Samstag, 29. April 2006
Kennen Sie den bedeutendsten Interviewer deutscher Sprache und den beruehmtesten lebenden Schriftsteller der Welt? Die "Weltwoche" tut es, es handelt sich um Andre Mueller und Salman Rushdie. Bereits der Anriss auf der Titelseite laesst Ungutes erahnen:
Ich werde nie mehr so lange reden wie mit Ihnen Wen interessiert das, ausser den sich offenbar geschmeichelt fuehlenden Interviewer? Im Interview erscheint der Beitrag dann unter dem Titel
Vielleicht sind Sie weiser als ich Eine weitere voellig uninteressante Aussage, die aber - ueberlegt man sich die Sache ein wenig - zumindest auf das Wesen der beiden Gespraechspartner schliessen laesst: Eitler Interviewer befragt eitlen Interviewten. Nach dem der - man erinnere sich: bedeutenste! - Interviewer Rushdie einerseits einige interessante Aussagen entlockt hat, ihn und die Leser andererseits mit unmotivierten, laenglichen Passagen aus einem Brief des spanischen Autors Manuel Vazquez traktiert hat, kommt das furiose Finale:
Interviewer: Sie wissen heute, was das Richtige und was das Falsche ist?
Rushdie: Sie nicht?
Interviewer: Ich bin mir nicht sicher.
Rushdie: Das heisst, Sie koennen nicht kaempfen.
Interviewer: Genau! Ich sehe den Lauf der Geschichte und resigniere. (...) Weiter geht's in dem Stil, mal bringt der Interviewer seine eigene Biographie ins Spiel, mal bemerkt er goennerisch Ich halte Sie nicht ab von Ihrem Kampf und beklagt in gleichem Atemzug, selber zuviel zu denken.
Wenn die stets ums Unorthodoxe bemuehte "Weltwoche" mit diesem Beitrag auf subtile Weise die Unertraeglichkeit selbstverliebter Menschen blossstellen wollte, so ist ihr dies trefflich gelungen. Wenn der Chefredaktor das aber tatsaechlich fuer einen Hoehepunkt der Interviewkultur haelt, dann gute Nacht Herr Wildberger.
Donnerstag, 27. April 2006
Bund gibt Betrieb ab lesen wir heute im Titel des "BZ"-Frontaufhaengers. Hoppla, sind da die Anfuehrungszeichen bei "Bund" vergessen gegangen, fragt sich der Blattkritiker.
Der zweite Blick zeigt: Nein, im Artikel geht es nicht um die Sportredaktion des Konkurrenzblatts, die Ende Woche aufgeloest wird, sondern ums Bellevue, das Berner Luxushotel.
Donnerstag, 27. April 2006
Am 20. Juli 2004 schrieb das Magazin «Aviation Week» in einem Bericht:
Travelers could be talking on their personal cellphones as early as 2006. Earlier this month, American Airlines conducted a trial run on a modified aircraft that permitted cell phone calls.
(...)
Qualcomm and American Airlines are exploring ways for passengers to use commercial cell phones inflight for air-to-ground communication. In a recent 2-hr. proof-of-concept flight, representatives from government and the media used commercial Code Division Multiple Access (CDMA) third-generation cell phones to place and receive calls and text messages from friends on the ground. Qualcomm und American Airlines haben also im Juli 2004 mitgeteilt, das es bald - ab 2006 - möglich sein würde, in Flugzeugen mit Handys zu telefonieren.
Wieso ist diese Meldung wichtig? Sie ist wichtig, weil sie drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 publiziert wurde. Drei Jahre nachdem behauptet worden war, Passagiere der entführten Flugzeuge hätten vor den Abstürzen via Handy mit ihren Angehörigen gesprochen.
Vieles ist heute klar:
- Im Jahr 2001 konnte aus Flugzeugen nicht mit Handys telefoniert werden ( Link, Link, Link, Link, Link, Link).
- Die Transkripte der einzelnen Handyanrufe widersprechen sich in wichtigen Punkten komplett ( Link, Link).
- Etliche Zeugen am Boden haben ausgesagt, United 93 sei von Kampfjets verfolgt und vermutlich abgeschossen worden ( Link, Link, Link).
- Trümmerteile des abgestürzten Flugzeugs sind laut FBI im Umkreis von 13 Kilometern gefunden worden, was eher auf einen Abschuss als auf ein gezieltes «In-den-Boden-Steuern» schliessen lässt ( Link).
- United hat am Morgen des 11. September verlauten lassen, Flug 93 sei in Cleveland notgelandet ( Link).
Und so weiter und so fort. Allein die Liste der nachweisbaren Fakten, die der offiziellen Darstellung hinsichtlich Flug 93 widersprechen, ist lang. Was all das für den offiziellen Hergang der Ereignisse bedeutet, bleibt Spekulation und ist von der 9/11-Untersuchungskommission nicht beantwortet worden.
Für den Blattkritiker stellt sich die Frage: Was sagt die Mainstreampresse dazu? Antwort: Nichts! Viereinhalb Jahre lang hat sie, vor allem im deutschsprachigen Europa, kaum ein kritisches Wort zu 9/11 über die Lippen oder zu Papier gebracht.
Es hätte uns deshalb überrascht, wenn jetzt, da mit «United 93» der erste Hollywoodfilm zu 9/11 in die Kinos kommt, ausgerechnet die Kulturjournalisten des alten Kontinents den Politschreibern auf den Redaktionen in den Rücken fallen und den Ton wechseln würden.
Sie wissen es nicht besser, wenn sie wie Marc Pitzke im aktuellen «Spiegel» schreiben:
Den Grossteil der Dialoge von Passagieren und Crew, die ihr Schicksal als erste Frontkämpfer des Terrorkriegs nur widerwillig begreifen, liess Greengrass improvisieren. Weshalb sie um so echter wirken. Nur die Abschiedstelefonate sind rekonstruiert, mit Hilfe der Angehörigen, die allesamt kooperierten. Rekonstruiert aufgrund der Abschiedstelefonate, die in der dargestellen Weise unmöglich stattgefunden haben können. Schlimmer als Pitzkes Unwissenheit ist aber der Tonfall, mit dem er das Thema angeht. Im Lead schreibt er:
«United 93», Hollywoods umstrittener Aufarbeitungsversuch der Anschläge vom 11. September 2001, hatte gestern in New York Weltpremiere. Der Film ist eine brillante, fast unerträgliche, aber absolut notwendige Rekonstruktion des Grauens. Notwendig, um die Motivation im Krieg gegen den Terror weiterhin auf dem gewünschten Level zu halten. Und wirkungsvoll, wie Marc Pitzke persönlich beweist. Er schreibt:
«United 93» kocht sie alle wieder hoch, die Emotionen jener Tage. Panik, Wut, Verzweiflung, Trotz. Genau darum geht es. Man merkt Marc Pitzkes Text die Emotionen an, die er beim Betrachten des Films empfunden hat. Und betrübt stellt man fest, dass sich mit «Dokumentationen» wie «United 93» und den dazugehörigen Presseberichten a la «Spiegel» oder auch «10vor10» (das gestern Abend mit einem gefühlsschwangeren Beitrag aufgewartet hat) die offizielle Geschichte rund um den 11. September tiefer und tiefer ins Bewusstsein der Leute einbrennt. Immer wieder geschürte Panik, Wut, Verzweiflung und Trotz werden es wohl noch lange verunmöglichen, einen nüchternen Blick auf Flug «United 93» und die Vorgänge am 11. September 2001 zu werfen.
Donnerstag, 27. April 2006
49.9999 Prozent der Italiener haben Silvio Berlusconi gewaehlt. Die Weltwoche weiss warum.
Dienstag, 25. April 2006
Wer nach der Lektüre von Jürgen Krönigs Guantanamo-Artikel (siehe vorletzten Eintrag) und Josef Joffes Kolumne (siehe letzten Eintrag) noch nicht genug hat, findet auf Seite 29 der aktuellen «SonntagsZeitung» ein Interview von Martin Suter mit dem US-Politologen Francis Fukuyama, der kürzlich sein neues Buch «Scheitert Amerika? ‚Äì Supermacht am Scheideweg» veröffentlicht und für Aufsehen gesorgt hat.
Fukuyama, der sich in jüngerer Zeit ein klein wenig von seinen neokonservativen Gesinnungsgenossen entfernt, wäre wahrlich ein interessanter Interviewpartner. Wäre. Denn Martin Suter macht leider so gut wie nichts aus der Gelegenheit. Brav reiht er eine Frage an die nächste, wagt kaum nachzuhaken und lässt Fukuyama so immer wieder Lügen durchgehen, die schon längst als genau das ‚Äì Lügen ‚Äì entlarvt sind.
Zum Beispiel:
Frage: Hat die Bush-Regierung die Öffentlichkeit vor dem Krieg belogen?
Antwort: Das glaube ich nicht. Am unehrlichsten war die Regierung bei der Frage nach dem Verhältnis zwischen Saddam Hussein und dem Terrornetzwerk al-Qaida. (‚Ķ) Anstatt hier entschieden zu insistieren und Fukuyama mit Fakten ( hier, hier oder hier) zu antworten, die belegen, dass die Bush-Regierung die √ñffentlichkeit auf der ganzen Linie hinters Licht geführt hat, fällt Martin Suter nichts Besseres ein, als zu fragen:
Ist die Invasion denn nicht ein sinnvoller Bestandteil des umfassenden Kriegs gegen den islamischen Terrorismus, der mit dem 11. September begann? Wie bitte? «Sinnvoller Bestandteil»? Martin Suter lässt nicht nur jeden Biss vermissen, er vermittelt auch ein Weltbild, das wir ihm nicht zugetraut hätten.
Mehr Beispiele gefällig? Nächste Frage:
In Europa glauben viele, es sei Amerika ums √ñl gegangen. «Glauben»?
Nächste Frage:
Und die angeblichen Massenvernichtungswaffen?
Antwort: Bei den chemischen und biologischen Waffen gab es keine Unehrlichkeit. Alle wurden genarrt: die Uno-Inspektoren, die Franzosen, die Russen. Eine glatte Lüge (Link kostenpflichtig), auf die Suter nicht reagiert, er wechselt einfach das Thema.
Weiter unten fragt er:
Wurde diese Wahrheit von der Bush-Regierung ignoriert?
Antwort: Sie glauben daran, dass freie Märkte und Demokratie sozusagen der Normalzustand sind, der sich automatisch einstellt, sobald Diktatoren aus dem Weg geräumt werden. So so. Auch hier: kein Widerspruch, kein Nachhaken.
Und so weiter, und so fort. Martin Suter lässt Fukuyama das alte Lied von Pleiten, Pech und Pannen singen, anstatt ihn mit Fakten zu konfrontieren und herauszufordern. Schade.
Dienstag, 25. April 2006
Einmal durchatmen, zweimal blättern, und der Leser der aktuellen «SonntagsZeitung» stösst nach Jürgen Krönigs Guantanamo-Artikel (siehe Eintrag unten) auf ein weiteres Lowlight: die Kolumne von «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe. ‚Äì Ja, jener Josef Joffe, der für seine mehr als einseitigen Pro-US- und Pro-Israel-Standpunkte bekannt ist. Und wie nicht anders zu erwarten, sondert der selbsternannte Amerikakenner unter dem Titel «Der Fluch des √ñlreichtums» auch in der «SonntagsZeitung» Schwarz-Weiss-Malereien ab, die uns die Nackenhaare zu Berge stehen lassen.
Joffe schreibt:
Nur vier stabile Demokratien sind mit √ñl und Gas gesegnet: die USA, Kanada, England und Norwegen. Der Rest ist kaum Vertrauen erweckend: Saudiarabien, der Iran, Venezuela, Russland und andere Sowjet-Nachfolgestaaten, Indonesien, Brunei ‚Ķ Wo bleibt der Irak in Ihrer Gut-Böse-Liste, Herr Joffe? Rechnen Sie diesen in der Zwischenzeit schon zu USA/England? Im Ernst: Rätselhaft ist, wie ein seriöser Journalist derzeit die USA zu den Vertrauen-Erweckenden zählen kann.
Weiter unten im Text wirds nicht besser. Da steht:
Fossile Energie liefert die politische Energie, welche die Autoritäten stärkt. Und ihnen das Geld in die Hand gibt, mit dem sie allerlei √úbles in der Welt stiften können ‚Äì von der Terrorfinanzierung bis zur atomaren Aufrüstung. Nein, Joffe spricht hier leider nicht von den USA.
Zum Schluss schreibt er:
Es war schon immer höchste Zeit, sich von der Abhängigkeit von schwindenden fossilen Brennstoffen zu befreien. Wenn wir jetzt auf den Iran, Russland oder Venezuela unter Chavez blicken, kommt noch ein politisches Horrorszenario dazu: Je mehr Petro-Milliarden wir in deren Kassen spülen, desto gefährlicher die Welt, in der wir leben müssen. Herr Joffe, würden Sie die Petro-Milliarden tatsächlich lieber in den Händen der USA und ihrer vorbildlich «demokratischen» Regierung sehen, statt dass das Geld wie in Venezuela zum Teil auch den Armen zu Gute kommt (Link kostenpflichtig)? Bemerkung am Rande: Wenn der demokratisch gewählten Regierung von Hugo Chavez in Venezuela Gefahr droht, dann in erster Linie von den USA, wie der offene Putsch-Versuch von 2002 gezeigt hat.
Es ist tatsächlich höchste Zeit ‚Äì höchste Zeit für Zeitungsmacher, sich von Leuten wie Josef Joffe zu verabschieden.
Dienstag, 25. April 2006
Die aktuelle «SonntagsZeitung» beginnt ihren «Fokus»-Teil mit einer Geschichte über Michael Winterbottoms neuen Guantanamo-Film. Der Titel des Artikels von Jürgen Krönig lautet:
Europa sitzt im falschen Film
An «The Road to Guantanamo» zeigt sich, wie unkritisch wir Islamisten begegnen
«Wir»? Seit wann sind «wir» Europäer bei komplexen Themen derart einig, dass man uns als «wir» bezeichnen kann? Und seit wann sind «wir» Islamisten gegenüber unkritisch?
Wir (gemeint sind diesmal die Blattkritiker) machen uns in Krönigs Artikel auf die Suche nach Begründungen für die Titel-Provokation ‚Äì ohne Erfolg. Statt zu erklären, was er meint, veranstaltet Krönig ein schlimmes Durcheinander. Er vermischt Kritik an Winterbottoms Film ‚Äì die möglicherweise sogar angebracht ist ‚Äì mit der Frage nach der Berechtigung eines Lagers √† la Guantanamo.
Krönig schreibt:
Winterbottom suggeriert in seinem Film dokumentarische Wahrhaftigkeit, aber es geht ihm nur darum, Amerika an den Pranger zu stellen. Sonst hätte er jene Zeugen aus Tipton bemüht, die sagen, dass die drei jungen Männer bereits vor ihrem Trip nach Pakistan radikal und tief religiös geworden waren sowie einem Hassprediger wie Abdullah al-Faisal gelauscht hatten, der jetzt wegen Aufrufs zum Mord an Juden im Gefängnis sitzt. Abgesehen davon, dass Jürgen Krönig mit keinem Wort erwähnt, was die «Zeugen aus Tipton» glaubwürdiger macht als die drei entlassenen Guantanamo-Häftlinge, stellt sich die Frage: Was will uns der Autor damit sagen? Wohl, dass es im Falle eines Falles, nämlich wenn die mutmasslichen Terroristen tatsächlich Terroristen sein sollten, schon in Ordnung ist, wenn man sie jahrelang ohne Recht auf Anwälte oder einen fairen Prozess festhält.
Erst ganz am Schluss seines Artikels schreibt Krönig fast schon widerwillig:
Gewiss, eine massive Grenzüberschreitung rechtsstaatlicher Prinzipien wie in Guantanamo muss verdammt werden. Um dann gleich anzuhängen:
Doch der Film bedient, Michael Moores Produkten nicht unähnlich, antiamerikanische Gefühle. (‚Ķ) Er hinterlässt einen schalen Geschmack. Einen schalen Geschmack hinterlässt vor allem Ihr Artikel, Herr Krönig. Antiamerikanische Gefühle sind derzeit absolut angebracht, es ist angebracht, die USA an den Pranger zu stellen. Und wenn jemand im falschen Film sitzt, dann sind Sie das, nicht «wir».
Montag, 24. April 2006
Wir sind es uns gewohnt: Die «Berner Zeitung» präsentiert einen belanglosen Frontaufhänger nach dem anderen. Der samstägliche Titel überrascht uns deshalb wenig: «Rundere Models gefragt» steht da. Darunter lesen wir den Lead:
Schluss mit spindeldürren Models: Spaniens Gesundheitsministerin Elena Salgado kämpft für «gesündere» Vorbilder.
Wahrscheinlich um dem schwachen Aufhänger mehr Gewicht zu geben, stellen die BZ-Macher einen Kommentar dazu. Darin lesen wir von Autor Thomas Kohler Sätze wie:
Mann würde am liebsten aufspringen und ihnen seinen Platz anbieten: Manche Models, die an Modeschauen die neuen Kollektionen vorführen, lassen Zweifel daran aufkommen, ob sie den Parcours über den Laufsteg ohne körperlichen Zusammenbruch durchstehen. Sie schaffen es in der Regel. Soll das lustig sein? Oder ist letzte Woche irgendwo auf dieser Welt Naomi Campbell auf einem Laufsteg zusammengebrochen und wir habens verpasst?
Weiter gehts mit:
Aber 1,80 Meter grosse Riesinnen, die ein Lebendgewicht von maximal 50 Kilogramm auf die Waage bringen, können nicht gesund sein. «Lebendgewicht»? Gibts ein Sterbendgewicht? Oder ein Totengewicht? Oder?
Zu schlechter Letzt:
Es geht nicht an, dass Models zu Vorbildern werden, an deren Seite Claudia Schiffer mollig aussähe. Die «Harry Potter»-Autorin Joanne K. Rowling wetterte gegen den Schlankheitswahn: «Ich will nicht, dass meine Töchter Klone ausgemergelter Models werden.» Sie hat Recht. Wow, da hat Thomas Kohler aber allen Mut zusammen genommen und ein Statement mit Biss abgegeben. Mit einem Blick nach oben vergewissern wir uns: doch doch, wir lesen gerade den Frontkommentar der viertgrössten Zeitung der Schweiz.
Leider hält die Themenseite unter dem Titel «Keine ‚Äπmagersüchtigen‚Ä∫ Puppen», was die Front verspricht. Thomas Kohler liefert ein verworrenes Geschreibsel, nach dessen Lektüre wir genauso viel wissen, wie nach dem Lead: Die spanische Gesundheitsministerin Elena Salgado fordert von den Designern, auf superdünne Models zu verzichten.
Etwas, was wir von anderen Leuten in ähnlicher Form schon tausend Mal gehört haben. Uns würde interessieren: Wie will Salgado ihre Forderung durchsetzen? Was sagen Models, Designer, Produzenten, Boutiquen und Konsumentinnen zu Salgados √Ñusserungen? √úber all das und noch viel mehr lässt uns der Autor im Ungewissen.
Liebe «BZ», das ist dünn, mindestens so dünn wie die angeprangerten Models.
Montag, 24. April 2006
Wer sich den Sportteil der «Bund»-Samstagsausgabe zu Gemüte führt, liest dort in einem Werbetext unter dem Titel «Querpässe»:
Die Sportredaktion des «Bund» wird per Ende dieses Monats geschlossen. Ab der Ausgabe des 2. Mai übernimmt der «Bund» den Sportteil der «Berner Zeitung». Als Erinnerung an den eigenständigen «Bund»-Sportteil erscheint Mitte Mai ein Buch mit dem Titel «Ich habe einen neuen Ball». Kaum zu glauben: Eine Woche vor Beginn des neuen Zeitalters in Sachen «Bund»-Sport teilt der «Bund» seinen Lesern zum ersten Mal im Sportteil mit (also an der richtigen Stelle), dass es diesen bald nicht mehr geben wird ‚Äì in einem Werbetext. Eine starke Leistung in Sachen Kommunikation. Und für die meisten Leser eine böse √úberraschung, hat doch der «Bund» bisher nur einmal (am 13. Januar) darüber informiert, was in Sachen Sport ansteht ‚Äì sinnigerweise im Auslandteil mittels einer Randspaltenmeldung (siehe Blattkritik vom 13. Januar). Eine Meldung, die den meisten Lesern entgehen musste.
Für «Bund»-Leser ist also ab Mai nicht nur nostalgisches Blättern in «Ich habe einen neuen Ball» angesagt, sondern vor allem: «Ich habe einen neuen Sportteil». Was das für den Sportplatz Bern bedeutet, bringt die gestrige «NZZ am Sonntag» auf den Punkt. In einem Kasten auf der Sport-Aufschlagsseite lesen wir:
Zweifellos hat sich der YB-Trainer Gernot Rohr nach dem Cup-Final gegen Sitten ungeschickt verhalten. Dass der Klub danach gerügt und geschüttelt wurde und sich Rohr in einem Pingpong mit den Medien wiederfand, liegt nicht nur an Rohrs Gebaren, sondern auch an den Verhältnissen im Medienplatz Bern. Dort ist alles unter einem Dach der Espace Media vereint. Geschieht Ausserordentliches, prescht die «Berner Zeitung» im Stil einer Boulevardzeitung voran. Sie macht auf der Frontseite Druck auf den Trainer und schreibt, dass dieser «zum Erfolg verdammt» sei, sonst sei seine Zeit «abgelaufen». Der Gratisanzeiger, das Lokalradio und das Lokalfernsehen, alle zur Espace Media gehörend, doppeln nach. Dazu kommt, dass die Journalisten teilweise in mehreren Medien schreiben und sich sogar gegenseitig interviewen.
Ende April wird nun die Sportredaktion des «Bunds» aufgelöst; der «Bund» übernimmt den «BZ»-Sportteil. Der YB-Trainer kann sich fortan nicht mehr bei den einen ausheulen, wenn ihm die anderen bös sind. Damit ist Bern sportmedial so weit wie Basel, Luzern oder St. Gallen ‚Äì in der Monokultur, die in der Hauptstadt als Besonderheit von einem boulevardesken Blatt geprägt wird. Auch darauf haben sich YB- und SCB-Fangemeinde einzustellen.
Gut gebrüllt, Löwe.
Montag, 10. April 2006
Aus dem heutigen Kommentar der «NZZ» zu den Berner Wahlen:
«Der Schuss ist nach hinten losgegangen», sagte ein verdutzter SVP-Präsident Weyeneth, kein Grünschnabel in der Politik, als der Rohrkrepierer seiner Partei am Sonntagabend feststand. Ja was denn nun, ist der Schuss krepiert, nach hinten losgegangen oder gar nach hinten krepiert? Auch Matthias Saxer, Inlandchef der «NZZ» und beleibe kein journalistischer Grünschnabel, ist vor Stilblüten nicht gefeit.
Sonntag, 9. April 2006
Das Echo hallte schon wieder, als es noch gar nichts zu berichten gab: Obwohl die Resultate der Berner Regierungsratswahl offiziell erst für 19 Uhr angekündigt worden waren, hat das «Echo»-Team bereits für die 18-Uhr-Sendung fix ein Korrespondentengespräch eingeplant. Die Resultate sollten dann tatsächlich erst kurz nach 19 Uhr eintreffen. Und so kam es, dass selbst Caspar Selg plötzlich nicht mehr wusste, was er fragen sollte.
Eine Stunde später auf DRS 2 - das Team des Regionaljournals hatte sich mit viel Musik durch seine Sondersendung gerettet - konnte das «Echo» dann doch noch eine «Sensation» vermelden. Doch in der holprig improvisierten Analyse ging etwas ganz vergessen: Welche der Kandidaten ‚Äì nebst den schliesslich doch noch kurz namentlich erwähnten Perrenoud, Egger und Pulver ‚Äì sonst noch gewählt worden sind...
Liebes Echo, erliege bitte nicht auch du dem Aktualitätswahn. Analysiere einfach zur Zeit.
Mittwoch, 5. April 2006
Der Tagesanzeiger hat die «schönsten» Zitate Silvio Berlusconis zusammengetragen. Ein must-read.
Dienstag, 4. April 2006
Die «Berner Zeitung» ist heute zum ersten Mal mit neuer Seitenabfolge und diversen inhaltlichen Anpassungen erschienen. Chefredaktor Michael Hug schreibt von «Fokussierung auf die Region, klarer Ordnung und mehr Service».
Während wir die neue Lokal-Aufschlagsseite und die Fokussierung auf die Region für eine Zeitung wie die «BZ» durchaus sinnvoll finden, lässt uns die Bemerkung zur Ordnung stutzen. War die «BZ» bisher unordentlich? Haben wir in der «BZ» bisher ratlos herumgeblättert?
Leider finden wir im ersten Bund der heutigen «BZ» dann genau das Gegenteil von klarer Ordnung ‚Äì ein komplettes Durcheinander aus Stoffen zu Schweiz, Wirtschaft, Ausland und Kultur. Offenbar soll Wichtiges fortan nach vorne rutschen, weniger Wichtiges nach hinten, eine Unterteilung nach Themengebieten ist nicht mehr vorgesehen.
Ein Konzept, das gerade im ersten Bund wenig Sinn macht. Die Topstories werden ohnehin auf der Front angerissen, auf den restlichen 7 bis 11 Seiten bringt eine Durchmischung für den Leser nichts ‚Äì nichts ausser Verwirrung. Liebe «BZ», der Leser ist mündig genug, innerhalb einer Rubrik selber zu gewichten. Und es ist für den Leser bedeutend angenehmer, alle Wirtschaftsmeldungen auf einer Seite anzutreffen anstatt sie auf x-Seiten zusammensuchen zu müssen.
Zum Schluss des ersten Bunds bietet die «BZ» mit der Seite «15 Minuten» künftig einen kurzen √úberblick über die wichtigsten Meldungen aus dem internationalen und nationalen Bereich (ähnlich der «NZZ»). Abgesehen davon, dass sich die neue Seite optisch nahtlos ins «BZ»-Layout einfügt ‚Äì das heisst, typografischen Ansprüchen einfach nicht genügt ‚Äì, fragen wir uns: Wieso produziert man am Dammweg nicht gleich eine Kurzfutterseite, die auch Sportliches und Regionales umfasst, also die gesamte Zeitung abbildet? Und wir fragen uns: Wieso heisst die Seite «15 Minuten»? Denn wer fürs Lesen der paar Kurzmeldungen 15 Minuten benötigt, der sollte dringend einen Nachhilfekurs besuchen. Schliesslich lesen andere in 20 Minuten eine ganze Zeitung ‚Ķ
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