Damit die Schweizer Presse auch das Jahr 2007 überlebt, wünschen wir uns für das neue Jahr mit Nachdruck ...
... dass Millionenzürich-Provinzler, Sowohl-als-auch-Intellektueller und
«Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Peter Hartmeier mit einer Rücktrittsandrohung die Null-Niveau-Regionalstrategie seines Blattes mit sofortiger Wirkung beendet. Egal, wie es ausgeht, ob er als Chef abtritt oder die Regionalisierung abgebrochen wird: Der Tagi gewinnt so oder so.
... dass die
unzähligen Berater in den Verlagshäusern, die so gerne Zahlen zählen, im neuen Jahr auch das Lesen lernen und verpflichtet werden, zu lesen, was sie angerichtet haben mit ihrem Spar-, Ausdünnungs- und Vollkostenwahn. Eine Printbranche nämlich, die gegen das Internet nur verlieren kann, wenn sie mit geschwätzigen Kolumnen und bunten Lesestöffchen zwar durchaus Geld, aber auch Leser wegspart.
... dass Tettamanti-Adoptivsohn und Frauenversteher
Roger Köppel, der sich neuerdings im Eigenverlag verlegt, endlich seinem journalistischen Credo nachlebt und nicht mehr dauernd in seine
«Weltwoche» hievt, was nicht ist (Klimawandel), sondern was ist (Klimawandel). Und vor dem Fernseher Beckmann-Interviews mit der deutschen Bundeskanzlerin abschreiben muss 2007 auch nicht mehr sein. Danke.
... dass
Tamedia-Chef Martin Kall in seine persönliche Weiterbildung investiert und sich die
«Süddeutsche Zeitung» abonniert, damit er täglich daran erinnert wird, wie gut eine Qualitätszeitung sein könnte. Falls Kall nicht mehr bereit ist, für ein Printprodukt Geld auszugeben, darf er sich bei mir melden: Ich schenke ihm gerne ein Jahresabonnement.
... dass
Multimedia-Chefredaktor Andreas Durisch («Sonntags-Zeitung», «Facts») den geistigen √úbergang von den 1990ern- in die Nullerjahre schafft und erkennt, dass die Zeiten endgültig vorbei sind, in denen mit ein paar Fakten und ein paar aufregenden Zitaten Geschichten gezimmert werden konnten, dass eine reine News-Strategie in Zeiten des Internets kein Erfolgsrezept mehr sind für seine Publikationen und dass Zeitschriften für Leser und nicht für Nicht-Leser gemacht werden müssen.
... dass die letzten Exemplare der aussterbenden Spezies des Boulevardjournalisten vom Verlagshaus Ringier mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (Sauerstoffzelt, Frischzellenkur) am Leben erhalten werden und in ein Fortpflanzungsseminar geschickt werden, damit
«Blick» und
«Sonntags-Blick» wieder jenen Journalismus machen können, den sie machen müssen, um publizistisch existenzberechtigt zu sein. Dabei ist unbedingt zu beachten: Boulevard muss auch weiterhin nicht heissen, gegen Asylsuchende zu hetzen und Tempo 200 auf Autobahnen zu fordern. Aber ohne grosse Buchstaben, freche Titel und mutige Geschichten geht es nicht.
... dass die
Tamedia-Zeitschriftenverantwortliche Uli Rubner endlich mehr tut, als nur Zeitschriftenverantwortliche der Tamedia zu sein. Zum Beispiel darüber nachdenken, wie Zeitschriften sich entwickeln müssen, damit sie auch in ein paar Jahren noch gekauft werden. Auf ihren Medienkritiker-Mann Kurt W. Zimmermann darf sie beim Nachdenken unter keinen Umständen hören: Auch er ist ein Fossil aus den 90ern.
... dass die
Chefredaktoren ihre Journalisten vertraglich dazu verpflichten, ihren Bürostuhl mindestens einmal täglich zu verlassen, wobei unbedingt festgehalten werden muss, dass dieser Vertragszusatz nicht mit dem Gang in die nächste Beiz erfüllt ist.
... dass der
«Berner Zeitung» der Auftritt unter dem Gattungsbegriff Zeitung vom Verband der Schweizer Presse verboten wird, weil Minimalstandarts erfüllen muss, wer sich mit diesem Titel schmücken will (zum Beispiel mindestens ein druckfehlerfreier Abschnitt pro Text).
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Das artet ja langsam aus.
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Ich finde, @Leumund hat es drü ben bei Twitter hervorra [...]
Eine Gegendarstellung ohne Red aktionsschwanz? … dass i [...]