell versucht sich das RegiBern von Radio DRS des Themas anzunehmen: Die Parteien werden in einer Art Hörspiel- Gerichtsverhandlung vorgestellt. Da gibt es den Gerichtssaal, den Gerichtsschreiber und die Anklageschrift. Die Parteivertreter sitzen auf der Anklagebank und müssen zu Anklagepunkten Stellung nehmen.
Was wohl witzig daher kommen soll, ist einfach nur peinlich. Die Gerichtssaalnummer trägt weder zum besseren Verständnis des Themas, noch zur Auflockerung der Sendung bei. Das Regi-«Hörspiel» ist weder unterhaltsam, noch geist- oder aufschlussreich.
Zurück bleiben ein ratloser Zuhörer und die Frage: Was soll das? Wieso widmet das ansonsten meist starke Regi-Team seine Sendeminuten nicht der Analyse dessen, was die Parteien in den letzten Jahren geleistet haben? Wieso wird in einem Sendegefäss, in das seriöser Journalismus gehört, krampfhaft versucht, witzig zu sein?
Und, wen erstaunt es ob solchen Sendungen, wenn viele fähige Leute einfach keine Lust auf Politik haben, einfach keine Lust darauf, a priori auf der Anklagebank zu sitzen?
Montag, 27. Februar 2006
Im Kantonsteil der «Berner Zeitung» lesen wir heute unter dem Titel «Warten auf die Bürokratie» den Lead:
Endlich wäre das Wetter gut. Aber Thomas Ulrich muss weiter auf den Beginn seiner Arktisdurchquerung warten. Die russischen Behörden haben die Starterlaubnis noch nicht erteilt. Am Dienstag oder Mittwoch solls losgehen.
So weit, so gut. Abgesehen davon, dass der Titel wohl das Falsche aussagt ‚Äì Ulrich wartet nicht «auf die Bürokratie», sondern «aufgrund der Bürokratie» ‚Äì, hat uns der Lead zum Lesen des Texts animiert. Leider bleibt Autor Hans Urfer in der Folge praktisch jede wichtige Information schuldig.
Uns hätte interessiert: Wer ist Thomas Ulrich, wieso will er die Arktis durchqueren (das haben Dutzende Andere auch schon gemacht), weshalb sind ein Kameramann und ein Fotograf mit von der Partie, wer ist Hans Ambühl (im sogenannten «Basislager Interlaken») usw.
Wer, wie, wo, was und warum, Herr Urfer?
Mittwoch, 15. Februar 2006
DRS3 berichtete soeben kurz über Weblogs. Blogs seien kein Massenmedium, so der Tenor des stark kommentierenden Beitrags, in dem der Zürcher Medienwissenschafter Mirco Marr ausführlich zu Wort kam.
Sind Blogs ein Massenmedium? Eine leidige Debatte, finden wir. Weblogs sind vorab eine Technik, vielleicht mit einigen Besonderheiten in der Gestaltung der Inhalte sowie in der Art der Nutzung. Und: Ein Weblog kann durchaus zum Massenmedium werden - wenn viele Leute es regelmässig nutzen. Oder liegen wir daneben?
Der Höhepunkt des Beitrags kam aber erst danach: der Kommentar der Moderatorin. Darin belegt sie stringent, weshalb es mit der Bloggerei abwärts geht: Die «Weltwoche» hat letztes Jahr zwei Blogs abgeschaltet...
Dienstag, 14. Februar 2006
Amtsdeutsch ist oft sperrig. Und die Namen der √Ñmter klingen entweder kompliziert («Bundesamt für Gesundheit») oder dann so trendig, dass man hinter ihnen kein Amt vermutet («Swiss Topo»). Einen weitaus kreativeren Namensvorschlag machte heute Morgen HeuteMorgen.
Montag, 13. Februar 2006
Blattkritik.ch gratuliert dem Pendlerblog zum Geburtstag. Auf dass uns die Jungs noch lange reinen Wein einschenken.
Montag, 13. Februar 2006
Heute vor einem Monat hat der «Bund» auf Seite 3 kommuniziert, dass sein Sportteil künftig von der «BZ» produziert wird. Eine Randspaltenmeldung, die vielen Lesern entgangen ist (siehe Blattkritik vom 13. Januar 2006).
Wer gedacht hat, die Espace Media Groupe werde innert nützlicher Frist einen erklärenden Brief verschicken, der irrt. Bis heute herrscht Funkstille. Das heisst: Viele «Bund»-Abonnenten wissen nach wie vor nichts von ihrem Glück.
Liebe Espace Media Groupe, wärs nicht an der Zeit, die Kundschaft über die anstehenden Veränderungen zu informieren, mitzuteilen, wieso der Schritt nötig geworden ist? Wärs nicht an der Zeit, den Doppelabonnenten («Bund» und «BZ»), die bald zweimal den gleichen Sportteil erhalten werden, eine Preisreduktion anzubieten?
Das Schweigen des Espace-Verlags ist nicht einfach nur peinlich, es ist ein Affront gegenüber den Lesern. Jeder Wurstladen kommunziert besser als die Kommunikationsfirma Espace Media Groupe.
Sonntag, 12. Februar 2006
Herzliche Gratulation, lieber Bruno, zum dritten Rang in der Abfahrt. Deine Leistung kann uns aber nicht darüber hinweg täuschen, wer der wahre Champion ist: das Schweizer Fernsehen. Das zumindest darf Urs Leutert, Leiter «Sport» bei der SRG SSR id√©e suisse, im «Echo der Zeit» vom Samstag in epischer Länge darlegen. Herzliche Gratulation, liebes «Echo», zum aktuellen Blattkritik-Preis in der Kategorie Konzernjournalismus...
P.s.: Wie es tönt, wenn sich das «Echo» für «HeuteMorgen.» entschuldigen muss, hat Indermuehle.net heraus geschnipselt.
Freitag, 10. Februar 2006
Philippe Zweifel bringt uns in seinem Artikel im Nachrichtenmagazin Facts «Bliss» näher, ein Erotik-Computerspiel für Paare. Gute Erotikspiele seien Mangelware, schreibt er.
Wirklich interaktive Erotikspiele gelten als unrentabel ‚Äì es sei denn, sie kommen in ihrer plattesten Form daher: Pixel-Pornografie für den Mann wie einst «Leisere Seit Larry» oder heute «Playboy Mansion». Es ist zum Verzweifeln: «Leisere Seit Larry» kennen weder wir noch der Spielverkäufer. «Leisure Suit Larry» hingegen haben wir auch schon gespielt. Das geben wir unumwunden zu ‚Äì immerhin gilt Larry als Klassiker und stand in den ersten Folgen für Witz und Innovation.
Es ist zum Verzweifeln: Auch die «Game Developers Association», den laut Zweifel wichtigsten Branchenverband der US-Spielentwickler, kennen wir nicht. Die «International Game Developers Association» hingegen kennen wir schon...
Donnerstag, 9. Februar 2006
«Sind E-Mails bald nicht mehr gratis?», fragt «20 Minuten» auf der Frontseite. Keine Bange, liebe Leserinnen und Leser, der Versand normaler E-Mails bleibt auch in Zukunft kostenlos. Was die beiden Firmen Yahoo und AOL vorhaben, hat «20 Minuten» auf Seite 25 in den ersten Abschnitten korrekt zusammengefasst ‚Äì bloss offenbar etwas zu kompliziert für den Blattmacher...
Dienstag, 7. Februar 2006
Um die Parität von Frauen und Männern zu gewährleisten, hat Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sechs ausgewählte Männer nicht für eine diplomatische Laufbahn berücksichtigt. Ein Entscheid, der von wenig Feingefühl zeugt und für viel Gesprächsstoff sorgt.
Die Samstagsausgabe der NZZ liefert uns dazu einen Kommentar, der komplett am Ziel vorbeischiesst. Titel:
Sexologie contra Meritokratie Da fragen wir uns: was in aller Welt hat Sexologie mit Gleichstellung zu tun?
Aber was solls, schlimmer als der Titel ist der erste Abschnitt des Kommentars. Autorin Monika Rosenberg schreibt:
Es ist natürlich wunderschön, wenn endlich auch die Frauen ihren Platz im Berufsleben finden. Und wenn erst noch Frauen dafür sorgen, dass Vertreterinnen ihres Geschlechts gut positioniert sind, ist das besonders wunderbar, weil solidarisch. Wenn sogar Männer sich für Frauen stark machen, ist das natürlich das Wunderbarste.
«Wunderschön», «besonders wunderbar», «das Wunderbarste»?
Wieso übt sich Monika Rosenberg in Sarkasmus gegen die Gleichstellung und nicht gegen Micheline Calmy-Rey? Unverständlich.
Montag, 6. Februar 2006
Auf 46 Zeilen handelt Bund-Chefredaktor Hanspeter Spörri am vergangenen Samstag unter dem Titel «Verschwörung und Theorie» das Thema Verschwörungstheorien ab. 46 Zeilen für etwas, das ansonsten ganze Bücher füllt. Hat Spörri einen aktuellen Anlass für seinen «Exkurs»? Kommt Spörri zu einem Schluss, den wir so noch nicht gehört haben? Die Antwort lautet zweimal «Nein».
Aber beginnen wir vorne. Spörri schreibt:
Es gibt Verschwörungen und Verschwörungstheorien. Theorien können richtig oder falsch sein. Leider sind richtige kaum von falschen Theorien zu unterscheiden. Wir, die wir als Zeitungsleser und Zeitungsautoren mit diesen Theorien konfrontiert sind, müssen uns also wohl damit abfinden, dass sich Wahrheit allzu häufig hinter Theorien verbirgt. Herr Spörri, wäre es nicht die erste Pflicht eines Journalisten, Theorien zu hinterfragen, zu recherchieren und sich der Wahrheit anzunähern? Theorien bleiben Theorien, wenn sich Medien dagegen sträuben, heisse Eisen anzufassen. Theorien bleiben Theorien, wenn Zeitungsautoren ihre Aufgabe nur darin sehen, nachzubeten was vorgesprochen wird.
Immerhin schreibt Spörri gegen Ende des Textes einen Satz, der uns staunen lässt:
Und der 11. September? Nur das Werk fanatischer Terroristen? Höchstwahrscheinlich ‚Äì oder waren vielleicht doch auch geheime Dienste verwickelt, die nach einer Legitimation für den Krieg gegen den Terrorismus suchten? Zum allerersten Mal äussert ein festangesteller Schweizer Journalist (und erst noch ein Chefredaktor) in einer Qualitätszeitung Zweifel am offiziellen Hergang des 11. September. Aber statt sich noch ein bisschen näher mit dem Thema zu befassen, widerruft Spörri sofort und «erklärt», wieso es keinen Sinn macht, Theorien zu hinterfragen:
Verschwörungstheorien sind attraktiv, geben publizistisch viel her. Aber sie führen einen in das weite Feld der Spekulation. Erstens: Verschwörungstheorien führen einen nur dann ins weite Feld der Spekulation, wenn man nicht recherchiert, nicht andere Meinungen anhört und sich weigert, den Diskurs zu führen. Zweitens: Gerade was den 11. September betrifft, haben deutschsprachige Medien kräftig dazu beigetragen, die offizielle amerikanische Version der Ereignisse zu zementieren, notabene ohne zu hinterfragen oder sogenannte Verschwörungstheorien zu widerlegen. Es ist also genau das Gegenteil von dem richtig, was Spörri schreibt. Theorien scheinen publizistisch nicht attraktiv zu sein.
Nicht einmal dann, wenn es aus journalistischer und politischer Sicht unverantwortlich wird, sich einem Thema zu entziehen. Der Diskurs um 9/11, das wohl prägendste Ereignis unserer Zeit, hat laufend an Brisanz gewonnen. Mittlerweile hinterfragen namhafte Wissenschaftler weltweit die offizielle Darstellung der Ereignisse und auch Experten der ETH äussern Zweifel an der Geschichte, die uns die Amerikaner erzählt haben.
Wenn das kein Thema für die Medien ist, was dann?
Montag, 6. Februar 2006
Nach den WEF-Gegnern treiben nun neue Vandalen ihr Unwesen: In Zürich wurden am Wochenende rund 50 Autos beschädigt. Die Täterschaft ist unbekannt,
Geschädigte äusserten gegenüber Tele Züri jedoch den Verdacht, dass Feinstaub-Gegner für den Vandalenzug verantwortlich sein könnten. Gespannt verfolgen wir die weitere Berichterstattung im «20 Minuten» - Gesellen sich zu den Feinstaub- noch Hochnebel-Gegner? Kommt es zur Konfrontation mit Ozon-Freunden oder Russ-Liebhabern?
Samstag, 4. Februar 2006
Und schon wieder kämpfen die SRG-Leute mit technischen Pannen: Was im «Rendez-Vous» am Mittag von gestern Freitag zu hören war - nach mehr als einer Minute Stille im √Ñther...
Donnerstag, 2. Februar 2006
«FCZ: Marcos Paulo fiel beim medizinischen Test durch», titelt 20 Minuten heute auf Seite 21. Das Engagement von Marcos Paulo sei laut einem Communiqu√© des Klubs aus «verschiedenen Gründen» gescheitert, beginnt der Artikel. Weiter im Wortlaut:
Recherchen von 20 Minuten haben ergeben, dass Marcos Paulo den medizinischen Test [...] nicht bestanden hat - es soll sogar von Arthrose die Rede sein. Und deshalb platzte der Transfer gestern Abend überraschend. Bravo «20 Minuten» - schön, dass selbst im Sportteil eines Gratisblattes seriös recherchiert wird. Etwas ratlos lässt uns aber der Einstieg in den nächsten Satz:
Für diese These spricht, dass [...].
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