Montag, 9. Juli 2007
In der «Solothurner Zeitung» vom 7. Juli schreibt Astrid Bucher Klartext: Am Grenchner Uhrencup gehts nicht nur um Fussball. Er lebt auch von den wichtigen Personen, die ihre Dienstleistungen sponsern. Im VIP-Zelt treffen sie diese [sic!] und andere, um sich verwöhnen zu lassen. Und in dieses VIP-Zelt gelangt nur, wer einen «Goldpass» besitzt, wie wir gleich zwei Mal lesen. Kein Wunder, denn die «wichtigen Personen» möchten unter sich bleiben: Gigi Oeri, Oliver Kreuzer und Co. lassen sich die exklusiven Häppchen zwischen und nach den Matches auf der Zunge zergehen. Sascha Ruefer düst von einer Ecke in die andere und interviewt dazwischen noch Sportchef Oliver Kreuzer vom Team Red Bull Salzburg. Das liest sich beeindruckend. Schade nur, dass die Fotos gegen diese A-Prominenz ein wenig abfallen. Denn in der grosszügigen Bildstrecke finden wir weder den herumdüsenden Sascha Ruefer noch die Häppchen auf der Zunge zergehen lassenden Gigi Oeri und Co. noch den ebenfalls erwähnten Urs Saladin (Vize-Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes, «lässt sich an der Bar verwöhnen»). Dafür sehen wir unter anderem: VIPs Marc Pfister und Martina Möller, Advokaturbüro Fivaz,George und Marolf
Grenchner Promis Barbara und Boris Banga (Stadtpräsident)
Unter Freunden Eddy Schneiter, Beat Schmid und Markus Graf, CEO Swiss Prime Site (Hauptsponsor). Am besten gefällt uns aber das Bild einer gutgelaunten Tischgesellschaft: Gerüstebauer Der Tisch 60 gehört den Freunden und Mitarbeitern von Roth Gerüste, die am Uhrencup für den Tribünenbau verantwortlich zeichnen. Was uns zeigt: Text und Bild dürfen ruhig mal ein wenig auseinanderklaffen. Denn beim Grenchner Uhrencup gehts nicht nur um die wichtigen Personen, die ihre Dienstleistungen sponsern. Sondern auch um Fussball.
Mittwoch, 4. April 2007
Den Titel der Woche finden wir heute in der «Solothurner Zeitung»: «Neulenker sollen trocken bleiben» titelt sie auf der Front. Wie lange Neulenker warten müssen, bis sie sich betrunken ans Steuer setzen dürfen, bleibt offen.
Sonntag, 11. März 2007
Nach endlosen, ermüdenden und ereignislosen Flügen reicht das Kabinenpersonal den gähnenden Passagieren jeweils Erfrischungstüchlein.
Die Solothurner Zeitung verteilt seit ein paar Tagen mal wieder Probeexemplare. Und denkt auch an die möglichen Folgen für ihre Leser:
Dienstag, 23. Januar 2007
Fertig lustig. Auf Seite 3 der heutigen «Mittelland Zeitung» knallts. Denn: «Die Bauern machen mobil», sie haben den «Kampf um mehr Bundesmittel im Nationalrat eröffnet». Im Gang ist ein eigentliches «Manöver», wobei die SVP völlig überraschend «zuvorderst marschiert» und die fiesen Bauern «neue Munition» in Form einer Studie ins Feld führen (Artikel online nicht erhältlich).
Das alles depechte live von der Subventionsfront ein unerschrockener «MZ»-Berichterstatter an die heimatlichen Redaktionen. Sein Name: Daniel Friedli.
Samstag, 20. Januar 2007
Die amtlichen Schnüffler können dem technischen Fortschritt nicht mehr folgen. Telefone, die über das Internet geführt werden, könnten nicht mehr abgehört werden, beklagt sich Roger Schneeberger, Generalsekretär der Polizei- und Justizdirektoren, in einem Bericht der sda, der sich auf eine Meldung von Radio DRS abstützt.
Die «Aargauer Zeitung» leidet anscheinend mit. Denn ihren Artikel überschreibt sie mit «Gravierende Mängel bei der Telefonüberwachung».
Der Titel als Kommentar: Wann sind diese Zeiten wohl endlich vorbei?
Freitag, 12. Januar 2007
«Am Sonntag liest man Zeitung.» Zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt Hans Fahrländer in der heutigen Ausgabe der «Mittelland Zeitung», in der er mit wenig Ehrgeiz auf 20 Jahre «SonntagsZeitung» zurückblickt (online nicht frei zugänglich).
Der ehemalige Chefredaktor des seligen «Badener Tagblatts» und abgehalfterte Chef der «Aargauer Zeitung» lässt es sich, wenn er schon mal wieder schreiben darf, nicht nehmen, dem Geburtstagskind mahnende Worte auf den Weg zu geben.
«Punkto investigativer Leistung sollte sich die SoZ-Redaktion nicht allzu viel einbilden», rät Fahrländer. Denn «wer etwas Brisantes zu melden hat, der wendet sich oft von sich aus an die SoZ». Das Sonntagskind der Tamedia habe keinen Grund, übermütig zu werden, mahnt Fahrländer. Immerhin könne es heute noch durchaus passieren, dass man in einer nachrichtenarmen Zeit die SoZ zur Seite legt und sich fragt, mit welchem Gewinn man sie eigentlich gelesen hat. Das mag stimmen. Aber kann sich das bisweilen nicht auch die Leserschaft der «Mittelland Zeitung» fragen?
Mittwoch, 3. Januar 2007
Zum neuen Jahr wünschen wir der Schweizer Presse nur das Beste. Insbesondere:
Der «Mittelland Zeitung», dass Urs Helbling nicht jedesmal einen «Das Leben ist schön»-Kommentar auf die Frontseite knallt, wenn die Sonne länger als zwei Stunden scheint.
Der «Sonntagszeitung», dass Arthur Rutishauser nicht ausgerechnet während des Prozesses gegen die früheren Swissair-Kader krank wird.
Dem «Sonntagsblick», dass Beat Kraushaar und Sandro Brotz noch lange, lange Zug fahren.
Unzähligen Ringier-Angestellten, dass Frank A. Meyer demnächst der übermächtige Wunsch packt, sich frühzeitig pensionieren zu lassen.
Der «Solothurner Zeitung» im allgemeinen und deren Stadtredaktion unter Wolfgang Wagmann im Besondern die Erkenntnis, dass nicht alles, was von Stadt- und Gemeinderegierungen kommmuniziert wird, grundsätzlich schön und gut ist.
Roger Köppel, dass sich die Promis aus der Weltpolitik und -wirtschaft weiterhin daraum reissen, mit ihm dinieren zu können.
Res Strehle, Chef des «Magazins», dass er von der Jury, in der er sitzt, auch nächstes Jahr zu einem der besten Journalisten des Landes gewählt wird.
Max Küng, ebenfalls vom «Magazin», noch mehr Taschengeld und seiner kolumnierenden Kollegin Michèle Roten einen Mann.
«Blick»-Chef Werner de Schepper 20 Minuten Zeit, um sich für sein Blatt eine auflagesteigernde Strategie auszudenken.
Dem «Schlagzeiten»-Dichter der «Sonntagszeitung» nie nachlassende Inspiration.
Felix E. Müller von der «NZZ am Sonntag» ein Dutzend Pulitzerpreise.
Felix Bingesser, dem Sportchef der Aargauer Zeitung, einen mutigen Coiffeur.
Margrit Sprecher, der Doyenne des Gspürschmi-Journalismus, eine Schlange gescheiterter Existenzen vor der Haustüre.
Erwin Koch, dass ihn mal jemand zur Seite nimmt und ihm kurz und bündig sagt, dass man auch kurz und bündig viel sagen kann.
Sonntag, 31. Dezember 2006
Der Oltner SP-Politiker Peter Gomm steht dem Kanton Solothurn nächstes Jahr als Landammann vor. Die «Solothurner Zeitung» hat ihn von ihrem Inquisitor Beat Nützi verhören lassen. Denn ein Interview kann eine so ruchlos geführte Untersuchung nicht mehr genannt werden. Ein paar Beispiele für die fiesen Fragetechnik: Erstmals Landammann - wie fühlen Sie sich?
Haben Sie sich für das Landammann-Jahr etwas Besonderes vorgenommen, wollen Sie spezielle Akzente setzen?
Wo drückt Sie der «politische Schuh» am meisten?
Die Auseinandersetzungen um das Minarett in Wangen zeigen auf, dass es mit der Integration von Ausländern bei uns nicht zum Besten bestellt ist. Was unternehmen Sie mit der Ihnen unterstellten Integrationsstelle? Gnädig zeigt sich Nützi nur ein einziges Mal, als er Gomm die erwartete Antwort gleich mit der Frage serviert: «Apropos Minarett: Ist die Regierung nicht auch besorgt darüber, dass in Wangen für ein solches Projekt eine Trägerschaft auftritt, die laut Bundesamt für Polizei als Mitglied der ITF (Türkische Föderation Schweiz) zumindest implizit das Gedankengut der rechtsextremen, nationalistischen Grauen Wölfe vertritt?» Eine hinterhältige Falle, aus der sich Gomm nur mit grosser Geistesgegenwart befreien kann.
"Verhör mit dem Landammann" vollständig lesen
Freitag, 29. Dezember 2006
Wenn der vielbeschäftigte Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn, Nationalrat und vierfacher Vater, endlich einmal Zeit für ein Interview findet, könnte man ihm viele Fragen stellen. Zum Beispiel die folgenden:
Wieso ist die verkehrsfreie Shoppingmeile jeden Tag rund um die Uhr mit Autos zugeparkt?
Wie lange können Dealer in der Bahnhofunterführung noch unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen?
Warum ist es in dieser Stadt nicht möglich, für Randständige innert nützlicher Frist eine neue Anlaufstelle zu schaffen?
Wie lange kann und will Solothurn noch von oder mit seinem verstaubten Barockstadt-Image leben?
Wieso wirkt in Solothurn alles so hinterwäldlerisch und provinziell? Doch Wolfgang Wagmann, der nur sehr mässig regierungskritische Leiter des Stadtressorts der Solothurner Zeitung, denkt nicht daran, «seinem» Stapi die Festtageslaune zu vermiesen. Sein Jahresbilanz-Interview mit Fluri liest sich wie ein Gefälligkeitgutachten.
"Fragen Sie nicht!" vollständig lesen
Mittwoch, 27. Dezember 2006
Am journalistisch öden Stephanstag lag in Solothurn eine Geschichte buchstäblich auf der Strasse: Zum ersten Mal waren Läden in der Einkaufsmeile geöffnet. Das «Solothurner Tagblatt», das erst seit fünf Jahren erscheint, schickte Stefan Kaiser los, um den kleinen Schatz jenseits der üblichen Jahreskonzerte und ‚Äìbilanzgespräche zu bergen. Der Reporter kam mit einer Reportage über frustrierte und frohlockende Ladeninhaber und Kunden zurück. Jene Solothurnerinnen und Solothurner, die wissen wollen, was gestern vor ihrer Haustüre passiert ist, erfahren es heute im «Solothurner Tagblatt», welches laut Chefredaktor Urs Moser «noch im Kindergartenalter» steckt.
Die längst erwachsenen Platzhirsche der «Solothurner Zeitung» hingegen verlieren über die offenen Läden kein Wort. Die alteingessene Stadtredaktion weiss, wo die Prioritäten zu setzen sind und würdigt ohne erkennbaren Anlass den 1924 verstorbenen Lokalpolitiker Hermann Dietler, feiert eine Theatergruppe, «die seit 1981 wiederholt mit Produktionen auffiel» und ist schreibend und fotografierend mit von der Partie, wenn der Lions-Club Solothurn zu seiner «traditionellen Weihnacht für Alleinstehende» bittet.
Für einmal wünschen wir uns mehr Kindergarten.
Mittwoch, 27. Dezember 2006
Urs Huber berichtet heute im Oltner Tagblatt und in der Solothurner Zeitung über ein Konzert der Rockband «Irrwisch» in Oensingen. Wie er die Leser in seine Geschichte reisst, gehört ausgeschnitten und in jedem Journalisten-Grundkurs an die Wand gehängt:
Der Lionsclub Falkenstein Balsthal als Organisator, die Aargauer Kantonalbank als Sponsor: Genau so «gehen» Benefizkonzerte. Genau so «geht» ein Lead.
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