Montag, 23. Juli 2007
Die Tamedia expandiert ins Ausland: Zusammen mit der Groupe Editpress lanciert sie Ende Jahr die erste Luxemburger Gratiszeitung. Spärliche Details gibts in der Medienmitteilung der Tamedia. Das neue Blatt heisst «L'essentiel» und wendet sich - wer hätte das gedacht - an «eine junge, urbane und kaufkräftige Leserschaft». Die beiden Verlagshäuser sind mit je 50% beteiligt.
Die Tamedia will laut Medienmitteilung ihre «Erfahrungen aus dem erfolgreichen Ausbau von 20 Minuten und 20 minutes» ins Projekt einbringen. Weshalb so zaghaft? Die Macher von «20 Minuten» bzw. «20 minutes» dürften sogar etwas Neues versuchen. Dies wäre auch im Sinn ihres Chefs. Der Blattkritiker zitiert sich ausnahmsweise selbst: «In der Schweiz kann sich Martin Kall in Sachen Publizistik nicht mehr gross profilieren. Im Ausland könnte er beweisen, dass er Zeitungen nicht nur kaufen, sondern auch machen kann.»
Allez-y!
Freitag, 22. Juni 2007
Die neue Gratiszeitung «.ch» wirft ihren Schatten voraus: Tamedia fährt die Auflage von «20 Minuten» um satte 25 Prozent hoch. Bis im Herbst soll die Deutschweizer Auflage 550'000 Exemplare stark sein, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Damit die vielen zusätzlichen Zeitungen an die Frau gebracht werden können, werden Doppelboxen nötig (und wohl auch ein paar Dutzend neue Mitarbeiter bei «Rail Clean», der Reinigungsfirma der SBB). Nett ist die offizielle Begründung für das Auflagenwachstum: Hauptgrund für die vom Verwaltungsrat beschlossene Steigerung der Auflage von 431’000 auf neu über eine halbe Million Exemplare sei der anhaltende Erfolg, teilte die Tamedia heute mit. Wers glaubt, bezahlt ein Qualitätszeitungs-Abonnement.
Update (23. Juni, 11:50): Auch der Presseverein hat sich über die Medienmitteilung amüsiert und schreibt vom «Säbelrasseln in der Billig-Ecke».
Mittwoch, 20. Juni 2007
Der Patient lag seit Jahren auf der Intensivstation, jetzt stellt die Tamedia die Maschinen ab: «Facts» erscheint am 28. Juni zum letzten Mal. Den ausführlichen Nekrolog liefern wir nach. Fürs Erste verweisen wir auf das phrasendreschende Communiqué der Tamedia und den langen Artikel auf der «Tages-Anzeiger»-Website. Kommentare sind willkommen - gerade auch von «Facts»-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Freitag, 1. Juni 2007
Im aktuellen «Magazin» finden wir einen etwas verworrenen Artikel namens «Senioren an die Arbeit». Der Text erschien ursprünglich bei «Foreign Affairs» ( Gekürzte Online-Version). Mit zahlreichen Vergleichen zwischen Westeuropa und Amerika wird uns darin nahegelegt, dass sich unser Wohlstand nicht halten lassen wird - es sei denn, die älteren Arbeitnehmer verzichteten auf die Frühpensionierung und arbeiteten mindestens bis zum regulären AHV-Alter. Oder noch etwas länger.
Mit vielen Zahlen und komplizierten Sätzen wird uns ein neoliberales Liedchen vorgesungen, das wir normalerweise auf der «Weltwoche»-Bühne hören. Ein Beispiel: «Im Rahmen einer umfassenden Rationalisierung des westeuropäischen Arbeitsmarkts wäre es auch vernünftig, zu einem Rentensystem zu kommen, das eine höhere Eigenbeteiligung bei der Altersversorgung vorsieht.» Auf Deutsch: Die Arbeitnehmer sollen gefälligst mehr in ihre Pensionskasse einzahlen. Aber diese ungewohnten Töne sollen uns nicht stören - schliesslich darf uns nicht nur die «Weltwoche» sagen, wie die Welt auszusehen hätte. Was uns aber sehr wohl stört, ist der Schluss dieses Artikels: Die medizinische Versorgung verschlingt schon jetzt einen Grossteil der gesellschaftlichen Kosten in Westeuropa. (...) Die verbreitete Sorge, die medizinische Versorgung sei bald nicht mehr finanzierbar, ist jedoch unangebracht. In Wirtschaften, die in erster Linie auf menschlichen Ressourcen und Humankapital basieren, müssen die Aufwendungen im Gesundheitswesen als Investition und unter dem Aspekt des ökonomischen Werts der Gesundheit betrachtet werden. Der Gesundheitssektor und die medizinische Forschung sollten als Stützen einer Wirtschaft gesehen werden, die zunehmend auf eine gesunde Erwerbsbevölkerung angewiesen ist. Westeuropa muss auch weiter in diesen Bereich investieren, wenn es seinen Vorteil nicht einbüssen will. Wir werden also trotz der ungünstigen Demografie überleben - aber nur, falls wir weiterhin fröhlich Geld ins Gesundheitswesen stecken. Dies sollen wir aber mit einem Lächeln tun, denn schliesslich sind die Ausgaben als Investitionen zu betrachten. Mehr noch: Wenn wir nicht investieren, werden wir unsere wirtschaftlichen Vorteile einbüssen. Bitte? Wer sind nochmals die Autoren? Nicholas Eberstadt ist Professor für Politische √ñkonomie am American Enterprise Institute in Washington und Senior Adviser des National Bureau of Asian Research Tönt beeindruckend und unverdächtig. Und der Co-Autor? Hans Groth ist Mitglied der Geschäftsleitung von Pfizer-Switzerland AG und Pfizer Global Health Fellow. Jäso! Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Der Autor wird genannt, und Pfizer wird von allen Leserinnen und Lesern auf Anhieb als einer der grössten Pharmakonzerne erkannt. Oder? Wie dem auch sei, Pfizer Schweiz hätte sicher gute Argumente für Groths Lobbying bereit. Zum Beispiel dieses: Werbekampagnen im redaktionellen Teil müssen als Investition betrachtet werden. Und die Konzerne müssen weiter in diesen Bereich investieren, wenn sie ihren Vorteil nicht einbüssen wollen.
Donnerstag, 24. Mai 2007
Was für eine Elefantenhochzeit: Die Tamedia übernimmt 80 Prozent der Espace Media Group. Im Gegenzug beteiligen sich die Espace-Hauptaktionäre an der Tamedia. Weil Medienanbieter gemäss RTVG höchstens zwei Privatradios betreiben dürfen, müssen die beiden Partner je eine Station abstossen. Tamedia will Radio Basilisk verkaufen, Espace den Bieler Sender Radio Canal 3. Mehr Details in der Espace-Medienmitteilung.
Was steckt dahinter? Wie bei Grossfusionen üblich, wird von der «Nutzung von Synergien» gesprochen. Und auch die «gemeinsame Lancierung neuer Medienprojekte» sei ein Ziel. Das wird die Aktionäre freuen. Aber etwas wüssten wir als Leser trotzdem gern: Ist eines der Fusionsziele auch, jeden Tag eine gute Zeitung zu machen?
Freitag, 19. Januar 2007
Laut einem Bericht von «persönlich» über einen «Cash daily»-Artikel liebäugelt die «NZZ am Sonntag» mit Regionalsplits. Dies aber nicht wegen einer plötzlichen Liebe zum Lokalen, sondern aus Angst, die lukrativen Rubrikinserate zu verlieren: Die NZZaS reagiert mit diesem Schritt auf die geplante Sonntagsausgabe der Mittelland Zeitung (MZ). Müller zu Cashdaily: «Ich will nicht tatenlos zuschauen, wenn die Regionalzeitungen tatsächlich mit Sonntagsausgaben kommen.» Reagieren statt agieren also, doch das soll hier nicht bekrittelt werden. Dass der Inseratemarkt höher gewertet wird als die publizistische Linie, entspricht der wirtschaftlichen Logik - gerade bei Splits. So verzichtet zum Beispiel der «Tages-Anzeiger» zur fortwährenden Konsternierung seiner Leser auf den Winterthur-Split, um den «Landboten» nicht zu gefährden (vgl. «Klartext»). Nun darf aber spekuliert werden, wie gut regionale Splits zu einer Sonntagszeitung passen. Andreas Durisch («Sonntagszeitung») meint laut «persönlich» dazu: «Gemäss meinen Erfahrungen beim Sonntagsblatt kann ich sagen, dass die regionale Berichterstattung für einen nationalen Titel ein schwieriges Feld ist: Substantiell gute Geschichten für den Regionalteil sind rar, die Samstagsaktualität dröge. Die wirklich spannenden Themen aus einer Region wollen die Blattmacher im Mantelteil.» Der Blattkritiker sieht noch ein anderes Problem: Weil «Facts» und «Weltwoche» inhaltlich seit längerem schwächeln, nutzt ein steigender Teil der Sonntagszeitungsleserinnen und -leser ihr Blatt als Wochenmagazin. Als Gefäss also, das weniger dem Lokalen und Akuten verpflichtet ist als den Hintergrundthemen. Dazu passen die explizit regionalen Geschichten, die oft schon aus der Tagespresse bekannt sind, aber nur mittelprächtig. Ob die Sonntagssmischung aus Politik, Feuilleton, Lifestyle und den neusten Resultaten der Provinz-Volleyballklubs wohl aufgeht? Wir lassen uns überraschen.
Freitag, 19. Januar 2007
Warum sich der Bundesrat «nach wie vor mit Händen und Füssen gegen ein Verbot» von Pitbulls wehre, sei «nicht ergründbar», hat «Blick»-Politik-Chefreporter Georges Wüthrich gestern in einem Kommentar (online nicht erhältlich) geschrieben.
Das stimmt. Nicht ergründbar ist aber auch, warum «Blick online» weiterhin ungerührt derartige Inserate schaltet:
«Pitbull
Riesenauswahl zu Superpreisen»
«Pittbull
Tolle Angebote, tolle Preise» Um genau zu sein: Ergründbar sind die Motive natürlich schon. Aber wo bitte bleibt die Konsequenz? Und wie glaubwürdig sieht neben solchen Inseraten Georges Wüthrichs Kommentar aus?
Montag, 8. Januar 2007
Die Meinungsvielfalt im «Tages-Anzeiger» ist gewährleistet - auch beim Thema Klimaerwärmung: Am 30. Dezember forderte Chefredaktor Peter Hartmeier mit einem leidenschaftlichen Leitartikel Taten. Und titelte kurz bündig: «Wir alle wollen überleben». Sein Appell, den Klimaschutz endlich ernsthaft umzusetzen, war etwas wirtschaftslastig, aber vermutlich ernst gemeint: Klimaschutz bedeutet aber in erster Linie ökonomische Entwicklung: Ein erfolgreiches Emissionsmanagement von Treibhausgasen ist eng mit der Wirtschaftsdynamik armer Länder und einer erfolgreichen Entwicklungspolitik verknüpft ‚Äì entsprechend ist für ein kleines Land Ent¬≠wicklungspolitik von Bedeutung. Der «Tages-Anzeiger» als Advokat der klimatologischen Vernunft? Nicht lange. Schon in der Ausgabe vom 5. Januar, in der auch die ersten Leserbrief zu Hartmeiers Text erscheinen, lesen wir eine Empfehlung für Zweitagetrips nach New York ( «New York provoziert zum Kurzbesuch»). O-Ton: Das wahnsinnige Tempo dieser Stadt provoziert zum Kurzbesuch. Wie lange sollte man sonst auch bleiben? Eine Woche? Das ist wie zwei Tage. Ein Monat? Das reicht nicht, um diesen Moloch halbwegs zu erkunden. Ein Jahr? Davon ist die US-Einwanderungsbehörde nicht begeistert. New York erschöpfend zu entdecken ‚Äì das funktioniert nicht. Zwei Tage sind deshalb ideal, zweimal volles Programm, Auswahl aus tausenderlei Möglichkeiten (...) Das tönt ja verlockend. In der Fusszeile erfahren wir, dass der Flug mit der Swiss nur 750 Franken kostet. Und zudem provoziert ja die Stadt, nicht die eigene Unvernunft. Wer könnte da noch widerstehen?
Am nächsten Tag, am 6. Januar, besinnt sich der «Tages-Anzeiger» wieder auf den Klimaschutz. Er lobt die Aktion der Swiss Re, die ihre Angestellten mit massiven Vergütungen zu CO2-Reduktionen ermuntert - also zum Kauf eines Hybridautos, einer Holzheizung oder eines GAs. Wirtschaftsredaktor Stefan Eiselin meint in seinem Kommentar: Während das Treibhausproblem noch vielerorts heruntergespielt oder gar negiert wird, handelt nun ein Weltunternehmen aus eigenem Antrieb. Dies wirkt um einiges glaub¬≠würdiger als viele der Warnrufe von Politikern und Umweltorganisationen. Schliesslich geben Firmen nicht einfach so Geld aus. Sie investieren nur dort, wo es auch für sie selbst Sinn macht. Die Erderwärmung muss gestoppt werden - Der Kurztrip nach New York ist unbedenklich - Endlich fördert eine Grossfirma ökologisches Verhalten. Der Blattkritiker ist wirklich froh, dass der «Tages-Anzeiger» für die Meinungsvielfalt einsteht. Er fragt sich aber, ob er schon diese Woche wieder einen euphorischen Hofbericht über einen neuen Geländewagen lesen muss. Oder ob der «Tages-Anzeiger» das rasante Pingpong zwischen √ñkologie und √ñkonomie etwas verlangsamt.
Dienstag, 12. Dezember 2006
Schreibstau beim «Tages-Anzeiger»: Das Wirtschaftsressort erfuhr Anfang September, dass die redaktionelle Werbesendung «Amag-News» auf SF2 und einigen Lokal-TV-Stationen eingestellt wird. Die Amag unterrichtete die Presse erst am 6. Dezember über das Ende ihrer Sendung. Doch die «Tagi»-Wirtschaftsredaktion verzichtete auf ihren sicheren Primeur. Mit einer einzigen Begründung, wie mehrere Quellen unabhängig voneinander bestätigen: Man habe mit der Amag immer wieder Probleme gehabt und wolle diesen Werbekunden nicht verstimmen.
Wir erinnern uns: 1979 publizierte das «Magazin» des Tages-Anzeigers einen kritischen Artikel über die «Autolobby Schweiz». Als Folge wurden «Tagi» und «Magazin» von den Autoimporteuren jahrelang mit einem Inserateboykott belegt. Auch die Amag beteiligte sich drei Jahre lang an diesem Boykott. Vergangenen Sommer kam es zu einem neuen Zusammenstoss: Der «Tages-Anzeiger» berichtete über Verkaufsrückgänge bei der Amag, diese drohte mit einem erneuten Inserateboykott. Chefredaktor Peter Hartmeier führte daraufhin zusammen mit dem Autor des «Tagi»-Artikels ein Interview mit dem Amag-Chef, quasi als Wiedergutmachung. Fragt sich nur wofür: Die Geschichte über den Verkaufsrückgang stimmte nämlich.
Trotzdem mochten die Wirtschaftsredaktoren des «Tages-Anzeigers» nicht über den frühen Tod der «Amag-News» berichten. Dafür war die Auto-Redaktion mutiger. «Mattscheibe: Amag stoppt die TV-News», meldete sie am 26. September.
Was erzählt uns diese kleine Begebenheit über den Journalismus 2006? Heute zensurieren sich Redaktoren gleich selber. In vorauseilender Unterwürfigkeit kippen sie Geschichten, um Werbekunden nicht zu vertäuben. Und das offenbar selbst dann, wenn nicht ersichtlich ist, warum eine Firma über eine Tatsachenmeldung sauer werden sollte.
Uns bleibt eine Frage: Was geht beim «Tages-Anzeiger» und all den anderen Redaktionen ab, wenn es wirklich heikel wird?
Mittwoch, 20. September 2006
Die TA-Media analysiert, auf welche Websites die Angestellten zugreifen. Dabei sind Missbräuche festgestellt worden, wie Persönlich berichtet: Mindestens jemand scheint etwa im Fussball-Game Hattrick am Ball bleiben zu wollen. Sollten wiederum solche Verstösse gegen die internen Richtlinien festgestellt werden, würden die fehlbaren Mitarbeiter identifiziert und müssten mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Beim Tages-Anzeiger würden im Bereich Layout, Dokumentation und Korrektorat 24 Stellen abgebaut, schreibt der Kleinreport heute. Deshalb, lieber Lektor, Rechercheur und Layouter: So sehr die virtuelle Fussballmannschaft den Coach bräuchte, lass sie warten. Denn sonst wirst du vom Platz gestellt.
Donnerstag, 1. Juni 2006
In der Rechnung der Espace Media Groupe gibt es eine Konstante: den Jahresgewinn. Seit sechs Jahren bewegt er sich in der Bandbreite zwischen 18 und 24 Millionen Franken. Ein stolzer Leistungsausweis für ein Unternehmen, das sich in einer krisengeschüttelten Branche bewegt. Während potente Unternehmen wie die «Tamedia» oder die «NZZ Gruppe» in den letzten Jahren schwere Taucher hinnehmen mussten, hielt sich das Berner Medienhaus mühelos über Wasser.
Verantwortlich dafür, dass das Schiff auf Kurs bleibt, ist Konzernchef Albert P. Stäheli. Der starke Mann auf der Kommandobrücke der Espace Media Groupe steuert auch in stürmischen Gewässern unbeirrt auf die angepeilte Gewinnmarge zu. Dabei orientiert er sich an einem simplen Prinzip: Sinkende Einnahmen werden umgehend durch sinkende Ausgaben kompensiert (siehe dazu die Interviews im « Bund» und ‚Äì wesentlich lesenswerter ‚Äì in der « BZ»).
Dass in dieser mechanischen Sicht der Dinge kaum Raum für publizistische √úberlegungen bleibt, erstaunt nicht. Wenn die Espace Media Groupe an ihrer Bilanzmedienkonferenz einmal mehr ein Bekenntnis zum «Berner Modell» ablegt, dann tönt dies in den Worten Albert P. Stähelis so:
Der Wille, das Berner Modell aufrecht zu halten, ist bei der Espace Media Groupe da, solange es wirtschaftlich verantwortbar ist. Nun erwartet niemand von der Espace Media Groupe, dass sie den «Bund» ‚Äì ungeachtet seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ‚Äì einfach bis in alle Ewigkeit am Leben erhält. Das kann nicht der Auftrag eines privatwirtschaftlichen Unternehmens sein. Nur: Eine Qualitätszeitung ist mehr als ein gewöhnlicher Gebrauchsartikel, den man ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Sortiment kippt, wenn der «Return on Investment» nicht mehr stimmt, oder den man solange zurechtstutzen kann, bis der Break-even irgendwann doch noch erreicht wird. Eine Qualitätszeitung stellt Ansprüche. Sie vertritt publizistische Grundwerte und ‚Äì Nomen et Omen ‚Äì setzt die qualitative Latte höher als der Durchschnitt.
Es reicht also nicht, wenn die Espace Media Groupe den «Bund» dieses oder nächstes Jahr in die Gewinnzone führt. Ein flügellahmer «Bund», der schon heute nicht mehr die Ressourcen hat, ein eigenes Sportressort zu führen und dem die Budgets kontinuierlich gekürzt werden, unterschreitet irgendwann den «publizistischen Break-even». Angesicht solcher √úberlegungen wäre es angebracht, zwischenzeitlich von der anvisierten Gewinnmarge abzuweichen. Rund eine halbe Million Franken spart die Espace Media Groupe durch die Zusammenlegung der Sportteile von «Bund» und «BZ». Will heissen: Ein Jahresgewinn von 18,8 Millionen Franken würde auf zirka 18,3 Millionen reduziert ‚Äì das sind gerade mal 2,7 Prozent.
Wenn so wenig an Gewinnreduktion schon zu viel ist, dann stellt sich irgendwann die Frage, was das «Berner Modell» überhaupt Wert ist. Eine Antwort darauf hat offenbar «Bund»-Chefredaktor Hanspeter Spörri gefunden. Er hängt seinen Job an den Nagel, weil, wie «Bund»-Verwaltungsratspräsident Hans Lauri schreibt, «in den letzten Monaten unterschiedliche Auffassungen über die Führung und Weiterentwicklung der Zeitung ausserhalb der direkten journalistischen Arbeit» entstanden sind.
Dienstag, 21. März 2006
Gute Nachrichten aus dem Verlagshaus Tamedia: Der «Tages-Anzeiger» soll im Kanton Zürich vier neue Regionalausgaben erhalten, insgesamt werden rund 80 Stellen geschaffen.
Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier begründet die Expansion in seinem heutigen Frontkommentar (online nicht verfügbar) mit wirtschaftlicher Notwendigkeit und mit dem Anspruch, in den Regionen die publizistische Vielfalt zu vergrössern.
O-Ton:
Da das Anzeigenaufkommen schwindet, muss der TA seinen Marktanteil im Stammgebiet vergrössern, um die Einnahmen zu sichern. Mit den Lokalausgaben wird die Auswahl für die Leserschaft in den Regionen grösser: Der Mediennutzer kann sich für jene Zeitung entscheiden, die seinem Informationsbedürfnis und Lebensstil entspricht. Lieber Peter Hartmeier, seien wir ehrlich: Der Tages-Anzeiger hat doch gar keine andere Wahl, als aus den schwindenden Inserate-Millimetern künftig mindestens gleichviel ‚Äì oder besser mehr ‚Äì Inserate-Franken zu generieren. Das ist legitim, aber diese Strategie dürfte langfristig den angestammten Lokalblättern die Existenzgrundlage streitig machen ‚Äì was das Argument der publizistischen Vielfalt zum Feigenblatt degradiert. Der Zeitungsmarkt ist nun mal ein Verdrängungsmarkt.
Sonntag, 19. März 2006
Nun hat auch die Freiburger Polizei eine Website ‚Äì mit so spannenden Features wie Fotos und einem Kontaktformular, wie die «Freiburger Nachrichten» ausführlich zu berichten wissen. Klar, dass solch eine technische Meisterleistung entsprechende Ressourcen voraussetzt:
Bereits vor sieben Jahren entschied sich die Freiburger Polizei für einen eigenen Internetauftritt. «Doch bisher fehlten uns immer das Geld und das Personal», erklärte Nidegger. Durch den Entscheid des Grossen Rates, 40 zusätzliche Polizisten einzustellen, stehen nun jedoch mehr Mitarbeiter zur Verfügung. «Dadurch können wir auch garantieren, dass die Site immer aktuell ist.» Die Polizei habe die Website kostengünstig durch die Hochschule für Technik und Architektur in Freiburg entwickeln lassen.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 50'000 Franken. Bei einem privaten Unternehmen hätte man rund das Fünffache bezahlt. Die Polizei rechnet tatsächlich mit einer Viertelmillion für eine einfach gestrickte Website, die nicht einmal den kantonalen Standards bezüglich der Barrierefreiheit entspricht (also etwa blinden Personen das Surfen nicht vereinfacht)? Vielleicht, liebe «Freiburger Nachrichten», hätte man die Verlautbarungen der Polizei etwas kürzen und dafür diese Geschichte erzählen können...
Sonntag, 12. Februar 2006
Herzliche Gratulation, lieber Bruno, zum dritten Rang in der Abfahrt. Deine Leistung kann uns aber nicht darüber hinweg täuschen, wer der wahre Champion ist: das Schweizer Fernsehen. Das zumindest darf Urs Leutert, Leiter «Sport» bei der SRG SSR id√©e suisse, im «Echo der Zeit» vom Samstag in epischer Länge darlegen. Herzliche Gratulation, liebes «Echo», zum aktuellen Blattkritik-Preis in der Kategorie Konzernjournalismus...
P.s.: Wie es tönt, wenn sich das «Echo» für «HeuteMorgen.» entschuldigen muss, hat Indermuehle.net heraus geschnipselt.
Mittwoch, 21. Dezember 2005
Bislang geschäftete Reuters vorab mit grösseren Medienunternehmen. Neu bietet die Nachrichtenagentur auch Bloggern und Betreibern von Websites Videomaterial an. In einem Pilotprojekt können diese die Videos kostenlos in ihre Websites einspeisen. Reuters kann vor dem Beitrag Werbung einblenden. Nach der Pilotphase sollen die Website-Betreiber Inhalte alternativ auch lizenzieren und ohne Werbeeinblendungen verbreiten können.
Dies ist angesichts der zunehmenden Masse an nicht von Nachrichtenprofis generierten Inhalten ein spannendes, alternatives Geschäftsmodell für eine Nachrichtenagentur, findet Blattkritik.ch.
|
 |
 |
 |
|
Neuste Kommentare
News, die unsere Medien intere ssieren dürften. Wer wei [...]
Das artet ja langsam aus.
Peter Zieglers Replik zum BUND ! Meine (einmalige/ei [...]
Ich finde, @Leumund hat es drü ben bei Twitter hervorra [...]
Eine Gegendarstellung ohne Red aktionsschwanz? … dass i [...]