Nach dem
Ende des Pendlerblogs sind noch keine Nachfolgeprojekte aufgetaucht. Wir hätten einen Vorschlag: «20 Minuten Week», das Ausgangsmagazin von «20 Minuten», erscheint nur einmal pro Woche. Trotzdem bietet es reichlich Material. Ein willkürliches Beispiel ist das Pro-und-Kontra-Gefäss
«Week-Battle» zum Thema
Musicstar. Jürg Zentner argumentiert gegen die Sendung und greift gleich im ersten Satz zur rhetorischen Pump-Action:
Nie zuvor gab es ein menschenverachtenderes Fernsehformat als Musik-Castingshows, in denen vorsätzlich Träume junger Menschen mit Füssen getreten werden.
Was
menschenverachtend wirklich heisst, interessiert heute nicht einmal mehr die Abschlussredaktion. Schon bald werden wir auch das vorübergehende Fehlen unserers Lieblingsjoghurts menschenverachtend nennen. Hauptsache, es wird etwas
mit Füssen getreten - und dann erst noch vorsätzlich! Das ist ja schon fast eine humanitäre Katastrophe! Tatsächlich:
Die Spirale aus Hoffnung, Erwartung, Druck und Enttäuschung beginnt sich zu drehen. Und wird mit jeder Runde schneller. Das unvermeidliche [sic!] daran: Die Spirale wird nicht enden ‚Äî ein Teufelskreis.
Zuerst gab es den Teufelskreis, dann die Spirale. Und jetzt sind die beiden schon vereint? Mit den überdrehten Formulierungen und schrägen Bildern geht es weiter: Die Zuschauer «haben die Schnauze voll von solchen Shows», im «Keller der Plattenlabels liegen (...) die heimischen Castingstar-Leichen», für die Gewinnerinnen der ersten zwei Runden, Carmen Fenk und Salome Clausen, «endeten [die Staffeln] mehr oder weniger im Nichts» (wo liegt das eigentlich?), weshalb die Labels auch die nächsten Gewinnerinnen und Gewinner «zum Alteisen werfen» werden, «dorthin, wo bereits der Fenk-Motor liegt.»
Das ist ja grauenhaft. Zum Glück geht es nur um Fernsehen.
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