Mittwoch, 29. August 2007
Wie «persönlich» meldet, will der Verband Schweizer Presse (VSP) eine «Konkurrenz» zu Google News aufbauen. Eine Konkurrenz? Zuerst hat der Blattkritiker herzlich gelacht. Dann hat er gelesen: «Wir sind der Meinung, dass Google mit seinem Newsdienst das Urheberrecht verletzt und unlauteren Wettbewerb betreibt», erklärt VSP-Präsidiumsmitglied Norbert Neininger auf Anfrage von «persoenlich.com». Der Verband befürchtet, dass vielen Lesern die Textanrisse auf news.google.ch genügen, und sie darauf verzichten, den Artikel in voller Länge auf den Newsportalen der Medienhäuser zu lesen. Unlauterer Wettbewerb? Im Gegensatz zu den Zeitungs-Websites erscheinen auf Google News keine Adwords oder Banner. Urheberrechtsverletzungen? Google News indexiert nur die ersten 200 Zeichen. Die Textanrisse könnten den Lesern genügen? Die selbe Gefahr besteht auf jeder Zeitungs-Website. Die angeführten Gründe können nicht überzeugen. Zudem existiert Google News seit einigen Jahren, und der Dienst ist kaum für das Abo-Sterben der Schweizer Zeitungen verantwortlich. Worum also geht es dem VSP wirklich? Es geht ihm ziemlich sicher ums Geld: Branchenkenner gehen davon aus, dass die Zeitungsverleger für die Verwendung ihrer Inhalte von Google finanziell entschädigt werden wollen.(...) Konfrontation würde für die Verleger bedeuten, Klage gegen den Suchmaschinenbetreiber einzureichen. (...) In Belgien hatte der Verband Copiepress geklagt, nachdem Google seinen Newsdienst in einer belgischen Version lanciert hatte. Vergangenen Februar dann verbot ein Gericht Google, auf Zeitungsartikel zu verweisen. Der Rechtsstreit in Belgien wurde im Juni beigelegt, nachdem Google auf einige Forderungen der Verleger eingegangen war. Der VSP hat nicht begriffen, wie das Internet funktioniert. Google News mag den einen oder anderen Leser verleiten, einen Artikel nicht zu lesen, weil ihn schon der Teaser langweilt. Google News bringt aber auch Links, User, die auf diese Links klicken und damit Traffic. Natürlich gilt dies nicht für alle Zeitungen. Redaktionen, die den SDA-Ticker kommentarlos kopieren, finden sich unter «und 23 ähnliche Artikel». Redaktionen, die in ihre Texte investieren, die zusätzlichen Content anbieten und sich damit erkennbar vom Rudel unterscheiden, werden von Google höher gewichtet. Sie erhalten mehr Klicks und damit mehr Traffic auf ihrer Website - was sie wiederum für die Werbekunden interessanter macht.
Trotzdem will der VSP laut «persönlich» sein Konkurrenzprojekt forcieren. Auch für den Fall, dass Google den mit Links beschenkten Zeitungen eine Entschädigung anbietet. Handelt es sich bei diesem VSP-Projekt wenigstens um eine zeitgemässe Web-Anwendung? Nein. Dem Vernehmen nach ist es eine «gemeinsame Übersichtsseite, welche die Schlagzeilen der beteiligten Zeitungstitel umfasst».
Wow. Wie wäre es mit wirklicher Innovation?
Montag, 27. August 2007
Die Macher von «.ch» haben uns eine Qualitäts-Gratiszeitung versprochen. Anscheinend ist ihnen damit ernst: Wie «persönlich» meldet, will die neue Zeitung eine öffentliche Blattkritik betreiben: Um der Leserschaft zu illustrieren, dass sich auch die Qualitätskontrolle nicht in Lippenbekenntnissen erschöpft, liess sich die Redaktion ein durchaus originelles Experiment einfallen: Sie lässt ihre Zeitung von Blattkritikern wöchentlich gegenlesen - die Einschätzung erscheint in der Folge als Kolumne in der Zeitung. Laut «persönlich» wurden Karl Lüönd und Roger Blum engagiert, die Redaktion suche aber noch zusätzliche Blattkritiker. Liebes «.ch»-Team, wir bewerben uns gerne für diesen Job. Ihr erreicht uns über das Kontaktformular oder die Adresse info at blattkritik.ch.
Sonntag, 26. August 2007
Krempelt die neue Gratiszeitung «.ch» die Schweizer Medienlandschaft um? Ja, komplett, wie Heinz Däpp in seinem aktuellen Schnappschuss schildert. Viel Vergnügen.
Sonntag, 26. August 2007
Wenn man die «NZZ am Sonntag» im Allgemeinen und den «Stil»-Bund im Besonderen liest, kann man nicht umhin, eine auffallende Frequenz des Wörtchen «man» zu bemerken. Man kann sich daran stossen, weil man im Journalismus früher Ross und Reiter zu nennen pflegte und «man» ein Indiz für handwerkliche Faulheit oder mangelnden Durchblick sein kann. Man kann sich daran freuen, weil man «man» für ein besonders gelungenes Emblem des stilbewussten Kollektivs hält, dem man natürlich selbst angehört. Natürlich kann man auch darüber hinwegsehen. Unabhängig von der Einstellung, die man zur Verwendung von «man» pflegt, bemerkt man in der heutigen Ausgabe aber eine Aussage, die man als höchst verwirrend bezeichnen muss. In einem Artikelchen über ein griechisches Hotel liest man nämlich die folgenden Sätze:
(...) freier Blick aufs Meer und den Weg, der an den 2,5 Kilometer langen Hausstrand führt. Hier legen die Schnellboote ab. Wenn man sie nicht besitzt, kann man sie mieten. Unterhalb der Terrasse liegt auch der Ort, wo man sich abends amüsiert: die Bar.
Wer beim Namen der Besitzer des Resorts, Riefenstahl, kurz zusammenzuckt, liegt richtig. Ja, auf verschlungenen Pfaden ist man mit jener Leni Riefenstahl verwandt. Mehr erfährt man nicht. Der Hang zum ästhetischen Arrangement ist jedenfalls auch im «Danai» augenfällig. Man (Gast) mietet Schnellboote, wenn man (Gast) sie nicht schon besitzt, man (Hotelier) ist mit der Riefenstahl verwandt, aber man (Gast) erfährt von man (Hotelier) nicht mehr darüber. Man (Gast? Hotelier? Beide?) ist nicht mehr bloss ein beliebiges Raunen, man (wer denn jetzt?) ist zugleich Gast und Hotelier, mit der Riefenstahl verwandt und nicht verwandt, man ist eine multiple Persönlichkeit.
Bei der «NZZ am Sonntag» scheint man sich vor lauter Verliebtheit in die eigenen Stilblüten ein wenig verrannt zu haben. Oder täuscht man sich da?
Donnerstag, 16. August 2007
«Drahtloses Internet strahlt stärker als Handys», titelte der «Tages-Anzeiger» am Montag. «Die deutsche Regierung rät ihren Bürgern, sicherheitshalber auf einen drahtlosen Internetzugang zu verzichten», steht im Lead. Und weiter: «Die Schweizer Behörden sehen keinen Grund für eine derartige Empfehlung.» Das ist, was von diesem Artikel in Erinnerung bleibt.
Der Blattkritiker hat mit Interesse weitergelesen. Rät die deutsche Regierung wirklich von Wireless Lan ab? Nur bedingt, wie er bereits im ersten Abschnitt erfährt:
Dass die Funksignale zwischen Computer und Antenne gefährlich sind, wird nach heutigem Wissensstand verneint - von der Weltgesundheitsorganisation, vom Bundesamt für Gesundheit und von der deutschen Regierung. In einer Stellungnahme rate die deutsche Regierung aber dazu, «die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten, das heisst herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen».
Die Schweizer Behörden sehen offenbar keinen Grund für eine solche Empfehlung. Im Kasten neben dem Text sowie im Internet steht: Das WLAN nur einschalten, wenn es gebraucht wird.
Den Laptop während der WLAN-Verbindung nicht am Körper halten.
Den Access Point möglichst einen Meter entfernt von lang besetzten Arbeits-, Aufenthalts- oder Ruheplätzen installieren. Das ist alles. Liebe «Tages-Anzeiger»-Macher, wenn man im Artikel relativiert, was man im Lead schreibt, könnte man auch gleich auf den irreführenden Titel verzichten. Ein Handy oder ein Drahtlostelefon strahlt nämlich – zumindest während des Telefonats – viel stärker als das WLAN-Gerät.
Mittwoch, 15. August 2007
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Zusammen mit der «Basler Zeitung» und der «BZ» bringt der «Tages-Anzeiger» im Herbst eine vierte Pendlerzeitung heraus. Vom Abend ist nicht die Rede, also wird das noch namenlose Blatt wohl am Morgen erscheinen. Wie «Tages-Anzeiger online» berichtet, soll die neue Zeitung «in den nächsten Monaten» lanciert werden. Redaktionssitz ist Zürich, die Anzeigen sollen dagegen in Bern, Basel und Zürich an Land gezogen werden. Am interessantesten findet der Blattkritiker das Qualitätsversprechen: Die neue Zeitung soll sie sich auf relevante News konzentrieren und im Gegensatz zu den bisher hier zu Lande erscheinenden Gratisblättern längere Texte und weniger Bilder aufweisen. Zudem wird sie sich durch ein klassisches, dezentes Design auszeichnen. Erscheinen wird das neue Produkt ebenfalls im Tabloid-Format. So will das Blatt eine junge, gut gebildete und kaufkräftige Leserschaft ansprechen, die sich für die Aktualität aus ihrer Region interessiert. Zwar hat auch der «.ch»-Initiant Wigdorovits von einer «Schnellesezeitung, die Qualität bietet» gesprochen. Was er damit meint, werden wir ab September sehen. Bei Gratiszeitungen sind unsere Qualitätsansprüche inzwischen recht tief: Wir freuen uns schon, wenn die Zeitung weniger als zwei Fehler pro Seite und keinen Bericht über Paris Hilton enthält. Gibt es neben getarnter Werbung, Handy-Verlosungen, aufgekochten Agenturmeldungen und Tierbildchen auch noch redaktionelle Inhalte, sind wir schon fast zufrieden.
Freitag, 10. August 2007
Die Website des «Tages-Anzeigers» wurde überarbeitet. Aber erscheint sie tatsächlich «in neuem Kleid», wie es in einer Mitteilung heisst? Nein, findet der Blattkritiker. Viele der altmodischen Rüschchen sind ab, ein paar modische Bänder sind dazugekommen. Doch das Kleid wurde bloss umgeändert, und das Korsett der alten Site-Struktur drückt immer noch schwer auf die Lunge. Eine subjektive Übersicht:
"Die Rüschchen sind weg, das Korsett bleibt" vollständig lesen
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News, die unsere Medien intere ssieren dürften. Wer wei [...]
Das artet ja langsam aus.
Peter Zieglers Replik zum BUND ! Meine (einmalige/ei [...]
Ich finde, @Leumund hat es drü ben bei Twitter hervorra [...]
Eine Gegendarstellung ohne Red aktionsschwanz? … dass i [...]