In der aktuellen «Weltwoche»-Kolumne von Kurt Wehpunkt Zimmermann kriegen die selbstverliebten Journalisten ihr Fett ab (online nicht frei zugänglich). Eine Detailbesprechung folgt morgen Freitag. Einstweilen würdigt der Blattkritiker den unnachahmlichen Zimmermannschen Stil, der in folgendem Satz kumuliert:
Viele Medienhypes und Medienflops der Vergangenheit sind [durch die Verbandelung der Medienleute untereinander] zu erklären, etwa die unsäglichen kollektiven Treibjagden und Lemmingwanderungen der jüngsten Zeit. Die innengerichtete Nabelschau verklebt häufig den Blick über das publizistische Spiegelkabinett hinaus.
Wow! Wenn das keine virtuose
Katachrese ist!
Beginnen wir mit der Nabelschau. Sie ist per Definition ichbezogen und
kann deshalb gar nicht «aussengerichtet» sein. Es sei denn, es stünde ein Nabelpiercing zur Debatte.
Dann der verklebte Blick, ein klarer Bildbruch. Richtig wäre ein
getrübter Blick. Egal. Nur wenige Nabelpiercings sind wirklich ansprechend.
Und als Schlussbouquet noch der Blick
über das Spiegelkabinett hinaus. Waren Sie, geneigte Leserinnen und Leser, schon einmal in einem Spiegelkabinett? Ja? Dann wissen Sie, was an diesem Bild nicht stimmt. Ein Spiegelkabinett ist ein geschlossener Raum. Um darüber hinausschauen zu können, müsste man erst den Spiegel an der Decke durchbrechen. Das aber tönt nach wirklicher Arbeit. Und erklärt vielleicht, weshalb die Piercingrezensenten den Aufwand scheuen.
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