Sonntag, 1. April 2007
Frank A. Meyer schreibt im heutigen «Sonntagsblick» über die Schweizer Unterstützung für den Ilisu-Staudamm. Und zitiert zur Unterstützung seiner Thesen auch die Konkurrenz: In der Zürcher Regionalzeitung «Tages-Anzeiger» schreibt ein Leser: «Man stelle sich vor: Im Kanton Wallis wird ein Staudamm gebaut - ohne das Einverständnis der dortigen Behörden und der Bevölkerung. Um bauen zu können, würde Bern 5000 Soldaten ins Wallis schicken.» Man stelle sich vor: Ringiers Chefpublizist verwechselt den «Tages-Anzeiger» mit einer Zürcher Regionalzeitung, zum Beispiel mit dem berüchtigten «Anzeiger für den Bezirk Affoltern». Das dürfte eine kleine Fehlleistung zum 1. April gewesen sein. Wir lachen trotzdem herzlich mit.
Dienstag, 2. Mai 2006
Martina Hingis, Sie sind im Profitennis in aller Leute Mund So der Auftakt zu einem Interview von René Stauffer mit der besagten Sportlerin im heutigen "Tagesanzeiger". Arme Martina, das muss ja recht eklig zu und her gehen im Tenniszirkus.
Donnerstag, 22. Dezember 2005
Die «Berner Zeitung» beschert uns heute ein Interview mit Skifahrer Bruno Kernen. Unter dem Titel «Meine Höchstform kommt noch» lesen wir den Lead:
«Grottenschlecht» fährt Bruno Kernen nur auf der virtuellen Abfahrtspiste. Im echten Rennen hat der Berner seine Ski im Griff. Kernen über das Skigame, Weihnachten, Seelenstriptease und die Lust, bis zur WM 2007 weiter zu fahren. «Grottenschlecht» ist dann leider auch das Interview, das uns Autor Thomas Wälti bietet. Eine Hammerfrage folgt der nächsten:
1.: Bruno Kernen, was bedeutet Ihnen Weihnachten?
2.: Gönnen Sie sich an Heiligabend ein Filet im Teig?
3.: Wo feiern Sie Weihnachten?
4.: Fassen Sie Vorsätze für das neue Jahr? Erstmals die Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel gewinnen oder eine Olympiamedaille in Sestriere?
5.: Die «Schweizer Illustrierte» hat Sie zu den 30 begehrtesten Singles der Schweiz gezählt. Keine Zeit für eine Partnerin? Spätestens nach Frage 5 blickt der Leser nach oben und prüft, ob er denn wirklich im Sportteil der BZ gelandet ist und nicht in einem Klatschmagazin. Doch doch, es ist der BZ-Sportteil.
Leider wirds ab Frage 6, wenn Wälti endlich zur Sache ‚Äì zum Sportlichen ‚Äì kommt, nicht besser.
6.: So gut wie heuer starteten Sie in Ihren 14 Weltcupjahren noch nie in eine Saison. Sind Sie wie ein guter Tropfen Ihres Lieblingsweins «Brunello di Montalcino»: je älter, desto besser?
Antwort: Wenn Sie meinen ‚Äì gerne! Allerdings hat der «Brunello di Montalcino» starke Konkurrenz erhalten. Auch der «Amarone» ist ein einmaliger Wein. (‚Ķ) Gähn gähn gähn. Weiter unten, in der gleichen Antwort, sagt Kernen:
Kraft meines Konditionsaufbaus und meiner Erfahrungswerte sollte mir meine Höchstform aber noch bevorstehen. «Kraft meines Konditionsaufbaus?» Man kann etwas Kraft seines Amts tun, aber sicher nicht Kraft seines Konditionsaufbaus.
8.: Hängt Ihre «Frühform» auch damit zusammen, dass Sie es zum Karrierenabschluss nochmals wissen wollen? Starke Frage. Irgendwie hat es uns auch immer gedünkt, Kernen habe seine Karriere in den letzten Jahren auf die leichte Schulter genommen.
9.: Trainierten Sie im Sommer nach einem bestimmten Plan? Spitzensportler pflegen zwar in der Regel tatsächlich nach einem bestimmten Plan zu trainieren. Aber gut, dass der Autor nachgefragt hat ‚Äì sicher ist sicher. Ein sprachliches Detail am Rande: Solche Fragen stellt man immer im Perfekt.
12.: Draussen auf der Piste fahren Sie schneller als am Bildschirm?
Antwort: Glücklicherweise habe ich meine Ski im echten Rennen besser im Griff. Sonst müsste ich mir einen neuen Job suchen. Noch eine Info zu Bruno Kernen, auf die wir nicht gewartet haben.
Kaum zu glauben, aber wahr: Thomas Wälti schafft es, uns in einem fünfspaltigen Interview eine einzige Information von sportlichem Interesse zu vermitteln: Kernen macht bis zur WM 2007 weiter.
Und auch in Sachen Boulevard hat der Autor nichts zu bieten. Ob Filet im Teig oder Fondue ist einfach nicht interessant und ausgerechnet bei der Frauenfrage lässt Wälti Kernen den Joker ziehen.
Montag, 14. November 2005
Jeder, der sich für Tennis interessiert und beim Durchblättern der SonntagsZeitung bis Seite 38 vorgestossen ist, verschluckt sich am Gipfeli. Da steht nämlich über einem Interview mit Tennisspielerin Patty Schnyder der Titel:
Der Traum vom Grand Slam «Ist Schnyder grössenwahnsinnig geworden?», fragt sich der Leser, nachdem er fertig gehustet hat. Den «Grand Slam» gewinnen bedeutet nämlich, alle vier Grand-Slam-Turniere (Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open) in einem Jahr siegreich zu gestalten. Etwas, von dem Schnyder trotz der jüngsten Erfolge weit entfernt ist.
Die gute Nachricht: Patty Schnyder ist nicht grössenwahnsinnig. Die schlechte Nachricht: Tennis-«Experte» Stefan Liwocha, der das Interview geführt hat, weiss offenbar nicht, was «der Grand Slam» ist. Schnyer sagt nämlich im Interview nur:
Mein Ziel ist sicher, bei einem Grand Slam das Finale zu erreichen. Ein Sieg ist ohne Frage der Mega-Traum. Das tönt schon besser. Und da wir uns hier als Schiedsrichter aufspielen, disqualifizieren wir Stefan Liwocha wegen Gefährdung des Lesers am Sonntagmorgen.
Mittwoch, 2. November 2005
Karl fiebert mit. Er fiebert still vor sich hin. Gerne würde er ja die Thuner laut anfeuern. Aber das geht nicht. Karl ist noch bei der Arbeit. Und so wirft er bloss von Zeit zu Zeit einen Blick auf einige einschlägige News-Websites. Da gibts aber wenig zu jubeln: Die vermeintlich schnellen Onliner sind - mit zwei Ausnahmen - selbst lange Minuten nach dem Schlusspfiff noch nicht am Ball...
Dienstag, 1. November 2005
Sportjournalisten sind oft auch Fans ‚Äì Fans der Sportart, über die sie berichten. Da schreibt dann immer wieder das Kind im Manne über sein Hobby. Ein schönes Beispiel liefert heute die «Berner Zeitung».
Die Internationale Rallye du Valais war lang. Sie war schnell. Sie war hart. Sie war staubig. Sie war nervenaufreibend. Sportjournalist Werner J. Haller sass auf dem Beifahrersitz beim Ex-Rallyechampion Jürg Strasser. Schon nach dem Lead schwant dem Leser Böses. Und er wird nicht enttäuscht. Haller schreibt:
Später, beim Nachtessen, haben wir in Bern ein Ersatzgefäss gefunden. Am nächsten Morgen früh um acht war dieses bei uns in Martigny und wurde in lediglich 20 Minuten eingebaut. Einfach fantastisch!
Und:
Das kostete uns sogar Platz vier. «Vergiss es!», beruhigte mich mein Pilot. «Konzentrier dich auf die drei letzten Prüfungen.» Der ist gut! Wie denn, wenn ich auf 180 bin? Emotionen pur. Und:
Das Gefühl da oben entschädigt für den Berg Arbeit, der hinter uns liegt. Emotion pur. Und:
«Wir hatten von allem etwas», sagte Jüre mir später mal. «Die ganze Rallye-Pallette». Oder Emotionen pur. Und:
Wir haben gekämpft, geflucht, gezittert ‚Ķ und am Ende ein Bad in der Menge geniessen dürfen. Emotion pur ‚Äì zuletzt sogar herrlich erfrischende! Vor lauter Emotionen vergisst der Autor sogar, den Text noch einmal durchzulesen und wenigstens die gröbsten Fehler rauszunehmen. Da stehen dann Sätze wie:
(‚Ķ) gurtete ich mich an und ab oder kletterte aus dem Wagen und wieder ein. Es holpert mehr, als auf jeder Rallye-Piste dieser Welt. Ein Zeitfehler jagt den anderen ‚Äì sie alle aufzuzählen, dafür fehlt hier der Platz.
Sportjournalismus √† la BZ ‚Äì «Emotionen pur» für den Schreiber. Leider nur für den Schreiber. Aber was solls. Hauptsache:
Der kleine Junge hielt mir den Stift und seine Mütze hin, bis ich signiert hatte. «Ich bin doch nur der Copilot», hatte ich zu ihm gesagt. «Du bist die Rallye auch mitgefahren. Darum musst du unterschreiben. Hier, bitte!», war seine Antwort. Eigentlich hatte er Recht.
Freitag, 28. Oktober 2005
Wer Marc Rosset ist, weiss in der Schweiz jeder, der schon mal wegen einer Sportsendung den Fernseher eingeschaltet hat. Der Genfer Tennisprofi, Olympiasieger 1992 in Barcelona, 15-facher ATP-Turniersieger und ehemaliger Top-Ten-Spieler, hat mit seinen Leistungen helvetische Sportgeschichte geschrieben. Und mit seinen Launen hat der 2-Meter-Mann auch abseits der Tennisplätze immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.
Nach 17 Jahren im Profigeschäft hat Marc Rosset am Dienstag in Basel seine Karriere beendet. Ohne viel Aufhebens. Trotzdem war Wundertüte Rosset allen wesentlichen Schweizer Zeitungen und Medien mindestens eine Meldung wenn nicht sogar ein Porträt wert.
Allen? Nein, eine grosse Berner Zeitung leistet erbitterten Widerstand gegen den Mainstream. Leserinnen und Leser der BZ wissen nämlich bis heute Freitag nicht, dass Marc Rosset das Racket an den Nagel gehängt hat. Nicht einmal eine Kurzmeldung war der Rücktritt eines Schweizer Olympiasiegers der BZ wert, weder am Mittwoch, noch gestern, noch heute.
Stattdessen hat die BZ am Mittwoch einen langen Text über den dauerverletzten Berner Tennisprofi Michel Kratochvil gebracht ‚Äì quasi ein journalistischer Doppelfehler. Denn: Das Porträt des Ostermundigers hätte man in den letzten zwei und den nächsten drei Monaten eigentlich jeden Tag publizieren können. Ausser vielleicht am Tag nach Roger Federers US Open-Sieg ‚Äì und eben am Mittwoch.
Tennis ist nicht zuletzt eine Frage der √úbersicht und des Timings. Journalismus auch.
Freitag, 21. Oktober 2005
Der Dopingskandal um das kalifornische Balco-Labor hat in der gesamten Sportwelt für Aufsehen gesorgt und gezeigt, dass die USA vor allem in ihren eigenen Profiligen gerne mal ein Auge zudrücken. Am Dienstag sind in San Francisco die Drahtzieher zu harmlosen Strafen verurteilt worden, während die Sportler mit dem Schrecken davonkommen.
Immer dasselbe, könnte man meinen. Nicht ganz, denn die amerikanische Politik scheint eingesehen zu haben, dass die dauernden Dopingskandale dem Ansehen des Landes, dem Sport und letztlich dem Business schaden. Die Schraube soll deshalb massiv angezogen werden. Ob die angestrebten Gesetze künftig konsequent angewendet werden, oder ob der ganze Aufruhr nur eine mediengerechte Show ist, bleibt abzuwarten.
Mehr dazu im gestrigen Bund.
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