Ziegler schreibt:
Das Elend begann in den 70er-Jahren, als der Verleger die Chance verlauerte, das «Berner Tagblatt» zu kaufen, in den «Bund» zu integrieren und so den «Bund» zu Berns auflagestärkster Zeitung und strategischen Nummer eins zu machen.
Die Fakten: Die Verlegerfamilie Stuber war zu diesem Zeitpunkt massiv verschuldet und wäre nicht in der Lage gewesen, das BT zu kaufen.
Ziegler schreibt:
Mitbeteiligt am Elend war auch die Publicitas, die den Verleger ihres Pachtblatts notorisch schlecht beriet und ihn trotz seiner enormen finanziellen Abhängigkeit von der «P» nicht dazu zu bringen vermochte, ein professionelles Verlagsmanagement einzuführen.
Die Fakten: Das Rechnungswesen des «Bund» hat im engen Kontakt mit der Publicitas ganz andere Erfahrungen gemacht – positive! Die «Beratung» war notabene eine Angelegenheit der Geschäftsleitung und/oder des Verwaltungssrats des «Bund». Peter Ziegler war Mitglied der Geschäftsleitung. Er hätte auf die Geschehnisse Einfluss nehmen und die Bestrebungen des Rechnungswesens unterstützen können. Das hat er aber nicht getan.
Ziegler schreibt:
Als ich 1989 zum «Bund» stiess, standen Redaktoren Schlange, um die wenigen Computer benützen zu können; die Büros der Lokalredaktion waren auf fünf und die der Inlandredaktion auf vier Etagen verteilt; die Abschlussredaktion besorgten Volontäre; das Computersystem stürzte häufig ab; im Budget figurierten Posten von erheblicher Exotik usw. usf.
Die Fakten: Im Budget von Zieglers Vorgängern, Prof. Dr. Hans Stark und Dr. Andreas Kurz, befanden sich keine Posten «erheblicher Exotik». Das ist schlicht unwahr. Das Rechnungswesen und die genannten Herren konnten lediglich Kostenarten budgetieren, die seit Jahren bekannt waren. Beim «Bund» kam der massgebende Kontenplan der grafischen Industrie zum Einsatz.
Ziegler schreibt:
Der Erfolg blieb nicht aus: Dank dem Willen, der Leidenschaft, der Motivation der Redaktion, täglich ihr journalistisch Bestes zu geben, erzielten wir 1992 den unter allen Schweizer Zeitungen mit Abstand höchsten Zuwachs im Lesermarkt, nämlich 18,8%. Und das ohne jegliches Lesermarketing!
Die Fakten: Am 12. März 1988 meldete der «Bund» eine WEMF-Auflage von 62‘926 Exemplaren. In den nächsten vier Jahren stieg die Auflage um 2074 Exemplare. Das sind durchschnittlich 519 Zeitungen oder 0,82 Prozent pro Jahr – und bei weitem keine 18,8 Prozent.
Ziegler schreibt:
Und das ohne jegliches Lesermarketing!
Die Fakten: Die Kostenstelle «Marketing Zeitung» weist per 30. September 1990 einen Betrag von 1'070'000 Franken aus.
Ziegler schreibt:
Unter grösster Geheimhaltung arbeiteten wir (Chefredaktoren und Verleger von «Bund», «Bieler Tagblatt», «Thuner Tagblatt» und «Solothurner Zeitung») am Projekt einer gemeinsamen Zeitung mit dem «Bund» als Lieferanten der überregionalen Mantelseiten. Wir kamen mit den Projektarbeiten sehr zügig voran – bis zu jenem Punkt, als die beim Treuhänder hinterlegten Geschäftszahlen auf dem Tisch lagen und den Partnern klar wurde: Der «Bund» steht finanziell am Abgrund.
Die Fakten: Peter Ziegler wurde Monat für Monat an Geschäftsleitungssitzungen (und darüber hinaus) vom Rechnungswesen über die sich leerende Kasse informiert. Zieglers angebliche Unwissenheit über die finanzielle Lage des «Bund», ausgerechnet in einem Zeitraum, in dem es um das Überleben der Zeitung ging, ist lächerlich. Und dass sich Verleger und Chefredaktoren in geheimer Mission trafen, ohne Finanzfachleute beizuziehen, sagt mehr als tausend Worte.
Ziegler schreibt:
Irgendwie unfair: auf der einen Seite [Bund] eine wunderbare Redaktion, eine feine Zeitung, aber null Verlagsmanagement – auf der anderen Seite eine nicht so wunderbare Redaktion [BZ], eine nicht so feine Zeitung, aber ein hoch professionelles Verlagsmanagement. So war das, und so geriet der «Bund» trotz beeindruckenden journalistischen Leistungen immer mehr ins Hintertreffen.
Die Fakten: Vor Zieglers Eintritt in den «Bund» hatten seine Vorgänger ansehnliche Gewinne erwirtschaftet – unter den gleichen Voraussetzungen, wie sie Peter Ziegler anno 1989 antraf. Peter Ziegler wäre es jederzeit möglich gewesen, Veränderungen anzustreben oder wenigstens gleiche Gewinne zu erzielen, wie seine Vorgänger.
Zur Veranschaulichung die Entwicklung des Cashflows:
1985 / Cashflow von Fr. 1'881'000.– / Chefredaktor: Hans Stark
1986 / Cashflow von Fr. 4'558'000.– / Chefredaktor: Hans Stark
1987 / Cashflow von Fr. 5'844'000.– / Chefredaktor: Hans Stark
1988 / Cashflow von Fr. 3'112'000.– / Chefredaktor: Andreas C. Kurz
1989 / Cashflow von Fr. 2'114'000.– / Chefredaktor: Peter Ziegler
1990 / Cashflow von Fr. 686'000.– / Chefredaktor: Peter Ziegler
1991 / Verlust / Chefredaktor: Peter Ziegler
Die Kostenentwicklung war verheerend. Allein die Saläre der Redaktion stiegen in der Zeit von 1987 bis 1991 um 73 Prozent. Die Inserate-Einnahmen wuchsen dagegen im gleichen Zeitraum um lediglich 12 Prozent. Eine Entwicklung, die nicht gut gehen konnte.
Ziegler schreibt:
Trotz alledem leistete die Redaktion, bei notabene gleichbleibend niedrigem Budget (etwas über 10 Millionen), Tag für Tag publizistisch Hervorragendes, schrieb die lokale Konkurrenz an die Wand.
Die Fakten: Im Jahre 1987 wurden rund 4,6 Millionen an Salären für die Redaktion verbucht. 1991 waren es rund 8,0 Millionen, was einem Zuwachs von 3,4 Millionen beziehungsweise 73 Prozent entspricht. Von einem «gleichbleibend niedrigem Budget» kann also keine Rede sein.
Fazit: Peter Zieglers selbstgefälliger Text ist durchsetzt mit Zahlen und «Fakten», die schlicht falsch sind. Der ehemalige «Bund»-Chefredaktor und ehemalige publizistische Leiter der Espace Media Groupe präsentiert uns im wahrsten Sinn des Wortes eine Märchenstunde.
Aussagen wie «Budgetposten von erheblicher Exotik» erstaunen umso mehr, als jeder, der beim «Bund» mit Peter Ziegler zusammengearbeitet hat, weiss, dass dieser sich weder an Geschäftsleitungssitzungen noch im persönlichen Gespräch für Budgetfragen interessierte. Zahlen und Kostenfragen waren ihm ein Gräuel. Bleibt die Frage, weshalb sich beim «Bund» und bei der «Weltwoche» (wo der Text am 2. Dezember 2008 gekürzt erschienen ist) niemand die Mühe gemacht hat, Zieglers Aussagen wenigstens stichprobeweise zu überprüfen.
Update 24.1.09:
Gegendarstellung von Peter Zieger.