Auch eine Woche nach ihrer Bekanntgabe gibt die Espace-Übernahme zu reden. Die Spekulationen konzentrieren sich vor allem auf die Beweggründe der Tamedia, ausgerechnet jetzt auf Einkaufstour zu gehen - oder aber auf Charles von Graffenrieds Grund für das «Aufgeben». In seiner «Weltwoche»-Kolumne lässt sich Kurt Zimmermann auf die Äste der Familienpolitik und schreibt:
Grössere wirtschaftliche Verschiebungen in der Schweizer Medienszene sind in aller Regel nicht von Kapitulation, industrieller Logik, Monopolisierung, Strategie, Konzentration, Nutzung von Synergien und Konsolidierungsprozessen getrieben. Es sind simple, alltägliche Nachfolgefragen. Entweder hat der Vater einen Sohn oder eine Tochter, der oder die das Unternehmen weiterführt. Oder der Nachwuchs ist nicht interessiert. Dann wird verkauft.
Falls sich Charles von Graffenrieds Sohn Michael mehr für Zeitungen als für die Fotografie interessiert hätte, schreibt Zimmermann weiter, wären «BZ» und «Bund» in Berner Händen geblieben. Tatsächlich? Der Blattkritiker bezweifelt diese Hypothese. Ein Medienkonzern wie die Espace Media Groupe ist kein Schuhmachergeschäft, das vom Papa entweder an den Sohn weitergegeben oder an den bösen Spekulanten verkauft wird. Auch Michael von Graffenried hätte sich mit Inserateschwund, Gratiszeitungen und fehlenden Ideen für Qualitätszeitungen konfrontiert gesehen - und sich entweder eigene Lösungen einfallen oder ebenfalls einem grösseren Konzern an die Brust werfen müssen.
Als Leser werden wir die genaue Geschichte des Espace-Deals vermutlich nie erfahren. Wie sieht es aber mit den Folgen aus? Nehmen wir statt der «Weltwoche» lieber die aktuelle «WOZ» zur Hand (ja, zur Hand, denn immer noch weigern sich die Genossen, ihre besten Texte aufs Web zu stellen). Hanspeter Spörri, gewesener «Bund»-Chefredaktor, schreibt über die Fusion und resümiert kurz den wirtschaftlichen Rosenkranz, der bei solchen Gelegenheiten gern heruntergebetet wird: Wer überleben will, muss grösser werden, der Strukturwandel ist nicht aufzuhalten, lieber ein einheimischer als ein ausländischer Käufer. «Soll man wieder einmal lamentieren über den Verlust regionaler Eigenständigkeit, über möglichen Stellenabbau?», schreibt Spörri und fragt:
Was wird nun besser? Vielleicht die «Berner Zeitung», die durch diverse Sparübung bereits ernsthaften Schaden genommen hat. Im Verbund mit dem «Tages-Anzeiger» liesse sich der ausgedünnte Mantel mit der nur noch mangelhaften Wirtschafts-, Kultur- und Auslandsberichterstattung quantitativ und qualitativ wieder verbessern.
Eine bessere Zeitung - genau darum geht es aus der Sicht der Leserinnen und Leser, sofern sie sich nicht längst von ihren Ansprüchen verabschiedet haben. Auf den Zürcher Redaktionen, in welchen der grösste Teil des schweizerischen Medienjournalismus produziert wird, scheint die zuweilen erbärmliche Qualität der «BZ» aber kein Thema zu sein. Die Zukunft der Berner Presse wird auf die Frage reduziert, wie lange es den «Bund» noch geben wird. Die unterschiedliche Geschichte, Ausrichtung und Qualität von «Bund» und «BZ» wird kaum je erwähnt. Spörri gibt Nachhilfe:
Der 1850 gegründete «Bund» ist immer noch eine Zeitung, um die es schade wäre, eine Zeitungspersönlichkeit mit Gedächtnis, mit Bewusstsein für Geschichte und Kontinuität, dem Gedankengut der Aufklärung und den «Errungenschaften von 1848» verpflichtet. (...) Einige Zeit schien die Aufgabenteilung zwischen dem «Bund» - seriös, urban, sozial-liberal, mit einer anspruchsvollen Leserschaft rechnend - und der «Berner Zeitung» - boulevardesk, auf die Agglomeration und den ländlichen bezogen, mehr Farbe, grössere Titel - ganz gut zu funktionieren. Doch es wurden weiter Kosten gesenkt, um die Rentabilität des Konzerns kurzfristig zu erhalten.
Wie fest die Tamedia auf die Kostenseite schielen wird und in welcher Redaktion sie das Messer ansetzt, ist noch offen. Die Angst vor einem Stellenabbau geht derzeit nicht nur am Berner Dammweg, sondern auch an der Zürcher Werdstrasse um.
Doch vielleicht eröffnen
Martin Kalls «Synergien» auch kreativere Ergebnisse als blossen Stellenabbau. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass auch der «Bund» mit ausgewählten Texten aus dem «Tages-Anzeiger» aufgepeppt wird. Das immer noch relativ grosse Korrespondentennetz des «Tages-Anzeigers» liesse sich so auch für den Platz Bern nutzen.
Und die «BZ»? Notfalls gibt es ja immer noch den Mantel von «20 Minuten» ...
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Peter Zieglers Replik zum BUND ! Meine (einmalige/ei [...]
Ich finde, @Leumund hat es drü ben bei Twitter hervorra [...]
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