Dienstag, 27. Februar 2007
Am 11. März stimmen die Zürcherinnen und Zürcher über ein städtisches Glasfasernetz für 200 Millionen Franken ab. Die EWZ, das städtische Elektrizitätswerk, möchte dieses Netz vor allem für Private und KMU aufbauen. Denn die bestehenden Glasfasern, die seit Jahren unter den Trottoirs liegen, sind nur für Grossfirmen nutzbar. Und wenn es nach der Swisscom und ihren Mitbewerbern geht, muss sich daran auch nichts ändern.
So hängt halt der grosse Rest der Internetnutzer noch auf Jahre hinaus am Kupferdraht. Na und? Soll man sich deshalb etwa aufregen? «In Zürich ist die Glasfaser bereits vorhanden, wo sie gebraucht und nachgefragt wird», belehrt uns Larissa Bieler in der «NZZ am Sonntag.» Und doppelt nach: Seit 1998 wurde die Schweizer Telekombranche schrittweise liberalisiert und entstaatlicht. Mit ihren Glasfaser-Plänen geht die Stadt Zürich nun genau in die gegenteilige Richtung. Begründet wird dieser Schritt unter anderem mit angeblich fehlendem Wettbewerb. Zur Erinnerung: Der «angeblich» fehlende Wettbewerb wird von einer Handvoll Firmen bestritten, deren Geschäftsgebaren etwas problematisch ist. Die Swisscom zum Beispiel macht wegen ihrer unziemlichen Preispolitik regelmässig Schlagzeilen. Zwei aktuellen Beispiele aus diesem Monat: Die Swisscom wurde von der Wettbewerbskommission zu einer Busse von 333 Millionen Franken verknurrt, weil sie ihre marktbeherrschende Stellung im Mobilfunk ausgenützt hat. Und auch bei der √úbertragung von Festnetznummern hat sie laut Bundesgericht unrechtmässig hohe Preise verlangt und muss der Cablecom einen einstelligen Millionenbetrag zurückerstatten. Und wenn wir schon bei der Cablecom sind: Diese musste nach einer Intervention des Preisüberwachers ihre Abo-Gebühr für das digitale Fernsehen von 25 auf 6 Franken senken und ihre Set-Top-Box für 150 statt 495 Franken verkaufen. Erstaunlich, welche Rabatte möglich sind, wenn Väterchen Staat auf den Tisch klopft. Die beiden anderen Mitbewerber Sunrise und Colt sind bis jetzt nicht negativ aufgefallen. Aber auch nicht positiv: Zusammen mit Swisscom und Cablecom fahren sie die Nein-Kampagne.
Das scheinen Details zu sein. «Der Staatsbetrieb könnte mit seinem Markteintritt Wettbewerb und Innovationen abwürgen», schreibt Larissa Bieler weiter. Und erheitert uns damit: Der «Wettbewerb» ähnelt doch eher einem Oligopol, der Marktaufteilung unter wenigen Anbietern. Und dass ein modernes Glasfasernetz die «Innovation» mittels Kupferkabel bedrohen soll, scheint auch eher unwahrscheinlich. Oder was meinen die Herren Provider-Blogger dazu?
Der ideale Markt oder auch bloss der funktionierende Markt, dessen unsichtbare Hand dann auch noch alles zum Besten wendet, sieht entschieden anders aus. Im Fall des freien Wettbewerbs im Allgemeinen und der Zürcher Netzpolitik im Besonderen müssten sogar die Freisinnigen eine staatliche Intervention begrüssen. Und das tun sie auch: Die Stadtzürcher FDP steht geschlossen hinter dem EWZ-Projekt - zum grossen √Ñrger der «NZZ am Sonntag». «In Leserbriefen und Internet-Foren wird nun gerätselt, warum sich ausgerechnet der Freisinn für mehr Staat einsetze - Schulter an Schulter mit der SP, den Grünen, der EVP und der Alternativen Liste», schreibt Larissa Bieler.
Ausgerechnet der Freisinn? Weshalb denn bloss? Wer mehr über die «strange alliance» wissen will, sollte einen Blick in den heutigen «Tages-Anzeiger» werfen. «[Der freisinnige Zürcher Stadtrat Andres Türler] hat offensichtlich die Delegierten der Stadtpartei mit seinen Arugmenten überzeugt,» sagt Doris Fiala, Präsidentin der Stadtzürcher FDP, in einem Kurzinterview. Und fügt an, dass Ruedi Noser, der unter anderem in der «NZZ» gegen das geplante EWZ-Netz wetterte, «im Telecombereich tätig» sei und sich «vermutlich deshalb als Unternehmer gegen das Glasfasernetz» wehre und nicht etwa «aus ordnungspolitischen √úberlegungen.»
Es ist eine kleine Ironie der Lokalgeschichte, dass der Hausputz bei der FDP mittlerweile im «Tages-Anzeiger» veranstaltet wird und nicht mehr in der «NZZ». Aber wenigstens spielt der Wettbewerb bei den Printmedien.
Dienstag, 27. Februar 2007
Auf Seite 7 der «NZZ am Sonntag» stockt dem Verschwörungstheoretiker der Atem:
Amateurfilm enträtselt Kennedy-Mord schreit ihm die Schlagzeile entgegen. Sollte eines seiner liebsten Hobbys sinnlos werden? Ängstlich liest er weiter:
Der Film zeigt im Vordergrund eine lächelnde Jackie Kennedy im rosa Kostüm. Hinter ihr kommt JFK ins Bild. Sein Jackett ist deutlich erkennbar an seiner rechten Schulter hochgeschoben und aufgebauscht.
(…)
Die Zeitspanne zwischen den Schüssen ist umstritten. Zudem scheint sich die von Warren [erste Offizielle Untersuchungskommission] festgestellte Flugbahn des ersten Projektils nicht mit dem Einschlussloch im Jackett zu decken. Der Film erklärt diese Diskrepanz nun durch die Verschiebung der Jacke. So entkräftet er die Verschwörungstheorie, wonach ein zweiter Schütze ebenfalls gefeuert haben soll. Der Verschwörungstheoretiker ist traurig. Er muss einsehen, dass ein aufgebauschtes Jackett die jahrelangen Untersuchungen verschiedener US-Untersuchungskommissionen hinfällig macht (Resultat dieser aufgebauschten Untersuchungen: Es gab höchstwahrscheinlich eine Verschwörung zur Ermordung Kennedys, es gab höchstwahrscheinlich mehrere Schützen, es gab höchstwahrscheinlich eine Verschwörung zur Vertuschung der Umstände). Er begreift, dass der Zapruder-Film, der zeigt, dass der tödliche Schuss Kennedy von vorne und nicht von hinten trifft, eine üble Fälschung sein muss.
Der Verschwörungstheoretiker ist traurig. Er ist aber auch froh, dass es Journalisten wie Andreas Mink und Zeitungen wie die «NZZ am Sonntag» gibt, die ihm komplexe Ereignisse immer wieder auf wunderbar einfache Weise erklären.
Montag, 19. Februar 2007
Der ansonsten grandiose «Weltwoche»-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann macht es sich in seinem jüngsten Beitrag «Journalisten spielen verstecken» (Link kostenpflichtig) zum Fall Kassensturz versus Peter Meyer-Fürst für einmal erstaunlich leicht.
Es stimmt, dass die «Bilanz» Mitte der Neunzigerjahre eine Kioskauflage einstampfen lassen musste (die Abonnenten hatten das Heft bereits im Briefkasten). Wenn wir uns richtig erinnern, erschien der Artikel, der zum richterlichen Verkaufsstopp führte, unter dem Titel «Das Messer am Hals». In jenem Beitrag wurde mit der Arbeit des Schönheitschirurgen Peter Meyer-Fürst abgerechnet, der im Körper von Patientinnen schon mal ein Operationsutensil liegen lasse, die Frauen zu völlig überflüssigen Eingriffen dränge und sich, selbst bei ernsthaften Komplikationen, einen Deut um die Nachbehandlung schere.
Anders als uns Zimmermann heute weismachen will, wurde der folgende Prozess vor dem Luzerner Obergericht nicht eingestellt. Erstaunlicherweise waren nämlich sämtliche von der «Bilanz» genannten Zeuginnen bereit, vor Gericht auszusagen (Vera Dillier zählte nicht dazu). Und was man da zu hören bekam, was man sich an Verstümmelungen, angerichtet von einem so genannten Schönheitschirurgen, ansehen musste, war himmelschreiend. Für die Aussagen von Krankenschwestern und anderen Personen, die Meyer-Fürsts Betreuungs- und sonstige Methoden schilderten, gilt das nicht minder. Letztlich gab das Gericht der «Bilanz» zu rund 80 Prozent Recht. Meyer-Fürst erklärte, er werde das Urteil weiterziehen, was er aber wohlweislich unterliess. Die 30‚Äô000 Franken, zu deren Zahlung an die «Bilanz» er verdonnert worden war, sind noch heute ausstehend.
Zimmermann hätte das alles nachlesen oder die Redaktion fragen können. Die «Bilanz»-Redaktion liegt ja nicht allzu weit von jener der «Weltwoche» entfernt. Vielleicht hätte er sich dann ein paar Gedanken mehr gemacht. Zum Beispiel darüber, ob ein imagegeschädigter Arzt, der jahrzehntelang viele Fehler begangen hat und als 75-Jähriger offenbar immer noch an Frauen herummacht, nicht doch von öffentlichem Interesse ist.
Abschliessend meint Zimmermann, Meyer-Fürst würde einen Prozess gegen den «Kassensturz» gewinnen. Ach ja?
Montag, 19. Februar 2007
Die NZZ hat zusammen mit der NZZ am Sonntag ihr neues Magazin Z lanciert. Es stehe, so das Editorial
für die Werte des Hauses NZZ: unaufgeregt, essentiell, auf den Punkt gebracht, auf der Höhe der Zeit. (...) Das Magazin will deshalb nicht einfach einen Strauss von Lifestyle-Optionen zeigen, sondern dort tiefer gehen, wo andere an der Oberfläche bleiben. Gemach. Das erste «Z» widmet sich dem Schwerpunkt Thema Wohnen. Zunächst folgen aber zehn Seiten Promo-Texte. Da wird sich manche PR-Agentur die Hände reiben über neue Möglichkeiten der Beste... äh, Zusammenarbeit mit der «NZZ». Ein Kurzinterview mit einem Extremtaucher erscheint zunächst als rätselhafte Ausnahme im PR-Brei. Das kursiv Gedruckte am Ende des Textes erklärt die Sache aber: Zu Ehren des Interviewten wurde soeben eine Taucheruhr produziert, die man via den pflichtschuldig angegebenen Link auch gleich betrachten kann. Auf Seite 13 folgt dann ein als Reportage (oder eher Schüleraufsatz) von Fiona Hefti getarnter ausführlicherer PR-Beitrag für einen Bootsbauer, gefolgt von etwas stärker redaktionell betreuten PR-Häppchen.
Wer denkt, damit das √Ñrgste überstanden zu haben, wird im folgenden Akzent-Teil des Hefts zum Thema Wohnen eines Schlimmeren belehrt: Es folgt eine Fotoserie von Möbeln und unverständlich hässlich gekleideten Models. Wer sich ob der Beliebigkeit der Bilder und Möbel in der Annabelle oder ähnlichen Blättern wähnt, wird durch zwei Umstände daran erinnert, dass er es hier mit einem Produkt aus dem Hause «NZZ» zu tun hat. Erstens handelt es sich bei dem Beitrag nicht einfach um eine x-beliebige Möbelstrecke, sondern gemäss Lead um ein «Plädoyer für eine √Ñsthetik der Entschleunigung». Und zweitens reicht ein Blick auf die Angaben zu den Möbeln, um das Zielpublikum zu erkennen. So zeigt das «Studentische Flair» auf Seite 25 einen Jüngling mit Hochwasserhose und «weissen Tennissocken von Falke», der auf einem etwas zu tiefen beige-roten Sessel unter einer nackten Glühbirne sitzt, die an einem schwarzen Mikrofon-Galgen hängt. Sessel: 3372 Franken, Lampe: 1181 Franken. Studentisches Flair halt. Im selben Stil gehts weiter. Porträts von und Interviews mit Designern und Architekten, ein Beitrag zu Kitsch und dazwischen, darunter, daneben, darin ganz viel Werbung.
Dass die «NZZ» zu wenig Geld abwirft, ist hinlänglich bekannt. Dass auch die «NZZ» nicht päpstlicher als der Papst ist und ein offenes Ohr für lukrative Einflüsterungen hat, ist spätestens seit dem Stil-Bund der «NZZ am Sonntag» klar. Dass sie aber ihre zwar konservative, aber journalistisch zuverlässige Seele derart plump auf den Lifestyle-Markt trägt und sich der PR-und Werbeprostitution hingibt, ist aber doch etwas überraschend. Und auch bedauerlich. Sind dies wirklich «die Werte des Hauses NZZ»?
Montag, 19. Februar 2007
Den Titel des Tages finden wir heute – wie so oft – in der «Berner Zeitung» (Seite 33, «Rundschau», online nicht erhältlich):
Lawinenunglück ob Lauenen bei Gstaad
Neun Schutzengel fuhren mit – alle wurden gerettet Zum Glück sind laut anschliessendem Text auch alle neun Skifahrer mit dem Leben davongekommen.
Sonntag, 18. Februar 2007
Wie geht es in einem hochpreisigen Schweizer Internat zu und her? Wie «normal» oder abgehoben sind die von ihren Eltern für 70'000 Franken pro Jahr entsorgten Teenager? Was denken, was fühlen sie? Wie lebt es sich am Gegenpol des öffentlichen Bildungssystems, das mit dem «Fall Seebach» wieder zum Thema wurde?
Wer Antworten auf diese Fragen sucht, wird das aktuelle «Magazin» vergeblich lesen. Erwin Kochs Text «Nacherziehung auf dem Rosenberg» (Volltext) ist keine Reportage, sondern eine Schwindel erzeugende Collage von Eindrücken, Quelltexten, Gerüchten, Interviewfragmenten und Betrachtungen zum Lauf der Dinge im Institut auf dem Rosenberg. Und das tönt zum Beispiel so: Es ist Morgen auf dem Rosenberg, windig und finster. Aus dem Ulrichshof am Höhenweg 58, CH 9000 St. Gallen, strahlt Jugendstil, ein chinesischer Diener glättet weisses Tuch über dunkles Holz und trägt dann Tassen auf, Teller, Besteck, Marmelade, Butterhörnchen für 268 Schülerinnen und Schüler, Croissants am Dienstag, Brötchen am Mittwoch, Wurst am Donnerstag, es ist halb sieben, Regen schlägt die letzten Blätter von Linden, von Eichen, November 2006. An der Fassade klebt falscher Wein, Efeu bis unter die Fenster, und in den Vorplatz ist ein Schild gepasst, glänzendes Messing, The Walk of Fame: Prof. Mario J. Molina, Student at the Institut auf dem Rosenberg 1956/57, Joint Winner of the Nobel Prize for Chemistry 1995.
"Mit VJ Koch im Internat" vollständig lesen
Freitag, 9. Februar 2007
Die Titel im Regionalteil der «Berner Rundschau» liefern oft überraschende Erkenntnisse.
In der Ausgabe von heute zum Beispiel legt die Polizei von Niederbipp offen, dass sie «Den Einbrechern das Leben möglichst schwer machen» wolle. Die Huttwiler Malerin Annelies Michel offenbart, «Die Farben faszinieren mich», der Gemeinderat von Walliswil-Bipp vertritt ernsthaft die Ansicht, «Unsere Schule braucht eine Zukunft».
«Industrie profitiert von guter Konjunktur»: Mit dieser Neuigkeit verblüffte die «Rundschau» ihre Leserschaft gestern. Und an einer Feier des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Kirchberg wurden «Ausserordentliche Leistungen honoriert».
Ausserordentliche Leistungen? Leider können wir die Titelerfinder der «Berner Rundschau» dafür nicht honorieren.
Mittwoch, 7. Februar 2007
Die «Berner Zeitung» ist immer wieder für eine Schlagzeile gut. Wir haben für Sie die Highlights der letzten Woche herausgepickt.
"Schlagzeilen mit Schlagseite" vollständig lesen
Dienstag, 6. Februar 2007
Das Bundesgericht hat den begleiteten Suizid als Grundrecht anerkannt, neu auch für psychisch Kranke.
Der Entscheid sei ein gefährliches Signal an ältere und kranke Menschen, sagt Ruth Baumann-Hölzle im samstäglichen «Bund». Christof Forster, Autor des Interviews, lässt die Medizinethikerin ausführlich zu Wort kommen und ihre kritische Haltung darlegen.
So weit, so gut. Und trotzdem schlecht. Nicht, weil der «Bund» Ruth Baumann-Hölzle keinen Platz geben soll. Nein, der Artikel hinterlässt einen schalen Geschmack, weil der «Bund» ein Kontra-Interview als objektive Beurteilung des Bundesgerichts-Urteils zu verkaufen versucht.
Wo bleiben die Argumente der Gegenseite? Wo bleibt die Meinung all jener, die denken, dass Sterbewillige ein Recht auf Autonomie und einen gewaltfreien Tod haben?
Mit der Auswahl der interviewten Person bezieht der «Bund» Stellung, ohne dies klar zu deklarieren. Wo bleibt der Kommentar, der als solcher gekennzeichnet ist?
Sonntag, 4. Februar 2007
«Es ist eine Zumutung, nach bald 40 Jahren die «Fuditätsch-Affäre» noch einmal aufzuwärmen, zumal strafrechtlich gar nichts dran war ‚Ķ» Das ist nicht die Antwort von Hans W. Kopp auf eine Frage von «Weltwoche»-Interviewer Alex Baur, sondern eine «Frage», die eben dieser Interviewer Kopp stellte.
Die von der «Weltwoche» lancierte Reinwaschung von Kopp & Kopp geht in die zweite Phase. In der letzten Ausgabe durfte Elisabeth Kopp im Gespräch mit Baur ihre Sicht der darlegen (siehe Eintrag vom 30. Januar). Und nun wird auch ihrem Gatten das Wiedereingliederungsprogramm Baur'scher Prägung zuteil ( «12 Fragen» an Hans W. Kopp, Artikel online nicht erhältlich).
Unwidersprochen darf die ehedem «eidg. dipl. Unperson» (Baur über Kopp) mit dem «riesigen Bekanntenkreis - zivil, militärisch, kulturell» behaupten, er und seine Frau hätten «nicht die geringste Chance» gehabt, «unsere Sicht einzubringen, weil uns niemand zuhören mochte»; die Frage, wieso nach all dem Gedruckse und Geflunkere und Gelüge von Elisabeth Kopp weder ihr noch ihrem Angetrauten jemand zuhören wollte, hat sich Hans W. Kopp offenbar nie gestellt.
Jetzt hört jemand zu. Mehr noch: Ein «Starreporter» notiert fern von jedem kritischen Ansatz, was Kopps ihm erzählen. Er stützt ihre Verschwörungstheorien nach Kräften. Und liefert bei Bedarf zustimmende Stichworte, die das Weiterreden erleichtern.
Der Journalist als Psychologe: Einem Paar, das sich mit läppischen 202‚Äô396 Franken Bundesratsrente pro Jahr und spärlichen Einkünften aus Anwaltsmandaten durchschlagen muss, ist die «Weltwoche»-Therapie zu gönnen. Wir fürchten allerdings, dass die Behandlung der wenig Einsicht zeigenden Patienten Kopp noch nicht abgeschlossen ist. Was folgt nächste Woche? «Jetzt rede ich»?
Donnerstag, 1. Februar 2007
Alter schützt vor Selbstverliebtheit nicht ‚Äì das gilt auch für die «NZZ». Im Artikel « Wenn die Arbeit nie fertig wird - Auswirkungen von Aufmerksamkeitsstörungen am Arbeitsplatz» lesen wir:
Weckt eine Arbeit anderseits ihr Interesse, können sich Personen mit ADS sogar ausnehmend gut, ja beinahe exzessiv fokussieren. So berichtet Eich-Höchli von einem Patienten, der den Wirtschaftsteil der NZZ am Wochenende jeweils so intensiv studierte, dass er darüber das Essen und das Schlafen vergass. Plump, aber irgendwie süss.
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