Montag, 25. Juni 2007
Was macht eine Moderatorin eigentlich, wenn einer eigentlich fast nur "eigentlich" sagt? Sie versucht geflissentlich darüber hinweg zu hören; schliesslich spricht der Gesprächspartner ja eigentlich Französisch. Doch dann hat es sie doch noch erwischt (Tonbeispiel 1, 2 und 3). Trotzdem: Susanne Brunner hat sich gut gewehrt, eigentlich.
Dienstag, 23. Januar 2007
Nach dem «Rendez-Vous» am Montag waren wir etwas verunsichert: Was hat der Redaktor gesagt? Oder besser: Was hat er damit sagen wollen? Vier Szenarien:
1) Der Redaktor wollte sich ein Wortspielchen mit «untergehen» erlauben. Unglücklicherweise hatte er in der stürmischen Zeit vor der Sendung keinen Geistesblitz. So sehr er auch brainstormte, es tauchte einfach keine bessere Formulierung auf.
2) Der Redaktor wollte in der Einleitung darauf hinweisen, dass diese Meldung nur ausnahmsweise in den Nachrichtenblock gerutscht ist, weil das Januarloch gähnte oder der Ticker nicht mehr richtig tickte.
3) Der Redaktor übt unverblümt Kritik an der üblichen Nachrichten-Selektion seiner Kollegen.
4) Der Praktikant durfte seine erste Meldung schreiben. Und sein Betreuer musste dringend aufs Klo.
Wir schwanken noch immer zwischen den vier Szenarien. Bloss eines ist uns klar geworden: Es kommt immer wieder vor, dass ein Texter Schiffbruch erleidet. Und das ist auch ein Grund dafür, dass solche Blog-Einträge in der Informationsfülle meist untergehen...
Donnerstag, 14. September 2006
Fünf Jahre und zwei Kriege nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 liegen immer noch keine gerichtstauglichen Beweise für die Schuld Osama bin Ladens und der 19 Attentäter vor. Daran hat auch der vor etwas mehr als zwei Jahren veröffentlichte Bericht der 9/11-Untersuchungskommission nichts geändert: Viele der offenen Fragen wurden nicht beantwortet, viele der im Bericht aufgestellten Behauptungen sind inzwischen widerlegt (siehe David Ray Griffins Buch «Ommissions and Distortions»). Zuletzt hat der Prozess gegen Zacarias Moussaoui gezeigt, auf wie wackligen Füssen die Version der US-Regierung steht. Hätte Moussaoui nicht ein zweifelhaftes Geständnis abgelegt (das er inzwischen widerrufen hat), wäre er nicht verurteilt worden. Zudem haben Zeugen während des Prozesses wiederholt Aussagen zu Protokoll gegeben, die ein mehr als schiefes Licht auf die offizielle Version der Ereignisse werfen.
Logisch, dass die Kritik an der offiziellen 9/11-Darstellung in den USA immer lauter wird und Gehör findet. 36 Prozent der Amerikaner und sogar 49 Prozent der New Yorker glauben heute, dass die Bush-Administration bei den Anschlägen irgendwie die Finger im Spiel hatte. Zahlen, die noch vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte.
Zahlen, die auch den Medienschaffenden hierzulande zu denken geben müssten. Betonung auf «müssten». Denn obschon der fünfte Jahrestag der Anschläge der ideale Moment gewesen wäre, um Bilanz zu ziehen und den Lesern Fakten oder zumindest Analysen zu präsentieren, lesen oder hören wir ausser im «Tagesanzeiger», im «Blick» und in der Kulturbeilage der «Basler Zeitung» in der gesamten Schweizer Medienlandschaft nichts, was dem vor allem in den USA laufenden Diskurs auch nur annähernd gerecht werden würde.
"9/11: viele Vorurteile, wenig Substanz" vollständig lesen
Sonntag, 9. April 2006
Das Echo hallte schon wieder, als es noch gar nichts zu berichten gab: Obwohl die Resultate der Berner Regierungsratswahl offiziell erst für 19 Uhr angekündigt worden waren, hat das «Echo»-Team bereits für die 18-Uhr-Sendung fix ein Korrespondentengespräch eingeplant. Die Resultate sollten dann tatsächlich erst kurz nach 19 Uhr eintreffen. Und so kam es, dass selbst Caspar Selg plötzlich nicht mehr wusste, was er fragen sollte.
Eine Stunde später auf DRS 2 - das Team des Regionaljournals hatte sich mit viel Musik durch seine Sondersendung gerettet - konnte das «Echo» dann doch noch eine «Sensation» vermelden. Doch in der holprig improvisierten Analyse ging etwas ganz vergessen: Welche der Kandidaten ‚Äì nebst den schliesslich doch noch kurz namentlich erwähnten Perrenoud, Egger und Pulver ‚Äì sonst noch gewählt worden sind...
Liebes Echo, erliege bitte nicht auch du dem Aktualitätswahn. Analysiere einfach zur Zeit.
Freitag, 10. März 2006
Die US-Militärbasis Guantanamo macht seit Jahren traurige Schlagzeilen. Gefangene werden auf unbestimmte Zeit ‚Äì ohne Anklage und Prozess ‚Äì festgehalten und laut UNO und diversen Menschenrechtsorganisationen zum Teil auch gefoltert.
Die USA geraten deswegen mehr und mehr unter Druck. Offenbar um eine Image-Korrektur herbeizuführen, organisiert das Pentagon jetzt Journalistenreisen an den Ort des Schreckens ‚Äì und zeigt, dass alles gar nicht so schlimm ist. Peter Voegeli, US-Korrespondent von Radio DRS, ist eben von einer solchen Reise zurückgekehrt und hat Emil Lehmann im Rendezvous am Mittag Auskunft gegeben.
Im Interview, das knapp 20 Minuten dauert, kommt vor allem eines zum Ausdruck: In Guantanamo lebt es sich, soweit Voegeli Einblick erhalten hat, offenbar ganz komfortabel. Voegeli spricht von fünf Menüs, aus denen die Gefangenen auswählen können. Er spricht von Sportgeräten wie Hometrainern, Laufbändern usw. Er spricht von Aufsehern, die überwachen, dass die islamischen Regeln eingehalten werden. Er spricht von einem Muezzin, der fünf Mal am Tag zum Gebet aufruft. Er spricht von einem Operationssaal auf hohem Niveau. Kurz: Peter Voegeli spricht von einer Betreuung «fast wie im Hotel».
Voegeli sagt zwar, er habe nur gesehen, was das amerikanische Militär habe zeigen wollen. Er sagt zwar, er habe fast alles gesehen ausser den Gefangenen. Er sagt zwar, er wisse im Prinzip nichts über den Zustand der Gefangenen. Er sagt zwar, der Status der Gefangenen entspreche nach wie vor nicht internationalen Standards. Doch trotz den Vorbehalten: Voegeli glaubt nicht, dass die Militärs, die den Journalisten in Guantanamo für Fragen zur Verfügung stehen, lügen und im grossen Stil wahre Umstände vertuschen.
Zurück bleibt ein ratloser Zuhörer. Was stimmt denn jetzt? Der Eindruck, den Voegeli gewonnen hat oder die zahlreichen Berichte von Menschenrechtsorgansationen und der UNO, die sagen, in Guantanamo würden nach wie vor Gefangene misshandelt?
Und zurück bleibt die Frage, warum Emil Lehmann den Interview-Teil zum Gefängnisbesuch nicht viel kürzer gehalten und die restliche Zeit darauf verwendet hat, die Eindrücke Voegelis in den Gesamtkontext zu stellen. Das heisst: Warum fragt Lehmann nicht, was hinter der US-Strategie, Guantanamo zum Vorzeigegefängnis zu machen, stecken könnte? Was denkt Voegeli über die Berichte zu US-Gefängnissen in Afghanistan, Osteuropa usw.? Oder: Was passiert mit den Gefangenen, die offenbar (auch laut Peter Voegeli) zahlreich aus Guantanamo verabschiedet werden? Wohin werden diese gebracht? Werden sie freigelassen? Wird ihnen der Prozess gemacht? Oder werden die «interessanten Fälle» einfach nur an Orte verschoben, die noch nicht so stark im Zentrum des öffentlichen Interesses stehen wie Guantanamo?
Berichte und Texte zu Guantanamo (eine kleine Auswahl):
Uno-Bericht im «Spiegel» vom 14. Februar 2006
HRW-Analyse zum UNO-Bericht
Vier Jahre Guantanamo, HRW-Bericht vom 11. Januar 2006
Amnesty-Bericht vom 6. Februar 2006
Berichte und Texte zu anderen US-Gefängnissen und zum Umgang mit Menschenrechten im Krieg gegen den Terror (eine kleine Auswahl):
Geheimgefängnis in Kabul, HRW vom 19. Dezember 2005
HRW World Report vom 18. Januar 2006
Geister-Gefangene, HRW vom 1. Dezember 2005
Verschwunden in Geheimgefängnissen, HRW vom 9. Dezember 2005
CIA und Folter, HRW vom 21. November 2005
Viel Material beinhalten vor allem die Seiten von Amnesty International und Human Rights Watch.
Dienstag, 28. Februar 2006
Am 9. April wird im Kanton Bern gewählt. Für die Medien beginnt langsam aber sicher die Zeit der Vorschauen, Partei- und Kandidatenpräsentationen.
Besonders originell versucht sich das RegiBern von Radio DRS des Themas anzunehmen: Die Parteien werden in einer Art Hörspiel- Gerichtsverhandlung vorgestellt. Da gibt es den Gerichtssaal, den Gerichtsschreiber und die Anklageschrift. Die Parteivertreter sitzen auf der Anklagebank und müssen zu Anklagepunkten Stellung nehmen.
Was wohl witzig daher kommen soll, ist einfach nur peinlich. Die Gerichtssaalnummer trägt weder zum besseren Verständnis des Themas, noch zur Auflockerung der Sendung bei. Das Regi-«Hörspiel» ist weder unterhaltsam, noch geist- oder aufschlussreich.
Zurück bleiben ein ratloser Zuhörer und die Frage: Was soll das? Wieso widmet das ansonsten meist starke Regi-Team seine Sendeminuten nicht der Analyse dessen, was die Parteien in den letzten Jahren geleistet haben? Wieso wird in einem Sendegefäss, in das seriöser Journalismus gehört, krampfhaft versucht, witzig zu sein?
Und, wen erstaunt es ob solchen Sendungen, wenn viele fähige Leute einfach keine Lust auf Politik haben, einfach keine Lust darauf, a priori auf der Anklagebank zu sitzen?
Mittwoch, 15. Februar 2006
DRS3 berichtete soeben kurz über Weblogs. Blogs seien kein Massenmedium, so der Tenor des stark kommentierenden Beitrags, in dem der Zürcher Medienwissenschafter Mirco Marr ausführlich zu Wort kam.
Sind Blogs ein Massenmedium? Eine leidige Debatte, finden wir. Weblogs sind vorab eine Technik, vielleicht mit einigen Besonderheiten in der Gestaltung der Inhalte sowie in der Art der Nutzung. Und: Ein Weblog kann durchaus zum Massenmedium werden - wenn viele Leute es regelmässig nutzen. Oder liegen wir daneben?
Der Höhepunkt des Beitrags kam aber erst danach: der Kommentar der Moderatorin. Darin belegt sie stringent, weshalb es mit der Bloggerei abwärts geht: Die «Weltwoche» hat letztes Jahr zwei Blogs abgeschaltet...
Sonntag, 12. Februar 2006
Herzliche Gratulation, lieber Bruno, zum dritten Rang in der Abfahrt. Deine Leistung kann uns aber nicht darüber hinweg täuschen, wer der wahre Champion ist: das Schweizer Fernsehen. Das zumindest darf Urs Leutert, Leiter «Sport» bei der SRG SSR id√©e suisse, im «Echo der Zeit» vom Samstag in epischer Länge darlegen. Herzliche Gratulation, liebes «Echo», zum aktuellen Blattkritik-Preis in der Kategorie Konzernjournalismus...
P.s.: Wie es tönt, wenn sich das «Echo» für «HeuteMorgen.» entschuldigen muss, hat Indermuehle.net heraus geschnipselt.
Montag, 23. Januar 2006
Das Angebot der Moderatorin nach der Sendung International auf Radio DRS 1 vom letzten Sonntag klang verlockend. Wir sind sofort hingesurft - und enttäuscht wieder abgezogen.
Apropos: Mit «International» ist nun eine zusätzliche Sendung als Podcast erhältlich. Weiter so, Radio DRS. Vielleicht probiert ja auch der eine oder die andere aus dem Moderationsteam das neumodische Zeugs mal aus...
Freitag, 13. Januar 2006
Was Franziska von Weissenfluh, Verlagsdirektorin der Berner Zeitung AG und Bund-Verlag AG, zur Zusammenlegung der Sportteile von Bund und BZ zu sagen hat, hören Sie beim RegiBern.
Donnerstag, 12. Januar 2006
Die Sportredaktion des Berner «Bund» wird aufgelöst, ab Mai 2006 wird der Sportteil der «Berner Zeitung» übernommen. Was das «Echo der Zeit» von Radio DRS dazu sagt, hören Sie hier.
Montag, 5. Dezember 2005
Schweizer Radio DRS liest in den 9-Uhr-Nachrichten zwischen den Zeilen und entdeckt dort Explizites:
Zwischen den Zeilen zeigt sich die Swisscom alles andere als erfreut über den Bundesrat und verlangt explizit, dass die neuen strategischen Ziele für die kommenden vier Jahre unverändert bleiben.
Sonntag, 16. Oktober 2005
Manche Dinge sind so wichtig, dass man sie wiederholen muss. Das hat sich wohl auch Ulrich Achermann gesagt...
International.mp3
Schade, dass sich offenbar weder der Journalist noch der Redaktor noch der Techniker die Sendung bei der Erstausstrahlung am Samstag auf DRS2 angehört und den kleinen Patzer in der grossen Reportage vor der Zweitausstrahlung am Sonntag auf DRS1 korrigiert haben. Aber eben: Manche Dinge sind so wichtig, dass man sie nicht unterbrechen sollte. Das Wochenende etwa.
Samstag, 8. Oktober 2005
Radio DRS ist aufgewacht: Karl kann das "Echo der Zeit" seit der Jubiläumssendung nun auch als Podcast hören. Und jetzt sieht er: Radio DRS experimentiert auch mit der Wiki-Technik. Im Projekt Radio Wiki sollen Geschichten rund um das Schweizer Radio zusammengetragen werden. Noch ist das Lexikon aber fast ganz leer, inklusive der Hilfe-Rubrik und der Lizenzbedingungen. Radio DRS ist aufgewacht, aber noch etwas schlafsturm, kommentiert Karl - und schreibt deshalb weiterhin direkt in die Wikipedia...
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