Das Pendlerblog, als
Rookie of the year bei den Swiss Blog Awards und
Mitgründer von swissblogpress nicht eben eine Nischenpublikation, stellt den Betrieb ein. Nach knapp zwei Jahren "20-Minuten" haben Hund Basil und der unmündige Leser ihr Projekt
abrupt beendet. Wir bedauern diesen Entscheid. Doch als berufstätige und teilzeitbloggende Nachbarn im Geiste können wir ihn gut verstehen. Medienjournalismus ist nicht nur spannend, sondern auch anstrengend, vor allem bei der Konzentration auf einen einzigen Titel. Denn nach der x-ten Wiederholung wird die Kritik nicht nur für die Blogleser, sondern auch für die Autoren zur Routine. In dieser Situation haben die Pendlerblogger mehrfach Neues versucht (eine
heute-Woche, eine
Feel-Good-Woche, eine
Inseratekampagne). Und schliesslich haben sie sich fürs Aufhören entschieden. Was uns bleibt, ist eine Würdigung ihrer Arbeit.
Das Pendlerblog hat Pionierarbeit geleistet. Dank ihm weiss eine grosse Zahl der Schweizer Internetnutzer seit 2005, dass ein Watchblog keine dunkle Sonnenbrille, sondern ein Begleitmedium ist. Nach der anfänglichen Begeisterung traten bald auch meckernde Kommentatoren auf den Plan. Für ihre Kritik an
Publireportagen,
Bildunterschriften,
Statistiken und dergleichen steckten der Hund und der Leser oft Haue ein. Zu Unrecht, finden wir. Denn die Pendlerblogger haben erreicht, dass auch die Konsumenten der Gratispresse ein klein wenig kritischer geworden sind: Nicht alles, was in der Zeitung steht, muss wichtig sein, nicht alles, was die Zeitung schreibt, muss die ganze Wahrheit sein. Und die immer noch gerne zitierte Unabhängigkeit der Presse leidet ganz schön unter dem Druck der Anzeigenkunden. Ein Gemeinplatz? Vielleicht. Doch was für Publizisten und Journalisten zu den Binsenweisheiten gehört, hat dank dem Pendlerblog auch eine breitere √ñffentlichkeit gefunden.
Eignete sich das Rezensionsobjekt überhaupt für die Kritik? Wir meinen: Ja. Ungeachtet des ewigen Kokettierens mit dem "Blick" war der Entscheid für "20 Minuten" richtig. Denn die
grösste Zeitung der Schweiz hat die heterogenste Leserschaft, die man sich denken kann. Das institutionalisierte Phänomen "20 Minuten" funktioniert quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Interessensschichten. Und so verdient es auch mehr Aufmerksamkeit, mehr kritische Begleitung und mehr externes Qualitätsmanagement als jeder andere Schweizer Titel.
Update (16.12.06, 12.15): Rainer Stadler überschreibt seinen gestrigen
«NZZ»-Artikel zum Ende des Pendlerblogs zufälligerweise ebenfalls mit «Ausgependelt» und meint: «Im Internet gibt es zweifellos originelle Akteure, aber als Einzeltäter fehlt ihnen der lange Atem.» Deshalb bloggen wir hier als Kollektivtäter.