Der reisserische Titel sei uns verziehen. Denn wenn das Sommerloch wieder einmal gähnende Langeweile und grossformatige Badmeisterbilder verbreitet, gibt es nicht viel zu blattkritisieren. Oder doch? In den heutigen Regionalsplits des «Tages-Anzeigers» finden wir die folgenden Kleinodien:
Weiter flussaufwärts pumpt ein Mann sein gelbes Gummiboot auf. Bald wird er sich von der Sihl parallel zur Sihltalstrasse Richtung Zürich treiben lassen. Spätestens beim Kleinkraftwerk in der Sihlhüslikurve muss er aussteigen. Für die Fischtreppe ist das Boot zu breit.
(Linkes Seeufer)
Denken Sie daran, wenn Sie sich das nächste Mal parallel zur Sihltalstrasse treiben lassen: Das unter ihrem Gummiboot ist die Sihl, nicht die Limmat. Und falls sie schon vor der Sihlhüslikurve aussteigen wollen, sind Sie möglicherweise alt genug für die folgende Enthüllung:
Eigentlich muss man in Zürich mindestens 18 Jahre alt sein, um in einen Klub eingelassen zu werden. Allerdings gibt es ein Lokal, das samstags Besuchern ab bereits 16 Jahren offen steht: das X-tra. Es liegt beim Limmatplatz, ist sehr beliebt und riesengross. An Wochenenden tummeln sich dort oft um die 2000 jugendliche Klubbesucher, die von überall her kommen. Das X-tra ist kein edles Lokal, deshalb muss man sich auch nicht schick anziehen. (...) Auch Mihara und Rubina, beide 16, aus Volketswil sind auf dem Weg ins X-tra. (...) Alkohol müsse nicht unbedingt sein und Drogen seien total scheisse, finden sie. Trotzdem lassen auch sie rund 50 Franken im Klub liegen, das Geld haben ihnen die Eltern gegeben oder stammt vom Lohn fürs Babysitten. (...) In einen Klub zu gehen, mache einfach Spass.
(City)
Vorbildliche Jugend: Alkohol nicht unbedingt nötig und Drogen total scheisse finden, aber
trotzdem für Eintritt und Himbeersirup 50 Franken im Club liegen lassen. Vielleicht reicht das Geld von Eltern und/oder Babysitten am nächsten Tag nicht mehr für den Badi-Eintritt. Dann gibts aber immer noch «Ein Platz nicht an der Sonne» (Ein Titel nicht mit Sprachgefühl):
Um es kurz zu machen: Mein Lieblingsort, soweit ich den nach erst zwei Wochen in Zürich festlegen darf, ist an der Limmat, genauer gesagt auf der rechten Seite des LimmatClubs. Die Ruhe dort hat mich festgehalten. Zwar muss man sich kurz sportlich über ein abgeschlossenes Gatter schwingen, um an diese Oase der absoluten Glückseligkeit zu gelangen, aber es braucht auch nicht viel mehr als die Limmat zum Baden der Füsse und vielleicht ein gutes Buch. Wer zusätzlich etwas essen möchte, dem kann ich nur das Lokal, was an den Club angrenzt, empfehlen.
(City)
Wer sich nicht von der Ruhe dort festhalten lassen will, sollte evtl. auf die Oase der absoluten Glückseligkeit verzichten und statt dem City-Split irgendein Buch, was er in der Bibliothek findet, zur Hand nehmen. Oder für die Sommerferien 2008 einen Zustellunterbruch beantragen.