Mittwoch, 31. Januar 2007
Die «NZZ am Sonntag» hat Party gemacht. Oder es wenigstens versucht: In der aktuellen Ausgabe berichtet Sacha Batthyany aus dem Zürcher Industriequartier («In der Intensiv-Zone», online nicht frei zugänglich). Die Themenwahl dürfte nicht ganz zufällig sein. Auch der «Tages-Anzeiger» war vor kurzem im wilden Westen Zürichs und hat die überdurchschnittliche Zahl von Polizeieinsätzen, Schlägereien und Alkoholvergiftungen rapportiert. Batthyanys Text geht auf diese Begleiterscheinungen ein und kontrastiert sie zugleich mit dem scheinbar beschaulichen Leben bei der Maschinenfirma MAN Turbo, dem letzten Wurmfortsatz des früheren Industriequartiers. Dieser Ansatz gefällt dem Blattkritiker und ist auch mit ansprechenden Fotos umgesetzt worden. Doch der Text kann nicht begeistern.
Gute Reportagen, heisst es, lassen den Leser etwas erleben. Sie machen ihn glauben, er rieche, fühle und schmecke mit. Das ist bei diesem Text nicht der Fall. Batthyany erzählt uns zwar, dass Roman Kühne, der porträtierte Angestellte des Tiefbauamtes, mit einer Putzmaschine «Citycat 2020» für 15'000 Franken putzt. Doch wie Kühnes Arbeit wirklich aussieht, wird für uns nicht nachvollziehbar. Es ist von einem Saugrüssel die Rede, und von Dreck. Wie warm, wie kalt ist es in dieser Citycat? Läuft das Radio, zieht es? Ist die Arbeit für den, der sie macht, einigermassen befriedigend? Wie fühlt sich einer, der jede Nacht den Dreck der anderen wegputzt? Wir erfahren es nicht.
"Aromat und Kokain. Eine Beinahe-Reportage." vollständig lesen
Dienstag, 30. Januar 2007
Gestern, «Berner Zeitung», Titelseite, Hauptschlagzeile:
Roger Federer
Beinahe unschlagbar
Was fast total falsch ist, weil man entweder schlagbar oder unschlagbar ist, nichts dazwischen. Nur «BZ»-Schlagzeilen sind beinahe unschlagbar.
Dienstag, 30. Januar 2007
Achtzehn Jahre nach ihrem Rücktritt ist Elisabeth Kopp wieder da - wenn auch nur auf der Leinwand: Der Film «Elisabeth Kopp - Eine Winterreise» versucht, etwas mehr (subjektives) Licht in den Fall Kopp zu bringen. Die Reaktionen der Wochenpresse sind unterschiedlich. «Facts» widmet der gefallenen Bundesrätin die «Carte blanche». Catherine Duttweiler, Autorin von «Kopp und Kopp» (Weltwoche-ABC-Verlag, antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich), meint: Es ist Elisabeth Kopp menschlich wie politisch zu gönnen, dass sie nach Jahren des Vergessens eine Imagekorrektur anbringen kann: Sie war als Bundesrätin weder brillant noch visionär, doch sie hat ihre Aufgabe genauso gut erfüllt wie das Gros ihrer männlichen Kollegen (...). Dennoch gilt es bei der Würdigung [von Kopps Rücktritt] zu berücksichtigen, dass die Magistratin keineswegs wegen eines «ganz kurzen Telefons» an ihren Gatten zurücktreten musste - in einer Affäre, in welcher die Gerichte später weder den Geldwäschereiverdacht noch eine Amtsgeheimnisverletzung schlüssig nachweisen konnten. Elisabeth Kopp musste zurücktreten, weil sie zusammen mit ihrem Gatten das berüchtigte Telefonat über Wochen hinweg bestritten hatte. Mit diesem nüchternen Text ist der Kopp-Film für «Facts» besprochen. Eine angemessene Berichterstattung, wie der Blattkritiker meint. Die «Weltwoche» richtet dagegen mit der grossen Kelle an.
"Ein Koppstand" vollständig lesen
Montag, 29. Januar 2007
«Im neuen week packt Jones aus», kündigte uns «20 Minuten» am Donnerstag in einem Kasten an (online nicht verfügbar). Und weiter:
Zügellos in New York: Auf Promo-Tour für ihr neues Album unterhielt sich eine überraschend anrüchige und sogar etwas betrunkene Norah Jones mit 20 Minuten week. Das grosse Interview gibts in der aktuellen Ausgabe. Norah Jones packt aus, beschwipst mit einem «20 Minuten»-Reporter unterwegs in New York? Ein solch exklusives Interview wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir holten am Freitagabend «20 Minuten week» ‚Äì und staunten statt über die «sinnliche Vollblutmusikerin» über die heisse Phantasie des Autors Niklaus Riegg: Das «grosse Interview» ist eine Seite kurz. Angeheitert ist Norah Jones in einem Song auf dem Album, wie sie sagt. Beim Interview hingegen scheint sie nüchtern zu sein, und schlecht gelaunt. Denn sie friert. In New York, während des Telefonats mit Riegg.
Mittwoch, 24. Januar 2007
Endlich. Nach langer, langer Zeit gönnt uns die «Weltwoche» einen Text, den wir klug und aufschlussreich finden. Beda M. Stadler, Professor an der Universität Bern und Direktor des Instituts für Immunologie, beweist mit seinem gut recherchierten Artikel, dass Passivrauchen keineswegs schädlich ist, sondern vielmehr vor zahlreichen Krankheiten schützt.
Der Autor beginnt sein Lehrstück (Link bedauerlicherweise kostenpflichtig) mit einer wichtigen Frage:
Aber füge ich den Menschen in meiner Umgebung wirklich einen erheblichen Schaden zu, nur weil ich im Bahnhof rauche? Wir finden: der perfekte Start zum perfekten Text. Denn gerade in so kleinen und schlecht gelüfteten Räumen wie Bahnhöfen soll die Belastung für Passivraucher ja besonders gross sein. Eine dreiste Lüge, die es mit Fakten zu widerlegen gilt:
Selbst in neueren Studien zu Krebs- oder Herzerkrankungen bei Passivrauchern findet man meistens bloss Odds Ratios um 2 herum. Das bedeutet ein doppeltes Risiko für einen Passivraucher, beispielsweise an Lungenkrebs zu erkranken, verglichen mit einem Menschen in rauchfreier Umgebung. Eine Verdoppelung tönt nach viel, aber die absoluten Zahlen sind hier so klein, dass nüchterne Forscher eine Odds Ratio von 2 als unbedeutend betrachten. Gut gebrüllt, Löwe. Eine Verdoppelung des Risikos ist für den Normalsterblichen tatsächlich völlig unbedeutend. Zumal ein Lungenkrebstod eine der angenehmeren Formen des Ablebens ist.
Mehr noch:
Im Juli 2006 erschien eine Arbeit in Neurology, die zusammenfasste, was man längst weiss. Prospektive Studien, retrospektive Studien und Zwillingsstudien belegen: Rauchen senkt das Risiko, an Parkinson zu erkranken. Neu konnte man zeigen, dass sogar Passivrauchen vor Parkinson schützt, und zwar umso besser, je intensiver der Qualm. Hier müssen wir unsere einzige kleine Kritik an Stadlers Recherche anbringen. Der Autor vergisst zu erwähnen, dass Passivrauchen nicht nur vor Parkinson, sondern ganz allgemein vor Alterskrankheiten schützt – weil die meisten Betroffenen früh sterben.
Mit einem mutigen Hinweis setzt Stadler seinem Text die Krone auf:
Paradoxerweise wirkt Tabak manchmal sogar gegen Krebs. Raucher erkranken weniger häufig am schwarzen Hautkrebs, wie diesen Monat im British Journal of Dermatology berichtet wurde. Je öfter und je mehr geraucht wurde, umso geringer fiel das Risiko aus, an diesem tödlichen Krebs zu leiden. Eine wichtige Information. Es ist definitiv von Vorteil, neben Lungenkrebs nicht auch noch an schwarzem Hautkrebs zu erkranken.
Zu guter Letzt ortet Stadler bei den Anti-Rauchern eine Taktik, der er sich nie im Leben bedienen würde:
Trotz all dieser Studien: Die Anti-Raucher-Lobby wird weiterhin die Rosinen aus der wissenschaftlichen Literatur picken, um auf uns Rauchern herumzuhacken. Was zu beweisen war!
Dienstag, 23. Januar 2007
Nach dem «Rendez-Vous» am Montag waren wir etwas verunsichert: Was hat der Redaktor gesagt? Oder besser: Was hat er damit sagen wollen? Vier Szenarien:
1) Der Redaktor wollte sich ein Wortspielchen mit «untergehen» erlauben. Unglücklicherweise hatte er in der stürmischen Zeit vor der Sendung keinen Geistesblitz. So sehr er auch brainstormte, es tauchte einfach keine bessere Formulierung auf.
2) Der Redaktor wollte in der Einleitung darauf hinweisen, dass diese Meldung nur ausnahmsweise in den Nachrichtenblock gerutscht ist, weil das Januarloch gähnte oder der Ticker nicht mehr richtig tickte.
3) Der Redaktor übt unverblümt Kritik an der üblichen Nachrichten-Selektion seiner Kollegen.
4) Der Praktikant durfte seine erste Meldung schreiben. Und sein Betreuer musste dringend aufs Klo.
Wir schwanken noch immer zwischen den vier Szenarien. Bloss eines ist uns klar geworden: Es kommt immer wieder vor, dass ein Texter Schiffbruch erleidet. Und das ist auch ein Grund dafür, dass solche Blog-Einträge in der Informationsfülle meist untergehen...
Dienstag, 23. Januar 2007
Fertig lustig. Auf Seite 3 der heutigen «Mittelland Zeitung» knallts. Denn: «Die Bauern machen mobil», sie haben den «Kampf um mehr Bundesmittel im Nationalrat eröffnet». Im Gang ist ein eigentliches «Manöver», wobei die SVP völlig überraschend «zuvorderst marschiert» und die fiesen Bauern «neue Munition» in Form einer Studie ins Feld führen (Artikel online nicht erhältlich).
Das alles depechte live von der Subventionsfront ein unerschrockener «MZ»-Berichterstatter an die heimatlichen Redaktionen. Sein Name: Daniel Friedli.
Dienstag, 23. Januar 2007
Schon wieder ein Weltwirtschaftsforum (WEF). Wie jedes Jahr: dumme Reden, Stacheldraht, Militäreinsätze im Innern, Bundesrätinnen und Bono (kommt er?), Lamas und Pfarrer - und ein paar Demonstrantinnen und Strassentheateraktivisten, die damit rechnen müssen, fichiert oder in Tiefgaragen gesperrt zu werden. Wie geht es der Anti-Wef-Bewegung? Wer hat überhaupt noch Lust, gegen das Wef zu protestieren? Schon wieder eine «WoZ» mit Texten zum WEF, denken wir uns. Wie jedes Jahr: pubertäre Ansichten, mit Tomaten – pardon – Worten schmeissende Journalisten, Linke im Kampf gegen das Böse.
Und wir fragen uns: Wer will nach diesem ersten Abschnitt auf der Titelseite weiterlesen? Wohl die wenigsten.
Wir haben uns überwunden und sind ratlos zurückgeblieben. Wir verstehen weder den Titel des Texts – «Bete mal den Bono an!» –, noch was uns Bettina Dyttrich mit ihrer Schreibe sagen will. Anders als erwartet folgt nach den ersten Zeilen nämlich nicht eine klare Stellungnahme für die WEF-Gegner, sondern eine in süffisantem Ton gehaltene √úbersicht darüber, was in Sachen Demonstrationen zu erwarten ist.
Gegen wen schreibt Bettina Dyttrich? Gegen das WEF? Gegen das WEF und gegen die WEF-Gegner? Wir haben es nicht herausgefunden. Hauptsache, es tönt intellektuell und abgehoben, wird man sich bei der «WoZ» gedacht haben.
Schade, denn die aktuelle «WoZ» hätte mehr zu bieten, als sie uns auf der Titelseite (ihrer Visitenkarte) verspricht. Auf Seite 5 finden wir einen Text von Daniel Ryser, der nicht nur gut geschrieben und informativ ist, sondern zeigt, dass Leute wie Gerd Leipold, Chef von Greenpeace International, mehr Sinn darin sehen, in Davos zu diskutieren und zu überzeugen, statt Scheiben einzuschlagen.
Diskutieren und überzeugen? Was wohl Bettina Dyttrich davon hält? Wir lesen:
Und in Davos? Dadavos hat schon in den letzten beiden Jahren mit kleinen Aktionen Irritation gesät und das Ergebnis im Film «Grober Unfug» festgehalten: In elegantes Tuch gekleidete AktivistInnen erleiden groteske Stürze auf der Promenade, nagen mit ekligem Schmatzen an Pouletbeinen, werfen sich vor Wef-TeilnehmerInnen devot zu Boden, betteln sie an oder verfolgen sie und imitieren alle ihre Bewegungen. Gerüchten zufolge ist es gefälschten Wef-TeilnehmerInnen auch schon gelungen, sich in Nobelhotels einzuschleichen und sich in Lobbys und Swimmingpools zu tummeln. Es hängt alles vom überzeugenden Auftreten ab. Tatsächlich, es hängt alles vom überzeugenden Auftreten ab. Das gilt auch für eine Zeitung und ihre Titelseite.
Montag, 22. Januar 2007
Braucht es den Swissair-Prozess? Aber sicher, vielleicht, bloss nicht: Beim «Tages-Anzeiger» findet man ihn sinnvoll, bei der «Weltwoche» überflüssig, und bei der «NZZ am Sonntag» auch. Doch während uns Roger Köppel nur in seinem Editorial auf Vergeben trimmte, trägt die hippe Schwester der «NZZ» einiges dicker auf. Drei zu eins fürs Schonprogramm, lautet der interne Totomat.
"Swissair-Prozess: Dummheiten, Schutzbehauptungen und schwule Avancen" vollständig lesen
Montag, 22. Januar 2007
√úber ein Minimum an Grundwissen und Interesse am Thema verfügt jeder Journalist, der für das «Schweizer Nachrichtenmagazin» arbeitet.
So hoffte man wenigstens. Bis Frank Heer für das neue «Facts» ein Interview (Artikel online nicht erhältlich) mit Mundartrocker Gölä führte. Oder, wohl besser: führen musste, weil auf der Redaktion niemand sonst Lust hatte, sich mit dem «Schwan»-Schöpfer zu unterhalten.
Heer erledigt seinen Job wie eine Strafaufgabe. Er macht sich nicht einmal die Mühe, vor dem Gespräch im Archiv nachzuschauen, was in Sachen Gölä als längst bekannt vorausgesetzt werden darf. So erfährt die Leserschaft am 19. Januar 2007, dass Gölä auf dem Bau arbeitet und nur macht, «was mir der Ranzen sagt». Und Heer schreibt die Namen von ein paar Rockgrössen, die Gölä erwähnt, genau so ins Blatt, wie sie der weltberühmteste «Büezer» der Schweiz ausspricht. Aus Bob Seger wird «Bob Seeger», aus Lynyrd Skynyrd «Linird Skinnard» und aus John Hyatt «John Hiatt». Eine Band namens «Springsteen» gibt es nicht, nur einen Sänger, und der heisst mit Vornamen Bruce. Er musiziert mit der E-Street-Band.
All das hätte Heer googeln oder sich von Kollegen sagen lassen können. Aber der «Facts»-Journalist macht lieber vier Fehler in drei Zeilen als zwei Minuten für einen Satz zu recherchieren.
Da gibts, um es mit Gölä zu sagen, nur eins: «Vergässe, was isch gescheh».
Montag, 22. Januar 2007
Finanzanalysten interessieren sich auch bei Medienkonzernen nur für Zahlen. Das trifft sich gut, denn die Tamedia hat keine publizistischen Visionen. Wohl deshalb hat Tamedia-CEO Martin Kall vor kurzem an der «Swiss Equities Conference» in Bad Ragaz Klartext gesprochen. Laut einem Newsletter des Finanzdienstleisters Helvea begründete Kall die Split-Strategie des «Tages-Anzeigers» wie folgt:
«Die Regionalisierung des Tages-Anzeiger befriedigt das Bedürfnis nach lokalem Inhalt, und dieser ist erst noch billiger zu produzieren». Wahrlich ein Satz fürs Poesiealbum.
Sonntag, 21. Januar 2007
Unter dem Titel «Viagra, Koks und Polonaise» berichtet die «Sonntagszeitung» heute über einen rot-grünen Zürcher Gemeinderat, der letzte Woche von der Polizei verhaftet wurde (Artikel online nicht erhältlich). Andreas Kunz beleuchtet unter emsiger Zuhilfenahme des Konjunktivs das «wild-fidele Leben» des «Party-Tigers». Der Politiker «soll im grossen Stil mit Drogen gehandelt haben»; dafür sei er in einschlägigen Kreisen «allseits bekannt» gewesen.
Der Artikel stützt sich primär auf die Aussagen von anonymen Szenegängern. Trotzdem (oder gerade deshalb) liest er sich wie eine Anklageschrift. Von einer Vorverurteilung kann trotzdem nicht die Rede sein: Für XY (die SZ nennt den Verhafteten mit Vornamen und Namen und zeigt ihn im Bild) «gilt die Unschuldsvermutung» schreibt Kunz. In der letzten von rund 70 Zeilen.
Samstag, 20. Januar 2007
Die amtlichen Schnüffler können dem technischen Fortschritt nicht mehr folgen. Telefone, die über das Internet geführt werden, könnten nicht mehr abgehört werden, beklagt sich Roger Schneeberger, Generalsekretär der Polizei- und Justizdirektoren, in einem Bericht der sda, der sich auf eine Meldung von Radio DRS abstützt.
Die «Aargauer Zeitung» leidet anscheinend mit. Denn ihren Artikel überschreibt sie mit «Gravierende Mängel bei der Telefonüberwachung».
Der Titel als Kommentar: Wann sind diese Zeiten wohl endlich vorbei?
Freitag, 19. Januar 2007
Laut einem Bericht von «persönlich» über einen «Cash daily»-Artikel liebäugelt die «NZZ am Sonntag» mit Regionalsplits. Dies aber nicht wegen einer plötzlichen Liebe zum Lokalen, sondern aus Angst, die lukrativen Rubrikinserate zu verlieren: Die NZZaS reagiert mit diesem Schritt auf die geplante Sonntagsausgabe der Mittelland Zeitung (MZ). Müller zu Cashdaily: «Ich will nicht tatenlos zuschauen, wenn die Regionalzeitungen tatsächlich mit Sonntagsausgaben kommen.» Reagieren statt agieren also, doch das soll hier nicht bekrittelt werden. Dass der Inseratemarkt höher gewertet wird als die publizistische Linie, entspricht der wirtschaftlichen Logik - gerade bei Splits. So verzichtet zum Beispiel der «Tages-Anzeiger» zur fortwährenden Konsternierung seiner Leser auf den Winterthur-Split, um den «Landboten» nicht zu gefährden (vgl. «Klartext»). Nun darf aber spekuliert werden, wie gut regionale Splits zu einer Sonntagszeitung passen. Andreas Durisch («Sonntagszeitung») meint laut «persönlich» dazu: «Gemäss meinen Erfahrungen beim Sonntagsblatt kann ich sagen, dass die regionale Berichterstattung für einen nationalen Titel ein schwieriges Feld ist: Substantiell gute Geschichten für den Regionalteil sind rar, die Samstagsaktualität dröge. Die wirklich spannenden Themen aus einer Region wollen die Blattmacher im Mantelteil.» Der Blattkritiker sieht noch ein anderes Problem: Weil «Facts» und «Weltwoche» inhaltlich seit längerem schwächeln, nutzt ein steigender Teil der Sonntagszeitungsleserinnen und -leser ihr Blatt als Wochenmagazin. Als Gefäss also, das weniger dem Lokalen und Akuten verpflichtet ist als den Hintergrundthemen. Dazu passen die explizit regionalen Geschichten, die oft schon aus der Tagespresse bekannt sind, aber nur mittelprächtig. Ob die Sonntagssmischung aus Politik, Feuilleton, Lifestyle und den neusten Resultaten der Provinz-Volleyballklubs wohl aufgeht? Wir lassen uns überraschen.
Freitag, 19. Januar 2007
Warum sich der Bundesrat «nach wie vor mit Händen und Füssen gegen ein Verbot» von Pitbulls wehre, sei «nicht ergründbar», hat «Blick»-Politik-Chefreporter Georges Wüthrich gestern in einem Kommentar (online nicht erhältlich) geschrieben.
Das stimmt. Nicht ergründbar ist aber auch, warum «Blick online» weiterhin ungerührt derartige Inserate schaltet:
«Pitbull
Riesenauswahl zu Superpreisen»
«Pittbull
Tolle Angebote, tolle Preise» Um genau zu sein: Ergründbar sind die Motive natürlich schon. Aber wo bitte bleibt die Konsequenz? Und wie glaubwürdig sieht neben solchen Inseraten Georges Wüthrichs Kommentar aus?
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