Eine neue Untersuchung des Lausanner Hochschulinstituts für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) bringt überraschende Resultate: Kaum ein Land hat weniger Staatsangestellte als die Schweiz, nur jeder siebte Erwerbstätige arbeitet beim Bund oder bei einem Kanton. Seit 1990 hat sich der Personalbestand auf Bundesebene auf 80'000 Beschäftigte halbiert. «Cash» widmet dem Thema in seiner aktuellen Ausgabe eine informative und gut illustrierte Doppelseite.
Schade nur, dass den meisten die Lust aufs Lesen des Artikels schon vergangen sein dürfte, bevor sie die Doppelseite überhaupt aufgeschlagen haben. Angerissen wird der Text auf der Titelseite nämlich mit der Schlagzeile:
Die Kantone sündigen mit ihrem Personal
Weiter gehts in der Unterzeile mit:
Die Bürokratie wuchert in den Kantonen und Gemeinden. Beim Bund ist sie unter Kontrolle.
Wer nach dem reisserischen Auftakt trotzdem nach hinten blättert, liest auf den Seiten 6 und 7 die Titel:
Kein Paradies für Beamte
und
Aufholjagd der Katholiken
Der Lead beginnt mit:
Es ist alles weniger schlimm als befürchet (‚Ķ)
Als wär damit nicht schon genug an billigem Make-up aufgetragen, stellt «Cash» drei uralte Beamtenwitze als Quotes gross und fett in den Text.
Wer jetzt noch Lust hat weiterzulesen, muss ein hoffnungsloser Optimist sein. Für einmal behält der Optimist allerdings Recht. Die Lektüre lohnt sich.
Es bleibt die Frage, warum sich ein Journalist einen gut recherchierten Text mit unseriösen, reisserischen Eye-Catchern kaputt machen lässt. Wer nämlich nur Anriss, Titel, Lead und Witze anschaut ‚Äì wie das die meisten Leserinnen und Leser zu Beginn tun ‚Äì, bekommt einen völlig falschen Eindruck von der Seriosität und vom Inhalt des Artikels.
Der «Verdacht» liegt nahe, dass auch bei «Cash» Abschlussredaktoren versuchen, Texte um jeden Preis aufzumotzen ‚Äì im vorliegenden Fall ein Bärendienst.
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